Donnerstag , 24. September 2020
Förster Holger Kapell im Gespräch mit Marlies Theuerkauff, Hannelore Wilkens und Charlie Becker (v.l.). Die drei Nordic Walker freuen sich auf die wieder hergestellten Wanderwege. Foto: kre

Großes Aufräumen im Waldgebiet Teichholz

Scharnebeck. Seit fast zwei Jahren können Charlie Becker und seine Nordic-Walking-Mitstreiter ihrer Lauflust nur eingeschränkt frönen: Umgestürzte Bäume liegen quer über die beliebte Lauf- und Wanderstrecke im Waldgebiet „Teichholz“ bei Scharnebeck und machen ein ungestörtes Durchkommen unmöglich. Das Werk von Orkantief Friederike, das im Januar 2018 über das Land hinweggefegt war, Bäume entwurzelt und eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatte. In dieser Woche nun sollen die Aufräumarbeiten auch im Teichholz beginnen, die Wege wieder begehbar werden.

Förster Holger Kapell hat sich mit der LZ zum Ortstermin getroffen: „Dass wir erst jetzt mit den Arbeiten beginnen können liegt auch daran, das Forstwirte aus dem Norden lange Zeit mit dem Aufarbeiten von Käferholz in Südniedersachsen beschäftigt waren“, erklärt der Leiter der Revierförsterei Barendorf. Doch nun werden sich die Kettensägen auch in Scharnebeck in die umgestürzten Bäume fressen.

Beliebte Wanderstrecke

Charlie Becker, Marlies Theuerkauff und Hannelore Wilkens sind mit ihrer Nordic-Walking-Gruppe im Waldgebiet Teichholz unterwegs, als sie hören, dass nun Waldarbeiter die Wege wieder passierbar machen – das finden sie klasse: „Das war und ist eine beliebte Wanderstrecke“, betonen sie. Kapell weiß das: „Mit der Gemeinde Scharnebeck haben wir deshalb eigens einen Gestattungsvertrag für das Wanderwegenetz geschlossen“, berichtet der Revierförster.

Auf die Waldarbeiter wartet nun in den nächsten Tagen viel Arbeit. Unter anderem müssen zehn dicke Buchen und Eichen aufgearbeitet werden, die quer über den Wegen liegen. Und so manch dicker Stamm kann dabei nur von Hand klein gesägt werden, „weil wir mit Maschinen nur schwer rankommen werden“, erklärt Kapell.

Es müssen auch weitere Bäume gefällt werden

Doch mit dem Freiräumen der Wege alleine wird es nicht getan sein: „Insgesamt werden in den nächsten Tagen rund 40 bis 50 Bäume – Buchen, Eichen und Eschen – im Zuge der Verkehrssicherungspflicht gefällt werden müssen“, erläutert der Revierförster. Während der Arbeiten werden die Wege gesperrt.

Für die Natur hatte das Baum-Mikado im Waldgebiet „Teichholz“ aber auch sein Gutes: Die Wurzelteller der umgestürzten Bäume bieten jetzt nämlich einen idealen Unterschlupf für den seltenen Eisvogel. „Wenn wir den Windwurf sofort aufgeräumt hätten, wäre uns der Eisvogel so gar nicht aufgefallen“, räumt Kapell ein. Jetzt sollen die umgestürzten Bäume so abgelängt werden, dass die Wurzelteller auch künftig als Bruthöhlen für den Eisvogel nutzbar sind. Und für den Fall, dass sich der seltene Vogel durch die Wanderer gestört fühlt, hat sich der Förster bereits eine Alternative überlegt: „Mittelfristig wollen wir für die ‚fliegenden Edelsteine‘ an ruhigen Stellen auch künstliche Nisthilfen aufstellen.“ Abseits der Wanderwege, damit der Vogel des Jahres 2009 auch künftig in Ruhe seinem Nachwuchs aufziehen kann.

Von Klaus Reschke