Freitag , 25. September 2020
Strafzinsen für Kleinsparer sind für fast alle Banken in Deutschland noch tabu. Foto: A

Strafzinsen bereits ab 5000 Euro?

Lüneburg. Der 5. Juni 2014 markiert eine Wende: Erstmals verlangt die Europäische Zentralbank Strafzinsen für Bankeinlagen. Die Aufregung ist groß: Werden Sparer bald doppelt bestraft, weil sie nicht nur bei den Zinsen leer ausgehen, sondern auch noch für ihre Guthaben bezahlen müssen?

Fünf Jahre später ist die Frage weitgehend geklärt: Immer mehr Banken erheben Strafzinsen. Laut einer biallo.de-Untersuchung kassieren mittlerweile gut 150 von 1300 Geldhäusern Negativzinsen, davon 52 Institute auch im Privatkundenbereich. Allerdings gelten die Strafzinsen in der Regel erst ab höheren Einlagen-Summen.

Tabubruch im Süden

Für die Schlagzeile „Das gab es noch nie in Deutschland“ sorgt Mitte November aber die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck. Bereits seit 1. Oktober berechnet die Bank bei neu eröffneten Tagesgeldkonten Strafzinsen. Von jedem Kunden, der neu bei ihr Geld anlegt, verlangt die Volksbank 0,5 Prozent Minuszinsen.

Experten vermuten, dass auch andere Kreditinstitute Sparern bald vom ersten Euro an Negativzinsen berechnen.

Noch ist es zwar nicht so weit. Auch nicht in Lüneburg. Doch die Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg will ab Februar als erstes Kreditinstitut in Niedersachsen Strafzinsen auch auf kleinere Guthaben erheben. Betroffen sind Geschäftskunden ab einem Guthaben von 5000 Euro. Das Verwahrentgelt soll bei 0,5 Prozent liegen, berichtet der NDR. Die Strafzinsen sollen aber nicht für private Konten, sondern für Kleinunternehmer, Handwerksbetriebe und Freiberufler gelten. Hintergrund der Maßnahme sei die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, heißt es in dem Schreiben der Sparkasse, das dem NDR nach eigenen Angaben vorliegt. Die betroffenen Unternehmen reagieren mit Unverständnis auf den Schritt der Sparkasse. Je nach Firmengröße zahlen sie schon jetzt zwischen 360 und 1000 Euro Kontogebühren im Jahr. „Keiner ist begeistert“, sagt der Vorstand der Kreishandwerkerschaft, Horst Saevecke, gegenüber NDR 1 Niedersachsen.

Andere Geldinstitute im Land berechnen Strafzinsen erst ab einem Guthaben von einer Million Euro. Auch in Lüneburg soll es – zumindest absehbar – bei hohen Freibeträgen bleiben.

Freibetrag liegt bei 500.000 Euro

„Es ist nicht unser Bestreben, Strafzinsen zu erheben“, betont Marketing-Leiterin Heike Janott von der Volksbank Lüneburger Heide. Bei einem Guthaben von mehr als 500 000 Euro würden aber die Kunden angesprochen. „Wir versuchen dann, mit ihnen eine gemeinsame Lösung, eine andere Finanzierungsform zu finden.“ Janott stellt klar: „Es handelt sich hier nicht um Sparguthaben, sondern um täglich fällige Einlagen.“

Ziemlich zurückhaltend äußert sich die Sparkasse Lüneburg: „Wir haben uns das Markt­umfeld genau angesehen und werden dies auch weiterhin tun“, formuliert Jana Twesten, Leiterin Vorstandssekretariat und Kommunikation. Und: „Aktuell erheben wir Verwahrentgelte bei gewerblichen Kunden. Der Freibetrag liegt grundsätzlich bei 500.000 Euro.“

Das Fazit lautet also: Ausgeschlossen ist auch in Lüneburg nichts. wko