Rollstuhlfahrer Frank Hepe ist sauer: „Das Taxiunternehmen hat mich stehenlassen.“ (Foto: privat)

Streit um eine Taxifahrt

Lüneburg. Das Warum lässt sich so genau nicht mehr klären, auf jeden Fall ist etwas schiefgelaufen bei der Heimfahrt: Rollstuhlfahrer Frank Hepe sagt, er habe ein Taxi vorbestellt, das ihn vom Bahnhof abholen sollte, es sei aber kein Wagen gekommen. Das betreffende Unternehmen weist den Vorwurf zurück, der Fahrer sei dort gewesen, habe gewartet, nach dem Fahrgast Ausschau gehalten und ihn nicht gefunden. Der Chauffeur sei schließlich gefahren.

Fahrservice extra vorbestellt

Die beiden Seiten der Geschichte: Hepe vermittelt Bands. Kürzlich hatte er eine Formation für die Motorradfans von den Dark Knights vermittelt, die feierten in Embsen. Schon Tage vorher hatte er daher beim Unternehmen LG Taxi ein Auto bestellt. Er kam mit dem Zug aus Hannover, geplante Ankunft in Lüneburg war 16 Uhr. Der Zug hatte Verspätung, beide Seiten sind sich einig: vier Minuten. Hepe und sein Begleiter sagen, sie seien zum vereinbarten Treffpunkt an den Schließfächern in Höhe Busbahnhof gekommen. Es sei kein Rollstuhl-Taxi vorgefahren. Er habe dann eine Handynummer angerufen, die ihm das Unternehmen geben habe: „Es ist niemand drangegangen. Schließlich habe ich mir ein anderes Taxi gerufen. Die hatten bei LG Taxi auch meine Nummer, die hätten sich bei mir melden können. So etwas ist mir noch nie passiert.“

15 700

Schwerbehinderte leben laut Landesamt für Statistik in Stadt und Landkreis Lüneburg. Wie viele von ihnen gehbehindert sind, sagt das Zahlenwerk nicht aus.

Stefan Heins ist der Chef des Betriebes. Er sieht die Sache anders und zeigt an seinem Leitrechner minutiös, wie sich für ihn die Sache darstellt: „Der Fahrer war da, hat geguckt, Herrn Hepe nicht gefunden und ist nach zwanzig Minuten gefahren.“ Zumindest die Zeiten lassen sich auf dem Bildschirm ablesen. Heins sagt, er habe auch Telefonnummern abgeglichen. Danach stellt es sich für ihn so dar: Ein Kollege habe mit Hepe gesprochen, ihm erklärt, dass der Fahrer des Rollstuhl-Taxis Feierabend gemacht habe und der nächste erst in zwei Stunden komme: „Wir haben ihm dann die Telefonnummer eines anderen Unternehmens gegeben.“ Zudem rufe sein Unternehmen Kunden, die eine Handynummer hinterlassen, nicht an – bei 700 Anrufen für drei Standorte in Lüneburg, Bleckede und Gellersen sei das nicht machbar. Allein in seinem Unternehmen würden täglich drei bis fünf Mal Wagen bestellt, ohne dass ein Kunde am vereinbarten Ort warte.
Hepe als auch Björn Kleefeld von den Dark Knights hingegen zeigen wiederum Screenshots von Handys, die belegen, dass es mehrere Anrufe in der Zentrale des Taxi-Betriebes gegeben hat. Beide bleiben dabei, dass der Fehler auf der anderen Seite lag. Heins hält dem entgegen: „Warum sollten wir den Mann nicht mitnehmen? Der Fahrer steht da und will seine Tour fahren.“ Damit verdiene er sein Geld.

Wachsender Markt

Rollstuhl-Taxis sind gefragt

Taxi-Unternehmer Heins berichtet, dass von den „90 bis 100 Mietwagen und Taxen in Stadt und Kreis“ etwa zehn Prozent rollstuhltauglich seien. Er selbst habe 16 Fahrzeuge, fünf seien für Rollstuhlfahrer geeignet. Es sei bei steigenden Einwohnerzahlen und einer älter werdenden Gesellschaft ein wachsender Markt, auch er wollte einen zusätzlichen Wagen anschaffen.

Einen Großteil der Fahrten machten Krankentransporte aus. Dazu kommen spontane Fahrten, weil jemand zum Beispiel ins Kino oder vom Bahnhof nach Hause möchte. Meistens würden Wagen vorbestellt, dabei habe man im Blick, dass ein Behinderter länger brauche, um aus dem Zug auszusteigen und vom Bahnsteig mittels Fahrstuhl auf den Vorplatz zu gelangen.

Es gibt technische Einschränkungen: Ein Rollstuhl darf maximal 82 Zentimeter breit sein, sonst passt er nicht in die Autos. Die „Zuladung“ endet bei 400 Kilo. Rollstühle werden besonders gesichert, Fahrer erhalten eine Einweisung.

Von Carlo Eggeling