Samstag , 24. Oktober 2020
Das Team der Firma Wille (linke Seite) und ein Teil des Gobanyo-Teams vor dem fertigen Duschbus. (Foto: privat)

Zum Waschen in den Bus

Lüneburg. Seit einigen Tagen fährt in Hamburg ein etwas anderer bunter Linienbus umher, vier Tage die Woche für jeweils fünf Stunden. Statt Sitzplätzen befinden sich im Inneren dieses Busses drei Badezimmer, zwei Wassertanks, ein paar Kleiderschränke und eine Therme: Es handelt sich um den Duschbus der gemeinnützigen GmbH Gobanyo, der Obdachlosen kostenlos die Möglichkeit gibt, sich zu waschen. Gebaut wurde der Bus von der Lüneburger Firma Wille Karosserie- und Fahrzeugbau.

Die Idee für die mobilen Badezimmer kam von Dominik Bloh, der selbst über zehn Jahre in Hamburg auf der Straße gelebt hat. Er weiß somit aus eigener Erfahrung, wie groß das Bedürfnis von Obdachlosen nach Körperhygiene ist – und dass sie diesem Bedürfnis zu selten nachkommen können. Deshalb hat sich Gobanyo gegründet, ein Zusammenschluss aus der Viva con Aqua Stiftung, den Vereinen Clubkinder und Hanseatic Help, Hamburg Wasser und der Hamburger Hochbahn, die den Bus gestiftet hat.

Das Wagnis der Pionierarbeit

Durch eine Spendensammlung konnte genügend Geld für das Projekt zusammenkommen, sodass die Firma Wille das Projekt umsetzen konnte. Auch sie hat eingebracht und einen Teil ihrer Arbeitszeit gespendet.

„Das Team von Gobanyo kam auf uns zu und hat gefragt, ob wir diesen Bus ausbauen können”, erzählt Volker Lütgens, Betriebsleiter der Lüneburger Firma. Das sei vor etwa einem Jahr gewesen. „Es ist schon ein Wagnis, so ein Projekt zu starten”, sagt Volker Lütgens, „schließlich gibt es in Deutschland noch kein vergleichbares Fahrzeug, ich würde sogar behaupten, dass der Duschbus in ganz Europa einzigartig ist.”

Gobanyo hätte aber genaue Vorstellungen gehabt. „Es sollten drei Badezimmer rein, jeweils mit WC, Dusche und Waschbecken”, sagt Volker Lütgens. Einer der Duschräume sollte barrierefrei sein, damit auch rollstullfahrende Obdachlose den Bus nutzen können. „Und dann die ganzen Kleinigkeiten: Steckdosen für einen Rasierer oder zum Aufladen des Handys, ein Spiegel, ein Fön und ein wasserdichter Toilettenpapierhalter.” Und das alles auf nicht einmal 20 Quadratmetern Grundfläche.

Das Frost-Problem war eine Herausforderung

Zusätzlich beherbergt der alte Linienbus mehrere Schränke, in denen Kleidung, Zahnbürsten und Hygieneartikel gelagert werden. „Ziel ist es, dass die Obdachlosen wie neu geboren aus dem Duschbus herauskommen”, sagt Volker Lütgens. Deswegen gebe es auch keine zeitliche Begrenzung. „Das war Dominik Bloh ganz wichtig”, betont Volker Lütgens. Die Obdachlosen können deshalb so lange duschen und das Bad belegen, wie sie mögen.

„Eigentlich fasst der Tank 1200 Liter Frischwasser, was für etwa 30 Duschvorgänge ausreicht”, sagt Lütgens. Wenn jemand länger duscht und das Wasser deshalb früher aufgebraucht ist, müsse eben aufgetankt werden. „Das wird sich aber alles erst zeigen, wenn der Bus eine Weile in Betrieb ist.”

Die größte Herausforderung sei gewesen, dass der Duschbus nachts komplett frei von Wasser sein muss. „Sonst frieren uns die Leitungen zu”, erklärt Lütgens. Deshalb können nicht nur der Frischwasser- und der Abwassertank abgelassen werden, „durch modernste Vakuumtechnik können auch die Leitungen vollständig geleert werden”.

Insgesamt hat der Umbau knapp ein halbes Jahr gedauert. Nun soll der Bus regelmäßig durch Hamburg fahren und am Hauptbahnhof, Fischmarkt und Millerntorstadion Halt machen. „Wenn das gut läuft, wären wir auf jeden Fall bereit, noch einen zweiten Duschbus zu bauen”, meint Lütgens. „Wir sind stolz darauf, an diesem sozialen Projekt beteiligt gewesen zu sein.”

von Lilly von Consbruch