Sonntag , 27. September 2020
Die Stadt hat eine Liste mit Bäumen vorgelegt, die weichen müssen. Betroffen ist auch diese an der Uelzener Straße. Foto: t&w

Folgen der Dürre

Lüneburg. Die Zahl hat selbst Ulf Lüdemann erschrocken. 734 Bäume hat der Baumexperte in den letzten Monaten auf die Liste setzen müssen, so viel wie schon lang e nicht mehr. Gestern stellte der Mitarbeiter der städtischen Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) die aktuelle Baumfällliste im Umweltausschuss vor.

„Wir waren selbst von der hohen Zahl überrascht“, sagte Lüdemann, der aber auch gleich die Gründe für den enormen Anstieg lieferte: die beiden letzten Dürrejahre. Hitze und Trockenheit hätten vor allem den Birken geschadet, „die vertragen große Schwankungen nicht so gut“. Sie machen mit 189 betroffenen Bäumen auch den Hauptanteil bei den anstehenden Fällungen aus. Aber auch Schwächeparasiten hätten den städtischen Bäumen stark zugesetzt.

Ein Drittel fällt unter die Baumschutzsatzung

Insgesamt 62 Prozent der Bäume müssen aufgrund natürlichen Absterbens oder Pilzbefall entfernt werden, 20 Prozent für Freistellungen zum Erhalt des angrenzenden Baumbestands oder zum Schutz benachbarter Objekte. Weitere 11 Prozent werden wegen städtischer Bauvorhaben, Auslichtung des Straßenraums oder auch Umbauten entnommen, der Rest weist fehlende Standsicherheit oder Bruchsicherheit auf.

Der mit Abstand größte Teil der betroffenen Bäume fällt im Revier Vogelpark an, es folgen die Reviere Stadtmitte und Kurpark sowie der Bereich der Gewässerunterhaltung. Des Weiteren müssen Bäume auf den städtischen Friedhöfen weichen, zum Teil wegen anstehender Umgestaltungen. Und auch für die Freistellung des Gleises für die Industriebahn im Revier Vogelpark sind umfangreiche Fällarbeiten vorgesehen.

Ein Drittel der auf der Fällliste stehenden Bäume fällt unter die Baumschutzsatzung, darunter vor allem die Baumarten Hainbuche, Erle und Eiche, aber auch Robinien, Eschen, Ulmen und andere. Trotz der hohen Anzahl gab Lüdemann auch Entwarnung. Mit rund drei Prozent des gesamten Baumbestands liege der Anteil der zu fällenden Bäume „noch im Bereich des Normalen“.

Anders als in den Vorjahren war die Baumfällliste den Ausschussmitgliedern in diesem Jahr bereits im Oktober zugeleitet worden. Verwaltung und AGL reagierten damit auf den Wunsch der Ausschussmitglieder, sich bereits im Vorfeld einen Überblick über die anstehenden Fällungen verschaffen und notfalls Änderungen herbeiführen zu können. Dies hatte in den vorangegangenen Jahren immer wieder zu teils kontroversen Diskussionen geführt.

Jährlich mehr Fällungen als Nachpflanzungen

Auch hatte die AGL noch wenige Tage vor der Sitzung zu einer Begehung eingeladen, an der auch BUND-Vertreter Karl Wurm teilnahm. Dabei habe man sich verständigt, fünf Bäume noch einmal zu überprüfen. In der gestrigen Sitzung äußerte Wurm dennoch die Bitte, auch die notwendigen Ersatzpflanzungen nicht aus dem Blick zu verlieren. „Wir fällen jedes Jahr weitaus mehr Bäume als wir nachpflanzen“, gab Wurm zu Bedenken. In diesem Zusammenhang müsse auch geprüft werden, ob überhaupt noch ausreichend Gelände für Nachpflanzungen bereitstehe. Die Anzahl der im kommenden Jahr anstehenden Nachpflanzungen bezifferte Ulf Lüdemann mit 200.

Detailnachfragen gab es auch von Ralf Gros (Grüne), doch musste er sich letztlich dem Wunsch des Ausschusses beugen, seine Fragen schriftlich einzureichen „und nicht öffentlichkeitswirksam einzeln im Ausschuss zu behandeln“, wie Frank Soldan (FDP) anmerkte.

Welche Kosten für die Abstützung einer Baumkrone im Liebesgrund anfallen, wollte Eckhard Neubauer (SPD) wissen. Lüdemann gab diese mit 100 Euro an, ergänzte aber, dass er den Beschnitt einer Krone favorisiere, da eine Kronenstütze bereits nach einigen Jahren erneuert werden müsse.

Von Ulf Stüwe