Dienstag , 29. September 2020
Die Verwaltung der Gemeinde Melbeck wird auf neue Füße gestellt. Bürgermeister Klaus Hübner (M.) kümmert sich künftig um die Repräsentation und die Leitung des Rates. Die Verwaltung nehmen Gemeindedirektor David Abendroth und seine Stellvertreterin Tanja Terwerde in die Hand. (Foto: dth)

Melbeck kauft professionelle Hilfe ein

Melbeck. Der Vorgang ist in einer Lüneburger Landkreis-Gemeinde bislang einmalig: Die Gemeinde Melbeck wird wegen chronischer Überlastung künftig von gleich zwei hauptamtlichen Mitarbeitern der Samtgemeinde Ilmenau verwaltet. Die Unterstützung lässt sich die Gemeinde einiges kosten: rund 78 000 Euro legt sie dafür jedes Jahr auf den Tisch. Um die Neuorganisation auch bezahlen zu können, hat der Gemeinderat am Mittwochabend mehr oder weniger blind dem neuen Haushalt 2020 zugestimmt.

Bürgermeister will zunächst reinen Tisch machen

Dem ehrenamtlichen Bürgermeister Klaus Hübner (CDU) war die Freude anzusehen, künftig nicht mehr die Last der Verwaltung allein tragen zu müssen. Doch bevor der Rat den Weg dafür freimachte, musste sich Hübner noch einer unangenehmen Diskussion über ein mögliches Fehlverhalten in der Vergangenheit stellen.

Offenbar wollte er vor der Abgabe seiner Verwaltungsfunktion noch reinen Tisch machen: Hübner stieß die Diskussion mit einem Dringlichkeitsantrag selbst an und bat darin den Rat, ihn von einem Fehlverhalten bei der Erschließung des Wohnbaugebiets „Lustgarten I“ im Jahr 2011 freizusprechen. Damals war er neben seinem Bürgermeisteramt bereits als stellvertretender Gemeindedirektor für die Kommune ehrenamtlich tätig. Hübner: „Das Thema schwelt schon seit Jahren.“ Seinerzeit hatte die Gemeinde die Erschließung des damals neuen Wohngebiets beauftragt. Nur der Straßenbauer machte mehr als geplant, ging 30 Meter über das Plangebiet hinaus und erschloss private Grundstücke in der Nachbarschaft. Diese zusätzliche Erschließung wurde aber von der dafür beauftragten Samtgemeinde offenbar bei den privaten Nutznießern gar nicht eingetrieben, zum Schaden der Gemeinde Melbeck. Rund 35 000 Euro seien Melbeck damit durch die Lappen gegangen. Damals war eine Klage gegen die eigene Samtgemeinde erworgen worden.

Peter Kuckat (Grüne) verwies auf einen Ratsbeschluss von 2017, dass die Samtgemeinde nicht verklagt werden solle. Dieter Konrad (SPD) nannte den Beschluss von 2017 rechtswidrig, weil die Gemeinde nicht auf das Geld verzichten dürfe. Dem hielt Karsten Albrecht (CDU) entgegen: „Wir haben uns nicht gegen das Geld entschieden, sondern dagegen, in einem offenen Rechtsstreit auch noch gutes Geld schlechtem Geld hinterherzuwerfen.“ In der Sache scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein, aber der Rat nahm jetzt zumindest seinen Bürgermeister aus der Schusslinie: Einstimmig stellte der Rat fest, dass zumindest Hübner weder Vorsatz noch grobe Fahrlässigkeit vorzuwerfen seien.

David Abendroth zum Gemeindedirektor ernannt

Künftig wird Hübner sich auf die Repräsentationspflichten des Bürgermeisters und als Ratsvorsitzender konzentrieren dürfen. Ab 1. Januar 2020 übernimmt David Abendroth von der Samtgemeinde Ilmenau die Verwaltungsgeschäfte. Dazu ernannte der Rat Abendroth einstimmig, bei zwei Enthaltungen, zum neuen Gemeindedirektor. Hübner warb dafür, das als Chance zu begreifen. Allerdings soll der neue Verwaltungsvertreter für Melbeck wöchentlich nur mit zehn Stunden pro Woche zur Verfügung stehen, ähnlich wie in anderen Kommunen auch. In Melbeck hat sich die liegengebliebende Arbeit aber derart hoch aufgetürmt, dass auch Abendroth Unterstützung angefordert hat, und er bekommt sie. Aber die Art ist ungewöhnlich.

Neben Abendroth wird Tanja Terwede aus dem Bauamt der Samtgemeinde ab 1. Februar 2020 als stellvertretende Gemeindedirektorin in Vollzeit für Melbeck arbeiten, vor allem um den Umsetzungsstau bei den vielen Bauprojekten zu beseitigen. Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt hatte jüngst erklärt, die Zahl der Melbecker Projekte schwanke, jenachdem wen man frage, zwischen 20 und 70. Während der Einsatz des Gemeindedirektors normalerweise durch die ohnehin entrichtete Samtgemeindeumlage von den Mitgliedsgemeinden als mitbezahlt gilt, zahlt Melbeck für das neue Verwaltungs-Duo extra. Das ist in einer Verwaltungsvereinbarung geregelt, dem der Rat jetzt zugestimmt hat: Demnach zahlt Melbeck pro Jahr 78 069,24 Euro an die Samtgemeinde für die Unterstützung.

Zum Dank eine Kiste Wein

Damit die Verwaltungsprofis ihre Arbeit aufnehmen können, beschloss der Rat Hals über Kopf einen Haushalt für 2020, damit es eine Finanzierungsgrundlage gibt. Gleichwohl herrschte Einigkeit darüber, dass der Rat in wenigen Wochen schon einen Nachtragshaushalt beraten müsse, um die realen Bedürfnisse der Kommune in das Zahlenwerk einzuarbeiten. Lobende Worte für den Bürgermeister, der sich nun aus der Verwaltung heraushält, fand Karsten Fuhrhop. „Du hast dir für die Gemeinde den Arsch abgearbeitet.“ Der Verwaltungswechsel sei aber notwendig, damit Hübner „nicht zum nächsten Weihnachtsfest mit Burnout unterm Baum liegt“. Zum Dank versprach er Hübner eine Kiste Wein.

Von Dennis Thomas