Irma und Gerd Bergen freuen sich auf die Feier ihrer Gnadenhochzeit im Kreis der Familie. (Foto: t&w)

„Wir nehmen uns so, wie wir sind“

Reppenstedt. Noch ein bisschen zusammenrücken, lächeln und schon klickt der Fotoapparat des LZ-Fotografen. Irma und Gerd Bergen sitzen an dem runden Holztisch in ihrem Wohnzimmer, wie sie es auch sonst so gerne tun. Dass der Fotoapparat rattert, dass die Reporterin Fragen stellt, dass sie ihre Geschichte erzählen – all das kennen die beiden 90-Jährigen schon. Drei Mal hat die LZ bereits über sie und ihre Liebesgeschichte berichtet – zur goldenen, zur diamantenen, zur eisernen Hochzeit.

Auch zum 17. Dezember 2019 wollten wir mit ihnen sprechen – dem Tag, an dem Irma und Gerd Bergen ihren 70. Hochzeitstag feiern. „Ein bisschen kleiner“ soll der Artikel diesmal sein, wünscht sich Irma Bergen, dabei gäbe es so viel zu erzählen, über das Paar und ihren ganz besonderen Hochzeitstag.

Beim Tanzen sprang der Funke über

Kennengelernt haben sich die beiden in den Kriegswirren des Jahres 1946. Gerd Bergen war mit seinen Eltern und der Schwester aus Oberschlesien geflohen, wurde dann aber zwangsrekrutiert, sodass sich die Wege der Familie trennten. Als er rund zwei Jahre später Schwester und Eltern wiederfand, waren sie auf einem Hof im Kreis Gifhorn untergekommen, dem Elternhaus von Irma Bergen.

Als sie den Suchenden das erst Mal sah, wusste sie gleich „der muss es werden oder keiner. Obwohl ich eigentlich keinen blonden Mann wollte“, sagt Irma Bergen 73 Jahre später und schmunzelt. Beim Tanzen sprang der Funke über und ließ sich auch von den Eltern nicht löschen, die eigentlich schon einen anderen Mann für ihre Tochter ausgesucht hatten. „Mein Vater wollte eigentlich nicht, dass wir heiraten“, erinnert sich Irma Bergen, schließlich sollte der Mädchenname der jungen Frau an einen möglichen Hoferben weitergegeben werden. Doch die Liebe der beiden setzte sich durch – und die Oma. „Kannst du dich erinnern, als du dein Portemonnaie verloren hast und die Oma dir ein neues gegeben hat?“, fragt Irma Bergen ihren Mann. Natürlich kann er – und sie schwelgen in den Erinnerungen von damals.

„Man muss alles teilen und füreinander da sein, dann spielen die Jahre keine Rolle.“ – Gerd Bergen

Es sind viele schöne Zeiten, aber auch schwierige oder traurige Momente, die das Paar geteilt hat. „Das geht nur, wenn man in den Wir-Gedanken geht und nicht nur an sich selbst denkt. Man muss alles teilen und füreinander da sein, dann spielen die Jahre keine Rolle“, sagt Gerd Bergen. „Und man muss auch mal Dampf ablassen können“, ergänzt Irma Bergen.

Seit 1998 leben sie in Reppenstedt, inzwischen umgeben von den Kindern, den Enkeln und Urenkeln. Familienmenschen, ja, das seien sie und zeigen stolz die Familienfotos. Was sie besonders aneinander schätzen lautet die nächste Frage. „Wir nehmen uns so, wie wir sind“, sagt Irma Bergen und blickt zu ihrem Gerd. Dann lachen sie gemeinsam – wie so oft an diesem Nachmittag. Und zwischen den alten Anekdoten von einst, den gemeinsamen Erinnerungen und Scherzen, erzählen sie ihre Geschichte, gerne noch ein viertes Mal, weil sie so schön ist, dass man sie einfach immer wieder hören mag.

Von Anke Dankers