Samstag , 19. September 2020
Der Landkreis hat einen neuen Blitzer, der vor allem rund um Schulen eingesetzt werden soll – und zwar ohne vorherige Ankündigung. (Foto: t&w)

Der Anhänger, der teuer werden kann

Lüneburg. In nur einem Monat hat der neue mobile Blitzer des Landkreises Lüneburg bereits 266-mal ausgelöst. Die Temposünder wurden ausschließlich auf Schulwegen, in der Nähe von Kitas und sozialen Wohneinrichtungen erwischt. Denn an diesen sensiblen Stellen setzt der Kreis seit Anfang November einen Blitzeranhänger für die Verkehrsüberwachung ein. Mehr als 55 000 Fahrzeuge haben das mobile System, das von Ort zu Ort gefahren werden kann, bislang passiert. Das Gerät überwacht die Geschwindigkeit, mit der Fahrzeuge daran vorbeifahren.

Abkassieren? Der Landkreis spricht lieber von Prävention

Zuletzt stand der Blitzeranhänger an der Dorfstraße in Adendorf gegenüber dem Waschzuber. Ein Messpunkt, der nicht unbedingt ein Unfallschwerpunkt ist. Aber: „An der Dorfstraße liegt eine private Kinderbetreuungseinrichtung. Dort sind zum einen Kinder unterwegs, zum anderen gibt es viel Zu- und Abfahrtverkehr durch die Eltern“, begründet Urte Modlich, Sprecherin des Landkreises, die Standortwahl. Geschwindigkeitsmessungen in der Vergangenheit hätten zudem gezeigt, dass in diesem Bereich der Dorfstraße oft zu schnell gefahren wird. Die Verstöße aus Adendorf seien aber noch nicht ausgewertet. Sie tauchen damit in der Vier-Wochen-Bilanz nicht auf.

Die Prävention von Unfällen sei vorrangiges Ziel beim Einsatz des Blitzeranhängers, sagt Urte Modlich. „Durch die Tempomessungen sollen Unfälle verhütet und Unfallfolgen gemindert werden.“ Darüber hinaus gebe es einen erzieherischen Ansatz: Verkehrsteilnehmer sollen zu verkehrsgerechtem und rücksichtsvollem Verhalten veranlasst werden. „Das ist ein weiterer Grund für die Verkehrsüberwachung vor Kindergärten, Schulen oder Alten- und Pflegeheimen.“

Kontrolliert wird rund um die Uhr

Entsprechend hatte der Landkreis das neue Gerät bislang am Schulzentrum Embsen, an der Grundschule Westergellersen und am Sonnenhof der Loewe-Stiftung in Ochtmissen, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, eingesetzt. Modlich: „Die Standorte werden gemeinsam mit den zuständigen Kommunen, der Polizei und dem Landkreis bestimmt.“ Geblitzt wird gleichwohl rund um die Uhr, nicht nur zur Schulzeit.

Anders als die Einsatzgebiete für Radarkontrollen mit mobilen Geräten, die öffentlich bekannt gemacht werden – täglich auch auf der Seite 2 der LZ – , verzichtet der Kreis jetzt und in Zukunft jedoch darauf, die aktuellen Positionen des Blitzeranhängers publik zu machen. „Damit machen wir es genau so wie andere Landkreise auch. Wir schließen uns der Gepflogenheit an, die Standorte nicht zu veröffentlichen“, sagt Urte Modlich.

Drei weitere Blitzer kommen in Kürze dazu

Bei dem einen Blitzeranhänger für die Verkehrsüberwachung im Kreisgebiet wird es nicht bleiben. Wie berichtet, wird der Kreis zwei weitere angemietete Messsysteme dieser Art anschaffen. „Sie werden am 17. und 18. Dezember in Betrieb gehen.“ Die Verwaltung setzt damit eine Entscheidung des Kreistages um. Auch ein weiterer stationärer Blitzer wurde bestellt, er soll Anfang 2020 aufgebaut werden. Doch der genaue Liefertermin steht noch nicht fest. Standort wird auf der Ostumgehung an der Abfahrt Häcklingen/Melbeck in Fahrtrichtung Amelinghausen sein.

Die Blitzer spülen auch Geld in die Kreiskasse. Nach Angaben der Verwaltung belaufen sich die Zahlungseingänge vom 1. Januar bis zum 9. Dezember dieses Jahres auf insgesamt rund 700 000 Euro. Allerdings verbleibe davon kaum etwas beim Landkreis. Urte Modlich: „Den erzielten Einnahmen stehen Personal-, Technik- und Mietkosten in nahezu gleicher Höhe gegenüber.“

Von Stefan Bohlmann