Freitag , 18. September 2020
Die Handballer des HVL haben die Liste bereits in der Sporthalle in Oedeme aufgehängt. Foto: privat

Wo Frauen Hilfe finden

Lüneburg. Der Runde Tisch gegen Gewalt in der Familie beteiligt sich auch in diesem Jahr mit einer Aktion zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt ge gen Frauen am 25. November. Diesmal geht es um eine breit angelegte Kampagne zur Ausweitung der „Hilfe bei Gewalterfahrung“.

Gewalt in der Familie, von der Frauen und ihre Kinder betroffen sind, hat viele Gesichter. Damit es in der Gesellschaft kein Tabu-Thema bleibt, hat der vom Kriminalpräventionsrat von Stadt und Landkreis initiierte Runde Tisch gegen Gewalt in der Familie jedes Jahr Aktionen angeschoben, „bei denen unterschiedliche Berufsgruppen einbezogen wurden“, sagt Kriminalhauptkommissarin Eleonore Tatge, die den Runden Tisch seit Jahren moderiert. Unter anderem gab es mit der Bäcker-Innung eine Aktion unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, bei der Ansprechpartner für Notsituationen auf Brot- und Brötchentüten aufgedruckt waren. Das waren – wie auch bei den anderen Aktionen – die Notrufnummer der Polizei, vom Frauenhaus, BISS (Beratungs- und Interventionsstelle für Frauen) sowie das bundesweite Hilfstelefon, das Betroffene aller Nationalitäten unterstützt und in 17 Sprachen berät.

Breite Palette an Hilfsangeboten

Die bisherigen Aktionen hätten gezeigt, dass es danach mehr Frauen gegeben habe, die sich selbst meldeten. Gewalt in der Familie werde so in einem früheren Stadium sichtbar, sodass auch Gewalt verhindert werden könne. Inzwischen gebe es eine breite Palette an Hilfsangeboten. Doch die Bereitstellung allein reiche nicht aus, ist sich Tatge mit Maret Bening, Gleichstellungsbeauftragte von Stadt und Landkreis, einig. „Die Menschen müssen die Angebote kennen, damit die Hilfe ankommen kann.“

Deshalb wurde eine Liste mit 15 Hilfestellen zusammengestellt, die auch Institutionen nebst Telefonnummern enthält, die vielleicht noch nicht so bekannt sind. „Zum Beispiel ‚Pro Beweis‘, zur zeitnahen Beweissicherung von Spuren nach Gewaltverbrechen, die bei einer späteren Anzeige als Beweismaterial verwendet werden können“, erläutert Tatge.

„Hilfe bei Gewalterfahrung“

Die Liste würden nun Mitglieder des Runden Tisches verteilen, zu dem fast 20 Institutionen gehören, berichtet Bening. Aber auch Kontaktbeamte versuchen, sie zu „streuen“, Arztpraxen, Vereine, Gastronomiebetriebe sind angesprochen, die „Hilfe bei Gewalterfahrung“ auszuhängen. Als möglichen Ort schlagen die Initiatoren der Aktion auch die Innenseite von Damentoiletten oder Schwarze Bretter vor. Bening hat auch mit den Gebäudewirtschaften von Stadt und Kreis Kontakt aufgenommen, sodass auch viele kommunale Einrichtungen mit einbezogen werden.

„Wer uns unterstützen und die Liste verteilen oder aufhängen möchte, kann sie unter www.gegen-gewalt-in-der-familie.de herunterladen oder über einen QR-Code auf sein Handy laden“, sagt Eleonore Tatge. Sie und die anderen Initiatoren freuen sich auch über Fotos von Unternehmen und Einrichtungen, wenn sie die Liste platzieren. Diese sollen dann in eine Galerie aufgenommen werden.

Von Antje Schäfer