Montag , 28. September 2020
Lena Hampe und Jacob Hörisch entwickeln die „Green Fashion Challenge App“. Foto: t&w

Kleidung kaufen mit Bedacht

Lüneburg. Viele Menschen haben bereits feste Vorstellungen davon, wie sie ihr Leben nachhaltiger und umweltfreundlicher gestalten möchten. Doch die wenigsten se tzen das auch in die Tat um. Das hat Jacob Hörisch, Juniorprofessor für Nachhaltigkeitsökonomie und -management an der Leuphana, in einer Forschung über Textilkonsum herausgefunden. Nun möchte der 32-Jährige mit diesem Wissen eine App entwickeln: Sie soll den Nutzern helfen, ihr Verhalten den eigenen Vorstellungen anzupassen.

Von 117 eingereichten Ideen werden nur elf gefördert

Mit seinem Vorhaben gewann Hörisch den Ideenwettbewerb „Modekultur, Textilien und Nachhaltigkeit” vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE). 117 Ideen wurden eingereicht, elf bekamen eine Förderung. Hörisch kann nun bis Oktober 2020 mit Fördergeldern in Höhe von 50.000 Euro seine App entwickeln.

„Es gibt schon etliche Informationsangebote über Nachhaltigkeit”, erläutert Hörisch: „Das ist also nicht das entscheidende Problem. Den meisten Menschen ist Nachhaltigkeit im Modekonsum wichtig.” Er sieht das Problem vielmehr darin, dass viele nicht dementsprechend handeln würden. Hörisch spricht in diesem Zusammenhang von einer Attitude-Behavior-Gap, also einer Diskrepanz zwischen den Einstellungen und dem tatsächlichen Einkaufsverhalten.

Eigenes Verhalten in der App dokumentieren

„Die Green Fashion Challenge App soll helfen, sich der eigenen Vorstellungen bewusst zu werden und daraus Ziele zu formulieren”, sagt Hörisch. So wird es in der App die Möglichkeit geben, bestimmte Nachhaltigkeitsaspekte auszuwählen, die einem selbst wichtig sind. Außerdem können Ziele gesetzt werden wie zum Beispiel nur noch Fair-Trade- und Second-Hand-Mode kaufen oder nicht mehr als zwei Kleidungsstücke im Monat erwerben. Der Nutzer soll sein eigenes Verhalten in der App dokumentieren und am Ende eines Monats sehen, ob er seine selbstgesteckten Ziele erreicht hat.

„Das Ziel der App ist nicht, den Zeigefinger zu heben und erst recht nicht, zu manipulieren”, beteuert Hörisch. Der Wille, nachhaltiger zu konsumieren, müsse bei den Nutzern bereits vorhanden sein. Es gehe dann lediglich um eine Unterstützung bei der Selbstkontrolle, eine Hilfe, um sein eigenes Handeln anzupassen.

Von den 50.000 Euro wird nun zunächst eine Stelle für eine wissenschaftliche Mitarbeiterin geschaffen. Lena Hampe studiert Business Development und wird das Projekt begleiten. Die 25-Jährige hat schon öfter Ideen mitentwickelt, eine App sei aber nun eine spannende Herausforderung für sie.

„Topmodel“-Teilnehmerin soll für Programm werben

Außerdem wird das Geld genutzt, um die App bekannt zu machen. „Da haben wir schon eine ganz besondere Kooperation”, meint Hörisch: „Die Influencerin Marie Nasemann wird für unsere App werben.” Die 30-Jährige ist bekannt aus der Fernsehshow „Germanys next Topmodel”, bei der sie im Jahr 2009 den dritten Platz belegte. Heute beschäftigt sich das Model vor allem mit nachhaltiger Mode. „Sie war begeistert von unserer Idee”, sagt Hörisch. Durch ihre Reichweite sollen Menschen in ganz Deutschland von der Green Fashion Challenge App erfahren.

Für Hörisch ist nicht nur die Frage interessant, ob die App bei den Menschen Anklang findet. „Dafür bin ich zu sehr Wissenschaftler”, meint er: „Ich interessiere mich natürlich besonders dafür, ob die Nutzung der App auch wirklich eine Auswirkung auf das Verhalten der Menschen hat.”

Von Lilly von Consbruch