Mittwoch , 30. September 2020
Stephan Scheer vor den als „Adventskalender“ dekorierten Fensterscheiben seines neuen alten Prunkstücks. Foto: t&w

Geheimnisvolle Fenster

Lüneburg. Stephan Scheer macht es spannend. „Heiligabend kommt die Auflösung“, sagt der Bleckeder und zeigt auf die 24 zugeklebten Sprossenfenster im Erdgeschoss des ehemaligen „Heidkrugs“. Passend zur Adventszeit nutzt Scheer sie für sein kleines Geheimnis, was er als neuer Eigentümer mit dem seit vielen Jahren leerstehenden Gebäude Am Berge vor hat. Seine Pläne will er den Lüneburgern in den kommenden Tagen Fenster für Fenster offenbaren.

„Jeden Tag erfährt man etwas mehr“, sagt Scheer. Und das mit charmantem Humor: „Ä Tännschen Plies“ konnten die Passanten gleich am 1. Dezember lesen, eine Aktion, die offenbar gut ankommt. „Die Leute bleiben stehen und freuen sich, dass hier wieder etwas passiert.“

Besonderer Charakter auf 540 Quadratmetern

Was aber genau es sein wird, da hält er sich noch bedeckt. „Ich möchte die Spannung gern noch etwas hochhalten“, sagt Scheer. Zu entlocken war ihm aber, dass Gastronomie weiter eine wichtige Rolle spielen wird.

Vor einem dreiviertel Jahr haben er und seine Frau den Gasthof erworben, der zuletzt durch Lüneburgs Sterne-Koch Michael Röhm weit über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit erlangte. Doch als der Ende 2014 mit neuem Konzept in die Heiligengeiststraße wechselte, blieb es ruhig um das stattliche Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert.

„Meine Frau und ich sind auf dem Weg zu unserem anderen Projekt in Lüneburg oft an dem Haus vorbeigekommen und haben überlegt, ob man da nicht was machen sollte“, sagt Scheer. Mit seinem „anderen Projekt“ sind das Whisky-Hotel und die Destille gemeint, die der umtriebige Unternehmer derzeit in dem denkmalgeschützten Gebäude an der Egerstorffstraße errichtet.

Liebe zu alten Häusern

Im Frühjahr 2018 kamen die Scheers dann mit dem Alt-Eigentümer des „Heidkrugs“ zusammen, doch bis zum Abschluss des Kaufvertrags sollte es noch etwas dauern. Viele Interessenten habe es gegeben, letztlich hätten aber gegenseitige Sympathie und ein finanzieller Rahmen, „mit dem beide gut leben können“, den Ausschlag für die Bleckeder gegeben.

Dass Scheer sich erneut in ein solches Abenteuer stürzt, erklärt er mit seiner Liebe zu alten Häusern: „Es fließt wohl Denkmal-blut in meinen Adern.“ Folgerichtig soll auch der besondere Charakter des 540 Quadratmeter großen Hauses auf seinen drei Etagen erhalten bleiben. Deshalb soll es auch nur „kosmetische Änderungen“ geben, denn die Substanz des Hauses sei gut. Sein Ziel: „Was das Haus von außen verspricht, muss auch innen eingelöst werden.“ Und natürlich sei alles mit dem Denkmalschutz abgestimmt, versichert Scheer.

Erste Überraschungen gab es bereits

Seit gut einer Woche ist er täglich auf seiner nun bereits zweiten Lüneburger Baustelle, wenn alles gut läuft, soll schon im Mai Eröffnung sein. Dass man bei einem Haus dieses Alters vor Überraschungen aber nie gefeit sein kann, weiß auch der 49-Jährige. Erste gab es bereits. „Bei den Arbeiten haben wir zufällig einen Hinterhof entdeckt, der komplett verschlossen und zugewachsen war, ebenso zwei Garagen, die hinter einer Wand versteckt lagen“, berichtet Scheer.

Wie im Whisky-Hotel und der Destille auf dem Windberg wird Scheer auch im alten „Heidkrug“ mit Pächtern zusammenarbeiten. Die habe er auch bereits gefunden. Wer das ist? „Wird noch nicht verraten.“ Einen Tipp, was aus dem „Heidkrug“ werden soll, hat er für die LZ-Leser dann aber doch noch: „Wer sich den alten Werbeträger über der Tür genau anschaut, könnte drauf kommen.“

Von Ulf Stüwe