Übergabe mit Stil: Hilke Lamschus überreicht Walter Pakull die Siegelpresse. Foto: t&w

Nach fast 100 Jahren wieder aufgetaucht

Lüneburg. Unverhofft kommt oft, sagt der Volksmund, manchmal aber braucht es bisweilen Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte. So geschehen bei der Lüneburger Sülfmeister-Loge. Sie kam kürzlich überraschend in den Besitz ihrer früheren Siegelpresse zurück – einem Utensil, von dem die Logenbrüder selbst nicht wussten, dass sie so etwas je besaßen.

„Wir wussten nichts von einer solchen Presse“, sagt Bernhard Rieckmann. Noch immer kann der Vorsitzende der „Loge Sülfmeister“ nicht glauben, ein für seine Loge so bedeutsames Werkzeug in Händen halten zu dürfen. Denn an der unverhofften Heimkehr sind gleich mehrere Dinge unklar. So ist zum einen nicht genau bekannt, wer der bisherige Besitzer der Siegelpresse war und wie dieser in ihren Besitz kam.

„Mir wurde das Objekt von der Firma ‚Leder-Peter‘ aus Trier per E-Mail angeboten“, sagt Hilke Lamschus, Leiterin des Salzmuseums. Warum man sich an sie wandte, ist für sie nachvollziehbar: „Auf dem Siegelträger stehen die Hinweise ‚Sülfmeister‘ und ‚Lüneburg‘. Da hat man natürlich an Salz gedacht und sich an uns gewandt.“

Hilke Lamschus ist es gewohnt, dass ihrem Museum Objekte angeboten werden. Bei diesem Teil aber war ihr gleich klar, dass es nicht ins Museum, sondern zurück in die Loge gehört.

In den Wirren der Nazizeit abhanden gekommen


Auch nach fast 100 Jahren hinterlässt die Siegelpresse noch eine perfekte Prägung. Foto: t&w

„Loge Sülfmeister V.A.O.D. – Lüneburg“ versehen mit der Jahreszahl 1922 ist auf der etwa fünf Zentimeter breiten, kreisrunden Prägung zu erkennen, die Bernhard Rieckmann gerade auf einem Papier angefertigt hat. „Die Abkürzung steht für Verband Alter Orden Deutschlands, dem unsere Loge angeschlossen ist.“ Die Jahreszahl ist das Gründungsjahr der Loge. Für ihn damit außer Zweifel, dass Siegel und Presse aus dem früheren Besitz der Loge stammen.

Warum sie aber in andere Hände kam, darüber kann er nur Mutmaßungen anstellen. „In der Nazizeit wurden sämtliche Logen in Deutschland verboten, vermutlich ist sie in den Wirren dieser Zeit abhanden gekommen.“ Man werde sich aber mit dem bisherigen Besitzer in Verbindung setzen, „uns interessiert das natürlich“. Rieckmann: „Vielleicht eröffnen sich beim weiteren Nachforschen ja auch noch andere spannende Zusammenhänge.“

Nachträgliche Übermalungen

Zur Übergabe im Museum kamen Rieckmann ebenso wie der stellvertretende Vorsitzende Ullrich Goebel und Pressewart Walter Pakull in Anzug und Logen-Krawatte. „Für uns ist es ein besonderer Moment, ein so bedeutendes Stück unserer Logen-Geschichte wieder bei uns aufnehmen zu können“, sagte Walter Pakull. Den Preis dafür – „es waren nur hundert Euro“ – haben sie gern gezahlt.

Dass die Siegelpresse noch vor dem hundertjährigen Bestehen der Loge wieder in den Besitz zurückgekommen ist, freute den Vorsitzenden besonders. „Sie wird nicht nur einen gebührenden Platz bei uns bekommen, sondern natürlich auch bei solchen und anderen Anlässen eingesetzt werden.“ Zuvor aber soll das gute Stück überarbeitet und von nachträglichen Übermalungen befreit werden.

Von Ulf Stüwe