Samstag , 26. September 2020
Die Pastoren Dr. Diederik Noordveld und Dr. Dorothea Noordveld-Lorenz, Kirchenmusikdirektor Joachim Vogelsänger sowie Dr. Harald Grürmann, Kirchenvorstands-Vorsitzender, freuen sich über den Scheck, den Hans-Christian Biallas (2.v.r.) mitgebracht hat. Foto: t&w

Der Schatz ist lieb und teuer

Lüneburg. Die große Orgel in St. Johannis ist von internationalem Rang. Sie wurde 1553 von der renommierten Orgelbau-Werkstatt Hendrik Niehoff erbaut, 1715 von Matthias Dropa – ein Schüler des berühmten Orgelbauers Arp Schnitger – erweitert. Das historische Instrument mit 3856 Pfeifen soll und muss restauriert werden. Die Kosten belaufen sich auf 1,9 Millionen Euro. „Wir sind über jeden Mosaik-Stein zur Finanzierung froh. Deshalb sind wir sehr dankbar, dass uns die Klosterkammer Hannover mit einer Fördersumme von 100.000 Euro unterstützt“, sagt Dr. Harald Grürmann, Vorsitzender des Kirchenvorstandes von St. Johannis.

Schon Bachs Lehrer spielte auf dem Instrument

In den vergangenen Jahrhunderten war die Orgel immer wieder überarbeitet worden, die letzte Renovierung fand vor fast 70 Jahren statt. Um sie spielfähig für die Zukunft zu erhalten, soll das Pfeifenwerk restauriert und ergänzt werden. Anschließend soll jede Pfeife wieder an ihrem ursprünglichen Register auf der ihr ursprünglich zugewiesenen Taste aufgestellt werden. Zudem sei die Windversorgung unzulänglich, sie soll erneuert werden. An dem herausragenden Instrument war übrigens auch Johann Sebastian Bach von seinem Lehrer Georg Böhm ausgebildet worden.

Ein Grundstock zur Finanzierung des Projekts sind 900.000 Euro, die aus Bundesfördermitteln fließen sollen. Dafür hatte sich der Lüneburger Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols (CDU) starkgemacht. Fließen werde das Geld aber erst, wenn die Gesamtfinanzierung stehe, sagt Grürmann. Weitere Förderer sind die Landeskirche mit 325.000 Euro sowie das Land mit 50.000 Euro. Außerdem erhoffe man sich Zuschüsse von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung.

Förderung von rund 200 Projekten

„Eine Fördersumme in der Höhe von 100.000 Euro – das haben wir nicht jeden Tag“, sagte Hans-Christian Biallas, Präsident der Klosterkammer Hannover, bei der symbolischen Scheckübergabe. Nicht alle Anträge könnten bedient werden. Die Klosterkammer schüttet jährlich 3 Millionen Euro zur Förderung von rund 200 Projekten in den Bereichen Bildung, Soziales und Kirche aus. Für die Förderung der Orgel von St. Johannis spreche, dass es sich um ein sehr bedeutendes historisches Instrument handele, bei dem durch die Sanierung ein originaler Zustand wieder hergestellt werden solle.

Außerdem erziele die Klosterkammer Erträge als Ausgeber von Erbbaurechten. Ein Grundsatz bei der Fördervergabe sei daher auch, „dass wir Mittel dorthin zurückgeben wollen, wo wir sie erwirtschaftet haben“. Nach Lüneburg fließe sogar mehr als man einnehme. So trage die Klosterkammer sämtliche Personal-, Sach- und Baukosten für St. Michaelis, auch ist sie für den baulichen Unterhalt des Klosters Lüne zuständig. Auch den Bau des Familienzentrums Plus hat sie finanziell unterstützt.

Einen Wunsch verbindet Biallas mit der Orgelförderung: Nach Abschluss der Sanierung sollen die guten kirchenmusikalischen Kinder- und Jugendprojekte weiter wachsen. Orgeln als kulturelles Erbe bräuchten eine lebendige Beteiligungskultur.

Von Antje Schäfer

Hintergrund

Grundbesitz bringt Erträge

Die Klosterkammer ist eine öffentliche Einrichtung, die das Vermögen von vier öffentlich-rechtlichen Stiftungen verwaltet. Diese sind aus ehemals kirchlichem Vermögen entstanden. Aus den Erträgen unterhält die Klosterkammer mehr als 800 Gebäude, viele davon Baudenkmäler, und rund 12.000 Kunstobjekte. Weitere Mittel aus den Erträgen in Höhe von rund drei Millionen Euro stellt sie pro Jahr für mehr als 200 kirchliche, soziale und bildungsbezogene Maßnahmen in ihrem Fördergebiet zur Verfügung. Darüber hinaus betreut und unterstützt die Klosterkammer fünfzehn heute noch belebte evangelische Frauenklöster und Damenstifte in Niedersachsen.

Das Erbbaurecht ist und bleibt ein zentrales Instrument der Vermögensverwaltung der Klosterkammer Hannover. Mit rund 17.000 Erbbaurechten auf einer Fläche von 1500 Hektar ist sie größter Erbbaurechtausgeber in Deutschland. Die meisten Erbbaurechte befinden sich zwischen Osnabrück, Lüneburg, Verden und Göttingen.