Maria Fuchs spielt bei den Rosen die Griechin Carla Saravakos. Die Autoren schrieben ihr ein Krebsleiden zu. Für die Schauspielerin bedeutete das „harte drei Monate.“ Zuletzt agierte sie vor der Kamera meist mit Perücke. (Foto: be)

„Darauf war ich nicht vorbereitet“

Lüneburg. Maria Fuchs ist – mit Verlaub – ein alter Hase im Schauspielgeschäft. Seit mehr als 20 Jahren steht sie vor Film- und Fernsehkameras. Und schon vorher war ihr die Branche bestens vertraut. Ihr Vater war der Schauspieler Matthias Fuchs, der vielen bekannt war, seit er als junger Bursche als Edelbert in den Immenhof-Filmen glänzte. Ihre Mutter hat als Kostümbildnerin gearbeitet. Bei so viel Erfahrung kann einen nichts mehr so schnell aus der Bahn werfen. Eigentlich. Doch die Rolle der Carla Saravakos bei den Rosen hat ihr zuletzt eine Menge abverlangt. Denn Carla hat Krebs, muss sich durch Chemotherapien kämpfen, verliert als Köchin ihre Geschmacksnerven. Diese Krankheits- und Leidensgeschichte glaubwürdig zu verkörpern, hat die 45-Jährige an ihre Grenzen gebracht. „Manchmal habe ich schon gedacht: Oh Gott, warum hast Du Dich darauf eingelassen?“

Phasenweise mit Depressionen zu kämpfen

Es war nicht so, dass die Autoren ihr die Krankheitsgeschichte aufgezwungen haben. „Sie haben mich vorher schon gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte“, blickt Maria Fuchs zurück. Sie konnte. „Im Nachhinein muss ich ehrlich gestehen: Ich war nicht wirklich darauf vorbereitet. Ich habe harte drei Monate hinter mir, die Belastung war deutlich größer als sonst, das ging richtig in meine Psyche rein. Phasenweise hatte ich regelrecht mit Depressionen zu kämpfen.“

Dabei dürfte manch einen schon die Bereitschaft, in ihrer Rolle den Brustkrebs zu durchleben, zumindest staunen lassen angesichts des familiären Hintergrundes. Ihr Vater starb an Krebs, ihre Mutter hat Brustkrebs. „Mit ihr kann ich darüber gar nicht sprechen, die blockt da ab. Als sie hörte, dass ich das spiele, hat sie nur gefragt: Wie kannst Du nur?“, verrät die Schauspielerin, die seit 2008 zur Stammbesetzung der Lüneburger Telenovela gehört. Auch in ihrem Bekanntenkreis gebe es viele, die an Krebs erkrankt sind. Berührungsängste hatte sie dennoch nicht – im Gegenteil: „Ich wollte das unbedingt spielen.“ Allerdings sei sie vorher zum Arzt gegangen, um sich einmal auf mögliche Tumore durchchecken zu lassen. „Ich wollte sicher gehen. Diese Sicherheit hat mir anfangs auch sehr geholfen.“

Es gab später Phasen, wo sie die Bereitschaft bereute. 35 Szenen pro Woche habe sie zuletzt gedreht, zweimal saß sie für jeweils vier Stunden in der Maske, wo sie sonst in 50 Minuten kameratauglich hergerichtet wird (ein Video davon im Zeitraffer haben die Rosen auf ihrer Facebookseite). „Das war schon nicht ohne.“ Zumal sie gemerkt habe, was es mit ihr macht, wenn sie plötzlich keine Haare mehr hat – auch wenn sie in ihrem Fall nur unter künstlichen Glatzen versteckt waren. „Jeden Morgen mussten meine Haare verschwinden. Da wird einem erstmal bewusst, wie sehr einen auch die Haare ausmachen, das geht dann schon an die eigene Sexualität. Darauf war ich nicht vorbereitet.“ Hinzu kam, dass ihre Tochter im Sommer eingeschult wurde, sie auch privat nun in anderer Rolle gefordert war.

Großes Echo der Fans in den Internetforen

Na klar, in ihrem Fall war alles nur gespielt, da hat sie einen riesigen Vorteil gegenüber jenen, die eine solche Krankheit am eigenen Leib erleben mussten oder müssen. Doch weil sie sich so in diese Leidensgeschichte hineinversetzte, habe ihr das so stark zugesetzt, dass für sie eines morgens feststand, dass sie auf die Autoren zugehen werde: „Genug mit der Wahrhaftigkeit, Ihr müsste mich jetzt mal durchatmen lassen. Da kam dann aber schon das Signal, dass ich nicht mehr lange durchhalten müsse“, erzählt die Hamburgerin.

Aufmerksam verfolgt sie auch das große Echo in den Internetforen, wo sich Fans der Serie natürlich auch zur Krankheitsgeschichte der Carla Saravakos äußern. Da gibt es Kritik, zum Beispiel weil der Köchin eben nicht auch die Augenbrauen ausfallen, obwohl es solche Fälle durchaus gibt, aber durchaus auch anerkennende Worte von Menschen, die selbst an Krebs leiden und dankbar sind, dass diese Volkskrankheit auch mal in diesem Rahmen thematisiert wird. Ihr geht das spürbar nahe, deshalb ist ihr auch wichtig, einen Appell an diese Fans zu richten: „Allen, die Krebs haben, möchte ich sagen: Seid stark und kämpft. Ihr schafft das.“

Von Alexander Hempelmann