Sonntag , 27. September 2020
Bei Bränden entstehen gesundheitsschädliche Gase, die sich auch in der Einsatzbekleidung der Feuerwehrkäfte festsetzen und später wieder ausdünsten können. Foto: be

Nach dem Brand lauert die Krebsgefahr

Lüneburg/Bardowick. Eine banale Lösung könnte Leben retten: Weil sie auch nach dem Einsatz oft giftigen Gasen ausgesetzt sind, haben Feuerwehrleute ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken – um dem vorzubeugen, sollen nun auch für die Gemeindefeuerwehren Bardowick reihenweise Trainingsanzüge angeschafft werden: Damit sich die ehrenamtlichen Brandschützer nach dem Einsatz noch an Ort und Stelle umziehen können und nicht in der kontaminierten Einsatzkleidung zurückfahren. Das Bewusstsein für solche Hygienemaßnahmen wird derzeit vermehrt in den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Lüneburg geschärft, bestätigt Kreisbrandmeister Torsten Hensel auf LZ-Nachfrage.

Der Ausrüstungsposten von mindestens 50 Trainingsanzügen tauchte jetzt in der neuen Budgetplanung der Bardowicker Feuerwehren auf und regte die Mitglieder des Feuerschutzausschusses des Samtgemeinderats an, nachzufragen, was es damit auf sich habe. Gemeindebrandmeister Sascha Wenzl fasste das Problem so zusammen: „Bei der Einsatzstelle schützen wir uns, so gut es geht. Aber auf der Rückfahrt sitzen wir oft mit der Einsatzkleidung im warmen Fahrzeug und die gast dann aus. Früher fand man das ganz toll, heute sind wir schlauer.“ Er verwies auf eine laufende Studie zu Krebserkrankungen bei der Hamburger Berufsfeuerwehr.

Lüneburgs Kreisbrandmeister warnt vor Hysterie

Die Hamburger Wehr kooperiert bei der Studie mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Nach Brandeinsätzen werden Urinproben beteiligter Atemschutzgeräteträger analysiert, um Aufschluss darüber erlangen zu können, wie Brandrauch trotz Atemschutz und Schutzbekleidung auf den Körper wirkt, das berichtet das Feuerwehrmagazin. Laut DGUV gibt es deutschlandweit ungefähr 40.000 hauptamtliche und 1,3 Millionen ehrenamtliche Feuerwehreinsatzkräfte, die bei ihren Einsätzen einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt sind. Auf die Ergebnisse der Studie dürfte auch die gemeinnützige Gesellschaft „Feuerkrebs“ in Hamburg gespannt sein. Die Organisation um den Berufsfeuerwehrmann Markus Bätge kämpft seit Jahren dafür, dass bei hauptamtlichen Feuerwehrleuten bestimmte Krebsarten als Berufskrankheit anerkannt werden.

Dass auch die ehrenamtlichen Brandschützer im Kreis Lüneburg möglichst vor Folgeerkrankungen bewahrt werden, ist ein Hauptanliegen von Lüneburgs Kreisbrandmeister Torsten Hensel. „Wir hatten im November dazu unser jährliches Sicherheitsseminar zum Thema Einsatzhygiene und Arbeitssicherheit.“ Hensel warnt vor Hysterie. Aber: Die Sensibilität steige derzeit bei den Freiwilligen Feuerwehren in der Fläche, was den Umgang mit kontaminierter Einsatzkleidung angeht. Dabei fängt es schon im Kleinen an. Es sei wichtig, beispielsweise die Rußpartikel beim Ausziehen der Flammschutzhaube nicht gleich im ganzen Gesicht zu verteilen. Hensel sagt weiter: „Wir haben jetzt auch schon sogenannte Hygieneboards an den Fahrzeugen mit Wasserhahn und Desinfektionspender, damit man sich vernünftig die Hände waschen kann. Und es wird sich nach und nach jetzt auch baulich durchsetzen, dass die Feuerwehrhäuser zunehmend mit Duschen ausgerüstet werden.“

„Es wird immer intensiver behandelt“

Bei der Lüneburger Stadtfeuerwehr werde es laut Sprecher Daniel Roemer „schon längst umgesetzt, dass kontaminierte Einsatzkleidung vor der Rückfahrt eingesammelt wird“ und die Feuerwehrleute beispielsweise Trainingsanzüge als Ersatzkleidung überstreifen. Betroffen seien vor allem die Atemschutzträger, die häufiger giftigen Gasen ausgesetzt sind. Aber auch laut Roemer gewinnt das Thema Einsatzstellenhygiene immer mehr an Bedeutung, auch wenn es bereits immer schon Teil der Grundausbildung ist. Roemer: „Es wird immer intensiver behandelt, weil auch die Forschung immer weiter voranschreitet und neue Erkenntnisse liefert.“

Von Dennis Thomas