Dienstag , 22. September 2020
Ein Coca-Cola-Glas an der zuvor favorisierten Bohrstelle bei Vögelsen. Jetzt soll der neue Vio-Brunnen bei Gut Brockwinkel an der Landwehr entstehen. (Foto: dth)

Wie umweltverträglich ist das?

Reppenstedt/Lüneburg. Eine neue Phase beginnt im Antragsverfahren um den umstrittenen neuen, rund 195 Meter tiefen Vio-Brunnen, den der Coca- Cola-Konzern gerne bei Gut Brockwinkel in der Gemarkung Reppenstedt einrichten würde. Der lange angekündigte sogenannte Scoping-Termin soll nach LZ-Informationen nun am Montagmorgen im Sitzungssaal der Lüneburger Kreisverwaltung stattfinden: Dort treffen sich auf Einladung des Landkreises als Genehmigungsbehörde Vertreter von Gemeinden, Forst, Wasserversorgern, Landwirtschaft bis hin zu Naturschutzverbänden, um ihre Belange einzubringen – hinter verschlossenen Türen. Dabei geht es vor allem um die Umweltverträglichkeit des Brunnenprojekts. Allerdings hatte die LZ vorab Einblick in die vertraulichen Antragsunterlagen und die haben es in sich.

Aufhorchen lassen die Betrachtungen zu den möglichen Grundwasserabsenkungen rund um den geplanten Brunnen. Die könnten sich nach der Einschätzung des von Coca-Cola beauftragten Hydrogeologen in Summe innerhalb eines rund 30 Quadratkilometer großen Gebiets unterirdisch auswirken. Für die „abschätzende Berechnung“ wurde aber sicherheitshalber sogar eine höhere Wasserentnahmemenge zugrunde gelegt (500 000 Kubikmeter Grundwasser pro Jahr), als tatsächlich beantragt ist (350 000 Kubikmeter). Andererseits kommt der Gutachter zu der Auffassung, dass sich Grundwasserabsenkungen nur an wenigen Stellen bis in die oberflächennäheren Bereiche „durchpausen“ könnten. Es wird davon ausgegangen, dass der größte Teil von dicken, flächigen Tonschichten als Stockwerks­­­­trenner geschützt wird. Die Absenkungen könnten sich aber theoretisch im Bereich Mechtersen/Dachtmissen bemerkbar machen sowie in einem kleineren Bereich „südöstlich Wienebüttel, am Kreideberg“ und dort „oberhalb des Salzstockes Lüneburg“. Für diesen Bereich ist von „hydraulischen Fenstern“ die Rede, wo sich „theoretisch oberflächennahe Absenkungen ausbilden können“.

Skeptische Töne aus Vögelsen

Die LZ fragte vorab auch bei der Stadt Lüneburg, welche Erwartungen sie an den Scoping-Termin am Montag hat. Dazu äußerte sich Volker Schulz, Bereichsleiter Umwelt: „Wir gehen da ganz sachlich ran. Bei dem Termin geht es ja auch erstmal nur darum, welche Unterlagen für die Beurteilung des Projektes notwendig sind. Darüber entscheiden muss der Landkreis, da der Brunnen auf Landkreis-Gebiet geplant ist. Als Stadt haben wir keine speziellen Belange, die zusätzlich zu berücksichtigen wären.“

Skeptischere Töne kommen hingegen aus der Gemeinde Vögelsen. Bürgermeisterin Silke Rogge sagt: „Als nah angrenzende Gemeinde werden wir das Verfahren kritisch begleiten und zu gegebener Zeit unsere Stellungnahme abgeben.“ Ähnlich sieht man das in der Gemeinde Reppenstedt. Dort versucht man allerdings schon auf dem Wege des Baurechts den Bau des Brunnenschachtes anzugreifen.

Kreissprecherin Urte Modlich sagt: „Es wird sicherlich mehrere Monate dauern, bis der vollständige Antrag vorliegt, da zum Beispiel eventuell noch Kartierungen und der Pumpversuch durchgeführt werden müssen.“ Danach beginne das Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung.

Von Dennis Thomas