Jede Menge Granaten liegen im Dethlinger Teich. Sie wiegen jeweils bis zu 40 Kilogramm. Foto: at

Mehr als 10.000 Granaten im Teich

Bad Fallingbostel. Bis Weihnachten sollte die mehr als sechs Meter tiefe Probebohrung in dem Dethlinger Teich bei Munster abgeschlossen sein. Dreieinhalb Meter haben die Feuerwerker aufgrund der Masse an Munition aber erst geschafft. Mehr als 1000 Granaten wurden bisher aus der Tiefe geholt, mit mindestens 10.000 rechnet der beim Landkreis zuständige Fachmann Friedrich-Wilhelm Otte allein für den Bereich in der und rund um die Grabung. Dieser wurde aufgrund einer starken magnetischen Abweichung ausgewählt: „Wenn die Arbeiter an die Wand der Bohrung schauen, sehen sie nur Granaten.“

So ist dem Kreis schon jetzt klar: „Die Notwendigkeit der Sanierung ist unzweifelhaft.“ Das erklärte erster Kreisrat Oliver Schulze im Ausschuss für Bau, Natur, Umwelt und Landwirtschaft des Landkreises.

"Alles muss raus, und das möglichst schnell"

„Der Landkreis wird das allein nicht stemmen können“, sagte Schulze zur Verantwortung von Land und Bund für die Gesamt-räumung und die Finanzierung. Schon jetzt muss nachfinanziert werden. Die 3,6 Millionen Euro von Land und Landkreis für die Probeerkundung sind aufgebraucht. Die Verwaltung rechnet damit, dass weitere 1,6 Millionen Euro nötig sind, um die sechs Meter Tiefe zu erreichen. Das wird bis Ostern 2020 dauern.

Erst in der Tiefe wird klar sein, „wann die Gefahr beginnt“, wie Otte dem Ausschuss erklärte. Die „Suppe“, die man aufgrund der austretenden Kampfstoffe erwarte, sei noch nicht erreicht. Dass dort chemische Abbauprodukte zu finden sein werden, ist im Grundwasser abzulesen, das stetig abgepumpt wird: Es sei eine starke Lauge mit einem pH-Wert von 12, üblich sei ein Wert zwischen 6 und 8,5.

Alles müsse raus, und das möglichst schnell, sagte Otte dazu, dass die ersten Granaten schon in einem Meter Tiefe entdeckt worden waren. Die Gesamträumung des Dethlinger Teichs könne aber deutlich einfacher werden, als die Probebohrung. Auf großer Fläche könnten größere Maschinen arbeiten, um die Granaten zu bergen. Alle bisherigen Funde seien zwar mit chemischen Kampfstoffen gefüllt, aber ohne Zünder gefunden worden.

„Wir können nicht einfach einen Deckel draufmachen"

Die Sanierungsfrage war auch Thema im Umweltausschuss des Landtags und bei Gesprächen von Staatssekretär Frank Doods mit dem Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil, Landrat Manfred Ostermann und Bürgermeisterin Christina Fleckenstein vor Ort.

Nach Ansicht von Umweltminister Olaf Lies muss und soll der Dethlinger Teich komplett saniert werden. „Wir können nicht einfach einen Deckel draufmachen und hoffen, dass nichts Schlimmes passiert“, sagte er. „Die Frage nach dem ,ob‘ stellt sich für mich gar nicht mehr. Mit Blick auf die Kosten der komplexen und komplizierten Sanierung stehen jetzt das ‚wie‘ und das ‚wer‘ im Fokus. Ich bin sicher, dass wir an diesem Punkt mit dem Bund zu einer guten und tragfähigen Lösung kommen. Denn klar ist: Der Umgang mit diesem Kampfmittelfund einzigartiger Dimension darf nicht am Geld scheitern.“

Eine aktuelle Machbarkeitsstudie des Umweltministeriums schätzt die Kosten für die Entsorgung der gefundenen Kampfmittel und -stoffe sowie des kontaminierten Bodens auf mindestens 50 Millionen Euro und würde mindestens drei Jahre dauern.

Von Anja Trappe

Zur Sache

Kampfmittel sogar aus Vietnam

Der Dethlinger Teich ist eine ehemalige Kieselgur-Grube, in die während und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht abschätzbare Mengen an Kampfstoffen (Chemikalien) und schätzungsweise mehr als 100.000 Kampfmittel (Munition) des ehemaligen Deutschen Reichs versenkt wurden. Auch Beute-Kampfmittel der Alliierten, schätzungsweise mehr als 10.000 Granaten, wurden dort „entsorgt“, darunter auch französische, dänische, italienische, vietnamesische und japanische Fabrikate. Wie das zusammenhängt, ist noch unklar.