Montag , 21. September 2020
Ingrid Lüneburg und Gerhard Müller begutachten die Arbeit von Philipp Schütt. (Foto: t&w)

Wettstreit der Melker

Hittbergen/Barförde. So viele junge Leute wie heute sind ein seltener Anblick im Kuhstall von Hartmut Burmester: Dreizehn Jugendliche sind angetreten, um am Melkwettbewerb der Landwirtschaftskammer Niedersachsen anzutreten. Alle zwei Jahre findet der Wettbewerb statt, für die drei Besten geht es beim Bezirksentscheid in Echem weiter. Die Landwirtschaftsschüler haben einen theoretischen und einen praktischen Teil zu meistern, jeder der Schüler muss drei Kühe melken und einen Test zur Früherkennung von Euterkrankheiten durchführen. Bewertet wird ihre Arbeit von acht Praktikern aus der Region.

„Außenstehende denken oft, Melken sei kinderleicht, aber das ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit, wenn man sie gut machen will“, erklärt Sabine Gritke von der Landwirtschaftskammer. Sie war schon vor 20 Jahren beim ersten Melkwettbewerb dabei und ist sich sicher: Der Aufwand, der dahintersteckt, lohnt sich.

Unter den Augen der Profis stellen die Schüler ihre Fähigkeiten unter Beweis, neben der Sauberkeit des Arbeitsplatzes gehören zum Melken auch das Ansprechen der Kuh, das Vormelken und die Reinigung der Euter.

Gespür für das Tier

„Das auf die Beine zu stellen ist eine Wahnsinnsarbeit, aber wir haben damit super Erfolge erzielt“, berichtet Gritke. „Für unseren Nachwuchs ist das eine gute Übung, weil wir im Nachgang alles intensiv besprechen.“ Auch in Zeiten von Melkrobotern sei der Mensch immer noch der Mittler zwischen Technik und Kuh und müsse ein Gespür für das Tier haben und wissen, was in einer Kuh vorgeht.

„Es geht damit los, einzuschätzen, ob das Melkgeschirr in Ordnung ist. Man muss sich bei der Kuh anmelden, dass man jetzt an ihr arbeitet“, erklärt Gritke die Herangehensweise. „Der Melkrhythmus muss richtig sein, das ist ganz wichtig. Beim Saubermachen schauen, dass die Zitze wirklich ganz sauber ist. Es gibt viele kleine Dinge, auf die man achten muss.“ Für den Melkwettbewerb haben die Richter Tücken eingebaut, erzählt die Agrarexpertin. „Wir sind gemein und stellen die Abnahmeautomatik aus, sodass die Jugendlichen einschätzen müssen, ob die Kuh ausgemolken ist oder nicht.“

Dem 16-jährigen Luca Rüh hat der Tag Spaß gemacht: „Ich melke auch auf dem Hof, aber hier in der anderen Umgebung und in der Prüfungssituation ist es etwas ganz anderes.“ Eine gute Note wäre schön, wichtiger ist ihm aber die Erfahrung. „Wir machen ja hier freiwillig mit.“

Gritke: „Ich bin froh darüber, dass es weiterhin Jugendliche gibt, die Interesse an Milchvieh haben, obwohl die Arbeitszeiten und –bedingungen alles andere als einfach sind.“

Von Lea Schulze