Mittwoch , 23. September 2020
So soll die Grundschule Melbeck nach dem Entwurf aussehen: mit größerer Mensa und neuem Eingang. Bevor es losgehen kann, müssen jedoch die wasserrechtlichen Fragen geklärt sein. Grafik: Oldenburg.Plesse

Wohin mit dem Regenwasser?

Melbeck. Der Um- und Ausbau der Grundschule in Melbeck nimmt Formen an: Vier neue Klassenräume sollen unter anderem angebaut werden, eine neue Mensa entstehen. 3,65 Millionen Euro sind für den Umbau zur Ganztagsschule eingeplant. Beginnen sollen die Arbeiten Sommer 2020. Soweit der Plan. Was noch fehlt, ist die kürzlich beantragte Baugenehmigung des Landkreises für das Millionen-Projekt. Und da könnte es zu unerwarteten Problemen kommen. Der Grund: „Während der Planungsphase mussten wir feststellen, dass es für die Schule keine wasserrechtliche Erlaubnis gibt“, erklären Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD) und Bauamtsleiterin Ilona Benecke. Im Rathaus ist man deshalb nun fieberhaft dabei, ein Oberflächenentwässerungs-Konzept für die Schule zu erstellen. „Wir haben bereits einen Fachplaner beauftragt, lassen außerdem Bodenproben nehmen“, berichtet Benecke.

Regenrückhaltebecken ist wohl zu klein

Zwar gibt es zwischen Grundschule und dem Barnstedt-Melbecker Bach ein Regenrückhaltebecken, in das ein Großteil des Oberflächenwassers eingeleitet wird und das von dort weiter in den Bach fließt. „Mit den An- und Neubauten vergrößern sich aber die Dachflächen der Schulgebäude“, gibt Ilona Benecke zu bedenken, „das bereits vorhandene Regenrückhaltebecken wird da wohl nicht mehr ausreichen. Eine Vergrößerung dieses Beckens ist aus Sicht der Bauexpertin aufgrund des „extrem hoch anstehenden Grundwassers“ auch nicht so ohne Weiteres technisch machbar. „Deshalb brauchen wir ein schlüssiges Entwässerungskonzept für die gesamte Schule“, mahnen Benecke und Rowohlt an.

Das Thema „Oberflächenentwässerung“ ist in der Gemeinde Melbeck schon lange ein ganz besonderes Problem – da können nicht nur die Anwohner im Birkenweg/Hasenwinkel ein Klagelied von singen (LZ berichtete). Vor Rätsel stellt die Planer aber auch der Regenwasserkanal, an dem zu einem Teil auch die Grundschule angeschlossen ist. Benecke erinnert sich noch genau an den Schreck, als vor einigen Jahren der östliche Anbau der Grundschule errichtet und dabei der Regenwasserkanal beschädigt wurde, der unter dem Gebäude hindurch in den Barstedt-Melbecker Bach mündet. Plötzlich sprudelte Wasser. „Von der Existenz des Regenwasserkanals an dieser Stelle waren wir doch sehr überrascht“, berichtet die Bauamtsleiterin.

Gemeinde hatte Zuständigkeit für diesen Kanal bestritten

Recherchen der Samtgemeinde ergaben: An diesem Regenwasserkanal hängt nicht nur ein Teil der Grundschule, sondern auch Teile der Landesstraße 233, der Kreisstraße 10, Teile des Baugebietes Diemelkoppel, der gemeindliche Kindergarten, das Jugendzentrum und auch eine Massagepraxis.

Vor zehn Jahren noch hatte die Gemeinde Melbeck – verantwortlich für die Oberflächenentwässerung – die Zuständigkeit für eben diesen Kanal bestritten. Eine Einschätzung, die die Kommune so künftig aber wohl nicht mehr halten kann. Denn auch der Fachdienst Umwelt beim Landkreis Lüneburg kam 2011 nach einer wasserrechtlichen Prüfung zu dem Schluss, dass es sich bei dem strittigen Rohr um eine „gemeindliche Entwässerungsleitung“ handelt.

Bauausschuss Melbeck tagt Anfang Dezember

Für die Bauabteilung in der Samtgemeinde ist das eine wichtige Aussage, denn: „Dieser Kanal spielt in unserem Entwässerungskonzept, das wir dem Landkreis für die Baugenehmigung vorlegen wollen, eine zentrale Rolle“, sagt Peter Rowohlt.

Die Dringlichkeit hat auch die Gemeinde Melbeck erkannt: „Am 2. Dezember werden wir uns im Bauausschuss mit diesem Thema befassen“, sagt Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner (CDU) auf LZ-Anfrage. Dann werden die Ausschussmitglieder darüber beraten, ob sie den Entwässerungskanal jetzt als gemeindlichen Kanal anerkennen – und somit letztlich grünes Licht für den Schulan- und -neubau in Melbeck geben wollen.

Von Klaus Reschke