Für ihre TV-Rolle lässt Clara Apel die Schule pausieren. Foto: Michael Behns

Die doppelte Herausforderung

Lüneburg. Wer auf den Rollstuhl angewiesen ist, muss im Alltag manche Hürde umfahren, die andere ohne Rollstuhl gar nicht als solche erkennen. Clara Apel weiß das, und sie zeigt das aktuell täglich im Ersten, wo sie bei den Roten Rosen die Rolle der Pia Richter spielt. Für die 18-jährige Schauspielerin ist es die erste größere Rolle im Fernsehen.

Pia ist die 15 Jahre alte Tochter von Astrid (Claudia Schmutzler), der neuen Hauptdarstellerin der 17. Staffel, die im September gestartet ist. Seit einem Autounfall ist sie querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Ihrer Lebensfreude aber tut das keinen Abbruch. Doch wie viele Teenager ihres Alters wird sie gern mal zum „Pubertier“, deren Eltern ihr so gar nichts recht machen können. Gerade ist sie unsterblich verliebt in einen Klassenkameraden, da muss sie nach Lüneburg umziehen, das kommt natürlich höchst ungelegen. Ihre Wut darüber lässt die temperamentvolle Pia ihre Mutter deutlich spüren. Wütend wird sie auch immer dann, wenn jemand sie wegen ihrer Behinderung anders behandelt als andere. Mitleid kann sie gar nicht ausstehen. Und so bringt sie über Umwege auch ihren überbemühten Lehrer Thomas Jansen (Gerry Hungbauer) dazu, mal den Selbstversuch zu machen. Es dauert nicht lange bis der merkt, dass Rollstuhlfahrer oft eine zweifelhafte Sonderrolle „genießen“.

„Eine klassische Nummer 10“

Für Clara Apel war die Rolle bei den Rosen in zweierlei Hinsicht eine besondere Herausforderung: Zum Einen muss sie gerade volljährig wieder zur Jugendlichen werden, zum Anderen darf sie, obwohl sie kerngesund ist, ihre Beine nicht bewegen, sobald die Kameras laufen. Und dann kann die Fortbewegung schon mal zur Herausforderung werden. „Ich habe vor Drehbeginn ein Rollstuhltraining mit einem Coach gemacht“, erzählt die junge Hamburgerin, „am schwersten ist aber nicht das Fahren, sondern sich zum Beispiel vom Bett in den Rollstuhl zu setzen, ohne dass man dabei die Beine bewegt.“

Dabei hat sie eigentlich einen großen Bewegungsdrang, treibt „generell gern Sport“, wie sie sagt, ist im Fußballverein aktiv und dort Spielmacherin. „Eine klassische Nummer 10“, verrät sie durchaus selbstbewusst. Doch jetzt muss das Hobby ein bisschen zurückstehen, das Rosen-Engagement hat Vorrang. Sie war beim Casting, und es hat gleich geklappt. Es ist ihr zweites Mal vor den Kameras, im jüngst erschienenen Kinofilm „Get Lucky – Sex verändert alles“ hatte sie eine Nebenrolle.

„Alle sind ultranett zu mir"

In Lüneburg wohnt sie jetzt in einer WG, in der sie sich ebenso wohlfühle wie am Set mit den Kollegen. Gerade zu ihrer Filmmutter Claudia Schmutzler hat sie einen guten Draht, in den Drehpausen sind die beiden immer wieder gemeinsam zu sehen. „Alle sind ultranett zu mir, da ist es ganz egal, ob man noch keine 20 ist oder schon 50, aber Claudia kümmert sich schon besonders um mich und ist äußerst hilfsbereit“, beschreibt sie die Atmosphäre am Set.

In der Schule pausiert sie derweil für die täglichen Dreharbeiten in den Lüneburger Studios. „Meine Eltern unterstützen mich dabei, aber danach will ich auf jeden Fall noch mein Abi machen“, sagt die Nachwuchsdarstellerin. Ob es danach mit der Schauspielerei weitergeht, so weit lasse sich das heute noch nicht planen, sagt sie. Lust hätte sie aber schon.

Von Alexander Hempelmann