Der Kapellenvorplatz soll eine optische Aufwertung bekommen. Allerdings wohl erst ab 2023. Foto: t&w

Letzte Ruhestätte auch für Muslime

Lüneburg. Gerade Wege, klare Linien, kleine Inseln mit Sitzmöglichkeiten, mittendrin eine Blühwiese – so etwa stellt sich die Stadtverwaltung künftig den Kapellenvorplatz am Waldfriedhof vor. Eine erste Entwurfsplanung dafür wurde nun im Umweltausschuss präsentiert. Doch das ist nicht die einzige Neuerung für Lüneburgs größten Friedhof.

„Wir wollen mehr Attraktivität schaffen“, ließ Hans Hockemeyer die Ausschussmitglieder bei der Präsentation der Ziele für die kommenden Jahre wissen. Prägnanteste Maßnahme dabei: die Umgestaltung des Kapellenvorplatzes, die allerdings erst ab 2023 kommen soll, wie der neue Leiter der städtischen Friedhofsverwaltung ausführte. Rund 95.000 Euro will die Stadt dafür in die Hand nehmen.

Platz für rituelle Waschungen erforderlich

Zusätzliches Geld – insgesamt 100.000 Euro – soll auch für die Renovierung der Verwaltungsgebäude an den übrigen Friedhöfen eingesetzt werden. Ein Punkt, der vor dem Hintergrund der dortigen Arbeitsplätze für die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung im Ausschuss auch als „dringend erforderlich“ bezeichnet wurde. Rainer Mencke (CDU) regte zudem an, künftig auch das Innere der Kapellen attraktiver zu gestalten, „wir brauchen auch dort eine Wohlfühlatmosphäre“. Trauerfeiern müssten von den Teilnehmern in einem angenehmen Rahmen verbracht werden können.

Zur Attraktivitätssteigerung des Waldfriedhofs soll nach den Vorstellungen der Verwaltung zudem die Bereitstellung von Flächen für muslimische Grabstätten beitragen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bevölkerung islamischen Glaubens sei dafür in der Stadt ein entsprechender Bedarf, erläuterte Hockemeyer. Hierfür könnte das Grabfeld 24 im östlichen Bereich des Friedhofs genutzt werden.

Voraussetzungen für die Anlage dieser Gräber seien laut Hockemeyer aber eine „unbefleckte Erde“ sowie ein Waschplatz für die bei einer muslimischen Beisetzung erforderlichen rituellen Waschungen. Die Ausschussmitglieder begrüßten den Vorschlag der Ausschussvorsitzenden Hiltrud Lotze (SPD), sich hierzu vorab gemeinsam einen entsprechenden Platz auf dem Öjendorfer Friedhof in Hamburg anzuschauen.

Der neue Chef der Lüneburger Friedhöfe konnte aber auch bereits mit ersten Erfolgen aufwarten. So werde das neue Angebot für Baumgräber auf dem Michaelisfriedhof und dem Zentralfriedhof sehr gut angenommen. „Die Baumgräber werden uns quasi aus den Händen gerissen“, sagte Hockemeyer. Auf dem Waldfriedhof sollen diese Gräber auf Feld 25 künftig ebenfalls ermöglicht werden.

Kritik an Einsatz von Insektengift

Wolf von Nordheim (Grüne) begrüßte die nun auch vermehrt auf Friedhöfen angelegten Blühwiesen. Allerdings sollte seiner Ansicht nach auch untersucht werden, ob diese Maßnahmen auch tatsächlich eine Wirkung gegen das Insektensterben erzielen. „Wir sollten nicht nur hoffen, dass schon klappt, was wir da tun, sondern das aktiv angehen.“

Thomas Mitschke begrüßte als Vertreter des Naturschutzbunds den einsetzenden „Kurswechsel“ zum Schutz der Artenvielfalt, kritisierte zugleich aber, dass 12.000 Euro für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners eingeplant werden. Dies sei Gift für alle Insekten. Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Grünplanung, erklärte, dass lediglich 1500 Euro davon für Gifte ausgegeben würden, der Rest für andere Maßnahmen. Die Stadt werde aber auf den Nabu zukommen, um gemeinsam andere Wege zu prüfen.

Von Ulf Stüwe