Dr. Erik Dorff freut sich über das Herz, das Anwohner der Uelzener Straße an eine Linde gemalt haben, die sie gern erhalten sehen möchten. Foto: t&w

Weitere vier sollen fallen

Lüneburg. Die stattliche Lindenallee an der Uelzener Straße zwischen Kurpark und Munstermannskamp – sie war einmal. Baum für Baum ließ die Stadt in den letzten Jahren entfernen, aus Gründen der Sicherheit, wie es stets hieß. Nun sollen vier weitere der noch verbliebenen Alt-Bäume auf der Westseite der Motorsäge zum Opfer fallen, wie es der jüngst im Umweltausschuss vorgestellten Baumfällliste zu entnehmen war. „Nicht nachvollziehbar“, findet Anwohner Dr. Erik Dorff die erneuten Fällungen. Schon einmal hatte er dagegen interveniert, nun bekommt er Rückendeckung – aus dem Umweltausschuss.

„Aus unserer Sicht wäre eine Fällung nicht nötig“, sagt Karl Wurm. Als Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat er im Umweltausschuss zwar kein Stimmrecht, für den Erhalt insbesondere der stadtbildprägenden Bäume kämpft er trotzdem. Deshalb war er auch bei einer Begehung dabei, zu der die stadteigene Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) als Erstellerin der jährlichen Baumfälllisten die Ausschussmitglieder eingeladen hatte. Unter anderem ging es dabei auch in die Uelzener Straße.

Bäume durch Arbeiten an Kanalisation geschädigt

„Leider konnten wir keinen Kompromiss finden“, berichtete Wurm nach der Begehung. Zwar habe er Verständnis für die Stadt, die auf ihre Verkehrssicherungspflicht verweist, „damit kann man aber letztlich jeden Baum fällen“, sagt Wurm.

Bei Dr. Erik Dorff stößt er damit auf Zustimmung. Schon vor zwei Jahren hatte der Anwohner die Fällungen kritisiert, damals wurden fünf Linden entfernt. Und wie schon damals sagt er auch jetzt: „Die Bäume sind erkennbar nicht krank.“ Weder der von der AGL als Fällgrund genannte Pilzbefall noch die Wipfeldürre sind für den langjährigen Leiter des Forstamts Bleckede plausibel.

„Die Bäume sind sehr vital, wie an den vielen neuen Trieben erkennbar ist.“ Und auch den angeführten Salzschaden will Dorff nicht akzeptieren: „Das Salz befindet sich auf der Straße und gelangt in die Kanalisation, aber kaum zu den Wurzeln.“ Dass die in Mitleidenschaft geraten sind, liege vielmehr an fehlerhafter Arbeit, als vor Jahren an der Kanalisation gearbeitet wurde.

Das räumt auch die AGL ein. „Wir bedauern das sehr“, sagt AGL-Betriebsleiter Frank Fugel. Zwar werde auf bestmöglichen Baumschutz geachtet, dennoch komme es gelegentlich vor, dass Maßnahmen trotz Abstimmung und klaren Vorgaben „nicht im Sinne des Baumschutzes durchgeführt werden“.

Eine Linde kann vielleicht als Habitatbaum bleiben

Um die Bäume zu erhalten, seien sie mehrfach von der AGL eingekürzt worden, dennoch würden sie weiter „von oben absterben“. Zum Teil sei auch Pilzbefall erkennbar, der zum Zersetzen des Holzes führe. „Darüber hinaus ist die Wipfeldürre deutlich zu erkennen“, sagt Fugel. Dass es zum Teil neue Triebe gibt, bedeute nicht, dass der Baum gesund ist. „Vielmehr treiben auch Bäume kurz vorm Absterben oft noch einmal aus.“

Zwar kann Fugel den Wunsch vieler Lüneburger um den Erhalt ihrer Bäume nachvollziehen, er sagt aber auch: „Bei allem Verständnis für Einwände gegen Baumfällungen ist es uns wichtig zu betonen, dass die jeweilige Entscheidung, einen Baum zu fällen, nie auf einer Einzel-Meinung beruht.“ Durch die Fachkunde und jahrzehntelange Erfahrung der Baum-Experten der AGL sowie die kontinuierliche Beobachtung des Baumbestandes sei „eine sichere Beurteilung gewährleistet“. Auch sei ihnen am Erhalt des städtischen Baumbestandes gelegen. „Wir müssen aber genauso die Verkehrssicherheit zum Schutze der Mitbürgerinnen und Mitbürger im Auge haben.“

"Zu wenig Engagement seitens der Ausschussmitglieder"

Karl Wurm will das Thema dennoch erneut in den Umweltausschuss bringen. „Hier gab es aus meiner Sicht zuletzt zu wenig Engagement seitens der Ausschussmitglieder.“ Erstmals wurde in der Sitzung nicht über strittige Bäume diskutiert, stattdessen hatten Mitglieder zuvor Gelegenheit, sich von der AGL informieren zu lassen, wie es vorab im Ausschuss vereinbart worden war.

Bei Ralf Gros (Grüne) stößt das Verfahren ebenfalls auf Kritik, da er seine Punkte im Ausschuss nicht ansprechen konnte (LZ berichtete). Bis zur Beantwortung seiner nun schriftlich eingereichten Fragen bat er, von Fällungen abzusehen.

Dass die AGL bemüht ist, Bäume möglichst auch zu erhalten, zeigt, dass eine Linde in der Uelzener Straße vielleicht doch stehen bleiben kann. „Bei dieser Linde sind Höhlungen am Stamm erkennbar, die unter Umständen potenzielle Lebensräume bieten könnten“, sagt Fugel. Deshalb soll geprüft werden, ob die Linde als sogenannter Habitatbaum erhalten werden kann.

Von Ulf Stüwe