Montag , 28. September 2020
Auf dem 7000 Quadratmeter großen Grundstück will ein Investor vier Wohnhäuser errichten. (Grafik: Samtgemeinde Amelinghausen)

Wohnanlage für Senioren nimmt erste Hürde

Amelinghausen. Deutlich geschrumpft präsentierte sich der Rat der Samtgemeinde Amelinghausen zur letzten Sitzung des Jahres im Amelinghausener Rathaus. Ratsvorsitzende Gisela Plaschka (FDP) hatte den Sitzungsbeginn sogar für einige Minuten verschieben müssen, dann war der Rat mit 13 von 22 Ratsmitgliedern so gerade beschlussfähig. Dafür waren die Zuschauerplätze ungewöhnlich gut gefüllt. Und das hatte vor allem einen Grund: Die geplante Senioren-Wohnanlage am Promenadenweg sorgt für Gesprächsstoff im Dorf.

Wie berichtet, gibt es Pläne für eine Service-Wohnanlage mit bis zu 46 Wohneinheiten, die gegenüber vom Seniorenzentrum Lopaupark entstehen soll. Die Samtgemeinde möchte ein Grundstück von 7000 Quadratmetern an einen Investor verkaufen, der dort vier Wohnhäuser errichten möchte. Der Service-Gedanke sieht vor, dass die Bewohner Leistungen wie medizinische Unterstützung, Mahlzeiten oder Reinigung nach Wunsch dazu buchen können. Für das Projekt muss die Samtgemeinde den Flächennutzungsplan ändern, der dort bisher eine Nutzung für den Tourismus vorsieht. Das Planverfahren für die Bebauung liegt dann bei der Gemeinde Amelinghausen.

Standort optimal

Ihren Unmut an den Plänen äußerten einige Anwohner des Lerchenweges: „Was geht eigentlich in den Köpfen vor, wenn eine Gemeinde ein Stück vom eigenen Park verkauft?“ fragte etwa Eckhard Kläs. „Die Idee hat uns überzeugt“, antwortete Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Kalisch und Christoph Palesch, Bauamtsleiter und Gemeindedirektor von Amelinghausen, ergänzte: „Der Investor hat deutlich gemacht, dass der Standort optimal ist. Die Gründe sind für uns gut nachvollziehbar.“

Das Grundstück sei der Samtgemeinde einst geschenkt worden, wandte eine Anwohnerin ein. „Ob das noch im Sinne des Voreigentümers ist, ist fraglich.“ Kalisch korrigierte: Die Samtgemeinde habe das Grundstück 1990 gekauft. Die Bindung für den Zweck Tourismus sei nach 25 Jahren abgelaufen. Verständnis zeigte Renate Völker (SPD) für die Kritik: „Die Leute wohnen dort schon ewig. Wenn dann da plötzlich vier Bunker entstehen sollen, dann ist das gewöhnungsbedürftig.“ Das Wort „Bunker“ nahm sie später zurück, nachdem ein anderer Zuhörer protestiert hatte.

Winfried Geppert (WGZ) sah das Projekt deutlich positiver: „Die Idee an sich finde ich ausgezeichnet.“ Das sah der Rat ähnlich und votierte schließlich einstimmig bei einer Enthaltung von Marcel Borowski (AfD) für die Planänderung. Gekoppelt an das Bauprojekt ist eine städtebauliche Vereinbarung zwischen Samtgemeinde und Gemeinde Amelinghausen. Die sieht vor, dass sich die Samtgemeinde mit 90 000 Euro an der Wiederherstellung des Lerchenweges nach Ende Bauphase beteiligt.

Finanziell solide

Einzig Frederik Vestergaard (UWG) sagte dazu Nein: Amelinghausen stehe finanziell sehr gut da. „Und dann sollen alle Menschen aus der Samtgemeinde für eine Straßensanierung in Amelinghausen zahlen.“ Das sei in einer Samtgemeinde normal, entgegnete Oskar Bauer (SPD). „Jeder lebt von der Allgemeinheit.“ Wer mehr oder weniger Vorteile habe, lasse sich so nicht sagen. Und Kalisch bekräftigte: „Wir alle profitieren auch von den Vorteilen.“

Vorteilhaft finden Rat und Verwaltung auf jeden Fall, dass das bewährte Führungsduo bei der Feuerwehr weitermacht: Gemeindebrandmeister Henning Brockhöft und sein Stellvertreter Uwe Meyer wurden für eine weitere Amtszeit vereidigt. Ebenso einstimmig wurde Christoph Palesch zum Allgemeinen Vertreter von Bürgermeisterin Claudia Kalisch ernannt.

Von Ute Klingberg-Strunk