Der Blick aus der Vogelperspektive: Das SaLü ist seit knapp zwei Jahren Baustelle - und wird es noch bis 2021 bleiben. Foto: t&w

Badegäste müssen sich gedulden

Lüneburg. Die Betonier- und Mauerarbeiten für die Wellen-, Sole- und Außenbecken sowie für Wände und Stützen auf der Großbaustelle „Badewelt“ des SaLü laufen auf Hochtouren. Im April soll der Rohbau fertig sein. Damit wäre die Kurmittel GmbH als Bauherr soweit im Zeitplan. Doch aus der bisher geplanten Wiedereröffnung der Badewelt Mitte 2020 wird nichts, denn es gab Probleme mit der Dachdecker-Firma. Das erklärte Geschäftsführer Dirk Günther jetzt beim Baustellen-Rundgang. Nun können Bade-Fans voraussichtlich erst Ende des ersten Quartals 2021 wieder abtauchen.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass mit dem Abbruch des aus dem Jahr 1972 stammenden Wellenbades begonnen wurde. Nur ein Teil eines Gesamtprojekts, mit dem die Kurmittel GmbH ihre Einrichtung an der Uelzener Straße für die Zukunft attraktiver gestalten will. Während in vielen anderen Kommunen bundesweit immer mehr Bäder geschlossen werden, weil Städten und Gemeinden das Geld fehlt, setzt die Kurmittel GmbH auf Investition. Anteilseigner sind die Gesundheitsholding und die Stadt Lüneburg.

Probebetrieb noch nicht in Sicht

Beim Gang über die Baustelle präsentiert Günther den Stand der Arbeiten. Das Wellenbecken ist betoniert, inklusive Strandauslauf; daneben ein Kinderbecken, in das die Welle reinschwappen soll. Viel Vorstellungskraft braucht es noch, sich den künftigen lichtdurchfluteten, verglasten Eingangsbereich vorzustellen, von wo aus der Blick durch das Wellenbad bis hin zur Uelzener Straße geht. An der Seite laufen die Arbeiten für die Verlängerung des Gebäudes, Soleruhebecken und Liege-Galerie sollen hier Platz finden. Mehr Duschen und Toiletten werden nicht nur im Zugang zum Wellenbad entstehen, sondern auch für den höchst profitablen Saunabereich, der einen barrierearmen Zugang erhält. Der Eingangsbereich bekommt einen Kinderwagen-Parkplatz, vis-á-vis liegen der Shop und die Gastronomie.

„Mitte kommenden Jahres wollten wir eigentlich in den Probebetrieb gehen“, sagt Günther. Schulen und Vereine wären dazu eingeladen gewesen, um das Ganze einmal zu durchlaufen, um zu schauen, ob alles wie zum Beispiel die Wassertechnik funktioniert. „Danach hätten wir eröffnen können.“ Daraus wird nichts.

Für die Badewelt braucht es noch etwas Fantasie. Foto: t&w

Dass es zu einer „Bauverzögerung“ kommen werde, habe sich im Spätsommer angedeutet. Die Dachdecker-Firma aus Rostock habe mitgeteilt, dass sie sich weigere, Dachbahnen einzubauen, weil es damit Probleme gebe. „Wir nahmen die Bedenken zur Kenntnis, haben aber das Go gegeben, nachdem wir uns bei dem Hersteller rückversichert haben, dass es keine Probleme mit den Dachbahnen gebe.“ Doch von der Dachdecker-Firma war nichts mehr zu hören, auch Mahnungen führten zu keiner Resonanz. Da das Gewerk vertragsbrüchig sei, „haben wir letzte Woche den Vertrag gekündigt“. Wieder keine Reaktion von der Firma.

Beginn der Dacharbeiten voraussichtlich im Mai

Nun müssen die Dacharbeiten erneut europaweit ausgeschrieben werden. Allerdings sei eine verkürzte Ausschreibung möglich. Ende Januar gebe es „hoffentlich ein Ergebnis, an wen das Angebot geht“. Der Vertrag enthalte dann wieder Termine, wann mit den Dacharbeiten begonnen werden muss. Allerdings müssten sogenannte Stahltrapezbleche bestellt werden, drei Monate kann das dauern. Der Beginn der Dacharbeiten könnte dann vielleicht im Mai beginnen. Umplanen bei den Gewerken ist außerdem angesagt. „Der Fliesenleger sollte zum Beispiel eigentlich erst im Wellenbecken arbeiten, geht nun aber ins Außenbecken.“

Ob es zusätzliche Kosten gebe, sei schwer zu sagen. „Wir wissen nicht, zu welchen Kosten wir das neue Angebot erhalten.“ Ende Januar lasse sich Genaueres sagen.

Diskussion im Wirtschaftsausschuss

Investition für die Rutsche sorgt für Kritik 

Dirk Günther. Foto: t&w

Die geplanten Baukosten waren bisher mit 17 Millionen Euro kalkuliert, plus 15 Prozent Sicherheit – falls die Baupreise steigen oder Unvorhersehbares passiert. Macht 19 Millionen Euro. Obendrauf kämen noch Baunebenkosten, zum Beispiel für Anträge oder Projektsteuerung, erklärte Dirk Günther. Etwas Unvorhersehbares ist Ende 2018 passiert. In Folge eines Sturms kippte die Riesenrutsche um. Günther hatte Ende März in der LZ erklärt, dass die Geschäftsführung mit dem Aufsichtsrat im Gespräch sei, eine neue zu installieren. Das würde natürlich kosten.

Im Wirtschaftsausschuss, bei dem auch der Wirtschaftsplan 2020 der Kurmittel GmbH auf der Tagesordnung stand, kritisierte Michél Pauly, Fraktionsvorsitzender der Linken, dass die Kosten für die Rutsche längst dem Aufsichtsrat vorlägen, Politik und Öffentlichkeit darüber aber nicht informiert würden. Pauly, der dem zur Verschwiegenheit verpflichteten Aufsichtsrat angehört, ließ verlauten, es handle sich um eine siebenstellige Summe. Die Entscheidung für eine solche Investition halte er wirtschaftlich und sozial nicht für vertretbar.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge verwies darauf, dass Pauly alle Fragen, die er habe, im Aufsichtsrat klären könne. Das Gremium prüfe derzeit noch Details zu den möglichen Kosten für eine neue Rutsche. Dem Beschlussvorschlag zum Wirtschaftplan 2020, dem alle Mitglieder des Ausschusses außer Pauly folgten, wurde hinzugefügt, dass der Aufsichtsrat im Januar im öffentlichen Teil des Wirtschaftsausschusses zu den Kosten für die Rutsche berichten werde. Wolfgang Goralczyk (CDU) hatte zuvor noch deutlich gemacht, dass die Rutsche ein Angebot sei, dass Kinder und Kunden ziehe. Betrüblich sei, wenn durch diese die Baukosten steigen würden, man solle zügig in die Umsetzung kommen.

Wer wissen möchte, wo was entsteht, kann sich auf einen virtuellen Rundgang über die Baustelle begeben. 

Von Antje Schäfer