Donnerstag , 24. September 2020
Fabian Ehlbeck (l.) und Erik Wozny sind begeisterte Feuerwehrleute. Schon als kleine Jungs machten sie bei der Kinderfeuerwehr in Häcklingen mit. (Foto: ca)

Sie haben das Feuerwehr-Gen

Lüneburg. Wenn Papa los musste, Blaulicht flackerte, die Sirene jaulte, dann hingen die Jungs zu Hause in Häcklingen im Fenster oder standen im Garten. Ihnen war immer klar, dass sie es so machen würden wie ihre Väter – sie wollten zur Feuerwehr. Das liege im Blut. Ein Feuerwehr-Gen sozusagen. Heute sind die beiden Jungs 18 Jahre alt und rücken mit aus, wenn der Alarm geht. Inzwischen manchmal mit den Vätern zusammen. Ehrensache. Doch für Fabian Ehlbeck und Erik Wozny bedeutet Feuerwehr mehr. Es geht um ein altmodisch klingendes, aber warmes Wort: Kameradschaft.

Engagement vor der Haustür statt in fernen Ländern

Nach dem Abi einen Freiwlligendienst irgendwo in einem fernen Land zu absolvieren und somit eine Art Entwicklungshilfe zu leisten, das ist beliebt. Doch für die beiden Jungs aus Häcklingen ist klar: Engagieren kann man sich auch vor der eigenen Haustür.

„Das fängt bei den Kleinen an“, sagt Fabian Ehlbeck. „Man lernt Freunde kennen, weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann.“ Der Zusammenhalt wächst: „Wir machen auch so etwas zusammen.“

Einmal im Monat treffen sich die Aktiven zum Übungsdienst. Doch das ist nicht alles. Erik Wozny berichtet, dass angehende Brandbekämpfer mehrere Lehrgänge absolvieren, bis sie in den Einsatz gehen: Die heißen Truppmann I und II, auch der Umgang mit Funkgeräten steht an sowie das Vorgehen unter einem Atemschutzgerät. Wozny sagt, dass er es spannend findet zu lernen, wie er gegen ein Feuer vorgeht. Deshalb war für ihn selbstverständlich, Pressluftatmer tragen zu dürfen, um einen Brand zu bekämpfen: „Ich kann aktiv dabei sein.“

Das Miteinander und die Begeisterung

Ehlbeck reizt die Technik. An Bord der schweren roten Kolosse finden sich nicht nur Schläuche und Spritzen, sondern auch Gerät, um Türen zu öffnen, dazu Hydraulik-Spreizer und -scheren, die es braucht, um nach einem Unfall Verletzte aus einem Auto zu befreien. Es sei beeindruckend, wie man Menschen in Not helfen könne.

Aber das ist nicht alles. Ehlbeck macht als Betreuer in der Kinderfeuerwehr mit, sie richtet sich in der Regel an die Sechs- bis Zehnjährigen, Wozny bei der sich anschließenden Jugendfeuerwehr. „Ich gebe die Faszination weiter“, beschreibt Ehlbeck seine Motivation. Spielerisch lernen die Mädchen und Jungen, miteinander etwas zu machen. Dabei geht es zu Beginn weniger um die Feuerwehr als um das Miteinander und die Begeisterung. Es wird quasi eine kleine Flamme entzündet. Die Anforderungen steigen, haben mehr mit den Aufgaben der Erwachsenen zu tun. Neben der Übung stehen Zeltlager, Ausflüge und Basteln auf dem Programm.

Die beiden großen Jungs erzählen das mit Begeisterung in den Augen. Und auf die Frage, ob das nicht alles viel Zeit kostet, rechnen sie blitzschnell vor, dass ihre Ausbildung und die Jugend- beziehungsweise Kinderfeuerwehr meistens nur zwei Abende in der Woche und ab und an einen Wochenenddienst bedeuten. Hört sich an wie: „Was ist das schon?“ Eine Menge, denn viele ihres Alters leisten längst nicht so viel.

Arbeitgeber kommen ihnen entgegen

Nach dem Abitur haben beide eine Lehre begonnen, einer als Fachkraft für Lagerlogistik, der andere als Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker. Mit ihren Chefs haben sie geklärt, dass sie als ehrenamtliche Feuerwehrleute los dürfen, wenn sie für einen Einsatz gebraucht werden. Damit gehen sie verantwortungsvoll um, sie wissen, dass die Firmen ihnen da entgegenkommen.

Eines ist auch für beide klar. Sollten sie umziehen, weil sie anderswo einen Job finden oder ein Studium beginnen, wollen sie auch da bei der Feuerwehr mitmachen – so wie das Feuerwehrmänner und -frauen machen, die aus anderen Orten nach Lüneburg ziehen. Wozny lächelt und sagt: „Das ist so in der DNA.“ Das Feuerwehr-Gen eben.

Von Carlo Eggeling