Um die etwa vier Meter Höhenunterschied am Stauwehr auf dem Weg in ihre Laichgebiete überwinden zu können, brauchen Wanderfische zwingend funktionierende Aufstiegshilfen. (Foto: tja)

Ärger um die Fischtreppe

Geesthacht/Rönne. „Die Elbe muss passierbar sein!“ Diese Forderung haben die Umweltverbände Nabu, Bund, WWF, Grüne Liga und DNR in einem Schreiben an die zustän digen Behörden in Bund und Ländern gerichtet. Hintergrund ist eingeschränkte Passierbarkeit des Stauwehrs, nachdem Bauschäden festgestellt wurden. Wanderfische können das Wehr bei Geesthacht kaum noch überwinden, denn am südlichen Elbufer wurde eine kleine Fischtreppe komplett zugeschüttet, die Aufstiegshilfe am nördlichen Ufer ist wegen zugeschütteter Lockströmungen für die Fische kaum noch auffindbar.

„Es ist keine Frage, dass das beschädigte Stauwehr schnellstmöglich instandgesetzt werden muss, um die Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten. Aber bei diesen Arbeiten muss auch die Passierbarkeit für Fische wiederhergestellt werden. Sollte das erst in fünf Jahren oder noch später erfolgen, sind alle Bemühungen zur Wiederansiedlung von Fischen in der Elbe vergeblich gewesen“, erklärt Heike Kramer, die Vorsitzende des Naturschutzbundes in Geesthacht.

Fischtreppe mit Bigbags und Kies verfüllt

Anfang August war zunächst ein abgerutschter Damm am Stauwehr festgestellt worden. Mit mehreren Tausend Tonnen Füllmaterial konnte der Damm stabilisiert werden, derzeit laufen Restarbeiten, um den Damm gegen Eisgang und Sturmflut zu sichern. Im September wurde dann weiter südlich eine beschädigte Spundwand entdeckt, die einzustürzen drohte. Um dies zu verhindern, wurde die kleine Fischtreppe kurzfristig mit Bigbags und Kies verfüllt.

„Unterhalb des Stauwehrs kam es dadurch im Oktober zu einem Rückstau von Wanderfischen, während oberhalb der Staustufe die zu erwartenden Fischmengen nicht eintrafen“, beschreibt Jens Gutzmann vom Nabu Geesthacht die prekäre Situation. Die Umweltverbände sehen in den Beobachtungen ihre Befürchtungen bestätigt, dass Laich- und Lebenszyklen einzelner Fischarten wie Lachse und Meerforellen gefährdet sind.

Vorübergehendes Angelverbot

Bei einem Ortstermin mit dem zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hatten sich die Umweltverbände vor Ort informiert. „Man geht von einem Zeitraum von bis zu 15 Jahren für die geplanten Instandsetzungsarbeiten am Wehr aus. Dann würde die Fischpopulation in der Elbe zusammenbrechen“, sagt Heike Kramer. „Wir brauchen eine schnelle Reaktivierung der Lockströmung, ein temporäres Angelverbot und eine optimierte Wiederherstellung der kleinen Fischtreppe“, macht Jürgen Vollbrandt vom Nabu Geesthacht deutlich. Spätestens zum September 2020 müsste der Fischaufstieg neu hergestellt und auffindbar sein, fordern die Umweltverbände schnelle Entscheidungen. Dann könnte die nächste Laichsaison gesichert werden.

Von Timo Jann