Dienstag , 29. September 2020
Monika Montz mit ein paar Kindern aus dem Integrationsprojekt des Kinderschutzbundes. (Foto: t&w)

Einsatz für die Kinder der Region

Lüneburg. Kinderkrippe, Elternkurse, Integrationsprojekt, Nummer gegen Kummer: Seit 50 Jahren setzt sich der Kinderschutzbund Lüneburg auf unterschiedlichen Wegen für die Jüngsten der Gesellschaft ein. Vieles hat sich im Laufe der Zeit verändert, einiges ist gleich geblieben.

„Die massive Gewalt von Eltern gegenüber ihren Kindern hat abgenommen“, weiß die 1. Vorsitzende des Kinderschutzbunds Monika Montz, die seit 17 Jahren bei der Ortsgruppe Lüneburg tätig ist. Früher seien viele Väter vom Krieg traumatisiert gewesen, in einigen Haushalten hätten noch die Erziehungsratgeber des Nationalsozialismus gestanden, meint Montz. Schlagen und Kinder schreien lassen gehörte damals zu einer guten Erziehung dazu. „Das kollidierte dann irgendwann mit der antiautoritären Erziehung, was aber auch nicht gut ist. Schließlich brauchen Kinder Orientierung.“

Kinder machen Hausaufgaben, Mütter lernen Deutsch

Im Jahr 2000 wurde ein Gesetz erlassen, das Kindern ein Recht auf gewaltfreie Erziehung gibt. Eltern dürfen ihre Kinder seitdem nicht mehr schlagen oder demütigen. „Der Kinderschutzbund bietet seitdem die Elternkurse ,Starke Eltern – Starke Kinder’ an.“ Dort lernen Eltern, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Außerdem können sie sich untereinander über ihre Probleme austauschen. Ein anderes Beispiel ist das Integrationsprojekt „Mutter und Kind – Voneinander lernen”, das seit 2016 besteht. „Viele Familien sind geflüchtet und hier nach Lüneburg gekommen“, sagt Monika Montz: „Bei manchen gehörte Gewalt zum Alltag. Wir wollten ein Zeichen dafür setzen, dass das hier nichts zu suchen hat.“ Zweimal in der Woche können Mütter mit ihren Kindern zur Nachmittagsbetreuung in die Räume des Kinderschutzbunds kommen. Die Kinder können mit Unterstützung ihre Hausaufgaben erledigen und die Kleinsten dürfen spielen. Die Mütter lernen währenddessen Deutsch und bekommen Tipps für die Erziehung.

Einige Angebote des Kinderschutzbunds laufen jedoch auch anonym und das schon seit vielen Jahren. So zum Beispiel das Kinder- und Jugendtelefon, auch bekannt als „Nummer gegen Kummer“, das seit 1993 vom Förderverein des Kinderschutzbundes unterhalten wird. Von montags bis samstags zwischen 14 und 20 Uhr können Kinder und Jugendliche unter der Nummer 116111 anrufen und bekommen Hilfe und Ratschläge.

„Da ist alles dabei: Aggressionen in der Familie, Drogenmissbrauch, Liebeskummer oder auch Mobbing”, erzählt Monika Montz. Täglich würden um die 30 Anrufe eingehen – viele davon seien aber Jugendliche, die sich einen Spaß erlauben. „Wirklich schwierige Situationen und demnach ernste Gespräche gibt es nur ein bis zwei am Tag.“

Eine bedeutende Veränderung in den letzten 50 Jahren sieht Monika Montz vor allem darin, dass Kinder selbst viel besser über ihre Rechte informiert sind. Außerdem vermutet sie, dass Kinder heute deutlich ernster genommen werden, wenn sie zum Beispiel Andeutungen zu sexuellem Missbrauch machen. „Die Gesellschaft ist für diese Themen sensibilisiert.“

von Lilly von Consbruch