Leicht gemachtes Geld winkt oft im Internet. Doch manches Angebot stellt sich als Betrugsversuch heraus. (Foto: pixabay)

Strafanzeige statt Nebenverdienst

Ein Job winkt - doch plötzlich flattert eine Anzeige wegen Geldwäsche. Die Verbraucherzentrale warnt davor, für vermeintliche Arbeitgeber ein Konto anzulegen oder ihnen eine Kopie des Ausweises zuzuschicken. Denn das kann böse Folgen haben.

Lüneburg. Der Lockdown zwingt aktuell viele, sich einen Nebenjob zu suchen. Das nutzen Kriminelle für sich aus. Sie locken mit fiktiven Jobangeboten im Internet, um an die Identität der Bewerber zu gelangen. Wie raffiniert die Betrugsmaschen sind, zeigt der Fall einer Frau aus Niedersachsen: Anstelle eines neuen Jobs droht ihr eine Anzeige wegen Geldwäsche. Die Verbraucherzentrale in Lüneburg warnt deshalb davor, Bankkonten im Auftrag von anderen zu eröffnen.

Apps, Produkte und Dienstleistungen bei freier Zeiteinteilung von zu Hause aus testen und damit Geld verdienen – das klingt vielversprechend. Im Bewerbungsverfahren sollte eine Interessentin die Sicherheitsmerkmale der Video-Identifizierung testen, während sie ein Bankkonto eröffnet.

Konto für kriminelle Zwecke missbraucht

Ihr wurde mitgeteilt, das Konto werde nur zum Zweck der Marktforschung eingerichtet und direkt nach der Bewertung des Video-Identifikationsverfahrens durch die vermeintlichen Arbeitgeber gekündigt. Tatsächlich ging es den Betrügern jedoch darum, an die Identität der Bewerberin zu gelangen. „Beim Job-Scamming missbrauchen Betrüger die Identität ahnungsloser Bewerber, um ein Konto für kriminelle Zwecke anzulegen“, erklärt Sabine Oppen-Schröder, Beraterin der Verbraucherzentale Lüneburg.

In diesem Fall ist die Frau somit ungewollt zur Finanzagentin geworden: Die vermeintlichen Arbeitgeber hatten vorab auf ihren Namen ein Konto angelegt, das sie durch die Videoidentifizierung bestätigt hat. Die Bewerberin ist Inhaberin des Kontos, die Betrüger können jedoch darauf zugreifen. Ihr Ziel: das Konto für eBay-Verkäufe zu nutzen. Kunden zahlen den Kaufpreis ein, warten aber vergebens auf die Ware.

Niemals Personalausweis beidseitig einscannen

„Eine Video-Identifizierung im Bewerbungsverfahren ist grundsätzlich möglich“, sagt Oppen-Schröder. Verlangt der vermeintliche Chef aber, dass auch ein Konto eröffnet wird, sollten Verbraucher das ablehnen. „Auch sollten sie niemals ihren Personalausweis beidseitig einscannen und ihn anschließend zur Authentifizierung in die Kamera halten“, rät Oppen-Schröder. Wer solch einer Betrugsmasche zum Opfer gefallen ist, dem droht eine Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Die Verbraucherzentrale rät Betroffenen, sich an eine Rechtsvertretung zu wenden und selbst Anzeige gegen die vermeintlichen Arbeitgeber zu stellen. lz

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.