Sonntag , 20. September 2020
Die Coca-Cola-Tochter Apollinaris vermarktet „Vio“ als Premium-Mineralwasser, entnommen aus dem Lüneburger Untergrund in rund 200 Metern Tiefe. Für den dritten Brunnen wurde eine Fördermenge von 350 000 Kubikmetern pro Jahr beantragt. Foto: dth

118 Millionen Liter für den Bach

Lüneburg/Reppenstedt. Insgesamt 118 Millionen Liter frisch gefördertes Grundwasser könnten bald in den Reppenstedter Bach „Kranker Hinrich“ eingeleitet werden, das sieht zumindest ein Antrag der Coca-Cola-Tochtergesellschaft Apollinaris Brands an den Landkreis Lüneburg vor. Das Wasser würde im Rahmen eines Pumpversuchs zutage gefördert.

Die Anträge zu dem Pumpversuch sowie zur Einleitung in den Bach laufen parallel zu dem Genehmigungsverfahren für den dritten Grundwasserbrunnen, den Coca-Cola einrichten will, um die Produktion seines Mineralwassers „Vio“ zu verdoppeln. Zu dem Brunnenprojekt bei Gut Brockwinkel zwischen Reppenstedt und Vögelsen fand jetzt das nichtöffentliche Abstimmungsgespräch zwischen Behörden und Verbänden beim Kreis statt. Im Anschluss an diesen sogenannten Scoping-Termin teilte der Kreis mit, wie es weitergehen soll.

Aus den nichtöffentlichen Antragsunterlagen, die der LZ vorliegen, geht unter anderem hervor, dass an einzelnen Orten auch im oberflächennahen Bereich die Grundwasserabsenkung durch den Betrieb des Brunnens spürbar sein könnten, beispielsweise im Raum Mechtersen/Dachtmissen oder in der Nähe des Lüneburger Stadtteils Kreideberg (LZ berichtete). In einer Pressemitteilung erklärt nun der Landkreis, dass auch solche Fragen mit Blick auf die Umweltverträglichkeit im weiteren Verfahren untersucht werden sollen. Dazu gehören beispielsweise mögliche negative Einflüsse auf die öffentliche Wasserversorgung bis hin zum Lüneburger Senkungsgebiet.

Weiter gehe es um eine Bestandsaufnahme von Fließgewässern und anderen Biotopen, die vom Grundwasser abhängig sind. Welche Punkte genau in den Untersuchungen zu beachten sind, „legt der Landkreis als Genehmigungsbehörde fest“, sagt Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt.

100.000 Kubikmeter Wasser sollen abgepumpt werden

Teil der Untersuchung ist auch der beantragte Pumpversuch. Dafür soll 70 Tage lang der Echtbetrieb getestet und Grundwasser an dem geplanten Brunnenstandort abgepumpt werden. Der Landkreis nennt die Zahl von rund 100.000 Kubikmetern Wasser, in den Antragsunterlagen ist von 118.000 die Rede. Der Kreis teilt mit: „Die Auswirkungen dieser Entnahme werden durch rund 20 von Apollinaris eingerichteten Messstellen erfasst. Dazu kommen etwa 80 weitere, unter anderem vom Land und von Trinkwasserversorgern.“

In der Spitze sollen laut Antrag 85.000 Liter Wasser pro Stunde aus dem Untergrund geholt werden. Angeblich könne das Wasser nicht genutzt werden, beispielsweise würde eine Verregnung auf landwirtschaftlichen Flächen vor Ort die Messergebnisse des Pumpversuchs wegen der dicken Tonschicht im Erdreich zwar nicht „nennenswert“ beeinflussen, würde sie aber „zumindest formal angreifbar“ machen, heißt es in den Antragsunterlagen. Für die Einleitung in den Bach „Kranker Hinrich“ solle vom Brunnen bei Gut Brockwinkel bis zum nördlichen Ortsrand Reppenstedts eine mehr als einen Kilometer lange „provisorische oberirdische Rohrleitung“ bis zum Birkenweg gelegt werden.

Für die Pumpversuche samt Probebohrungen und Ableitung müsse das Getränkeunternehmen aber noch Unterlagen vorlegen, heißt es aus der Lüneburger Kreisverwaltung, erst dann könne der Landkreis die entsprechenden Erlaubnisse erteilen.

Zu dem weiteren Zeitplan sagt Bartscht: „Wir rechnen damit, dass der Pumpversuch nicht vor Herbst 2020 stattfindet. Erst danach können die geforderten Untersuchungen für das eigentliche Wasserrechtsverfahren anlaufen.“ Die Öffentlichkeit könne sich in einem geplanten Beteiligungsverfahren voraussichtlich im Jahr 2021 zu Wort melden.

Von Dennis Thomas