Donnerstag , 1. Oktober 2020
Ihr Herz schlägt für Hunde, ob Zuhause oder auf der Rednerbühne: Gaby Engelbart mit Irish Setter „Larry“. (Foto: t&w)

Licht aus, Mikrofon an

Hohnstorf/Elbe. Ein bisschen stolz ist Gaby Engelbart schon, wenn sie sich als Rednerin auf der Bühne über den Bildschirm ihres Laptops flackern sieht. Zu Recht, denn die Hohnstorferin gewann den Excellence Award bei einem bundesweiten Redner-Wettbewerb – und das, obwohl Engelbart vorher noch nie auf einer Bühne stand.

„All you need is love… and a dog“ (Alles was du brauchst ist Liebe… und einen Hund), steht in schwarzen Lettern auf dem kleinen Dekostein, den Gaby Engelbart neben ihr Bücherregal gestellt hat. Es zeigt jedem Besucher auf Anhieb, wofür Engelbarts Herz schlägt: Hunde. Ob beruflich oder privat – die Tierheilpraktikerin und Hundephysiotherapeutin umgibt sich gerne mit den Vierbeinern und hat sich auf die Behandlung von Geräuschängsten bei Hunden spezialisiert. So musste die Hohns-torferin auch nicht lange überlegen, über welches Thema sie beim internationalen Speaker Slam in Wiesbaden reden
29 möchte.

Geräuschängste bei Hunden war ihr Thema

„Ich wollte mit dem Thema Geräuschängste bei Hunden mehr in die Öffentlichkeit“, sagt Gaby Engelbart, während sie ihrem Irish Setter „Larry“ die Stirn krault. Rund die Hälfte aller Hunde sei von Ängsten durch Silvesterböller oder Gewitter-grollen betroffen, schätzt die Expertin. So wie ihr einstiger Hund „Henry“. Er habe damals ganz plötzlich Gewitterangst bekommen, die immer schlimmer wurde. Engelbart beschäftigte sich genauer mit dem Thema, mit Methoden wie Gegenkonditionierung, Stresssenkung durch ätherische Öle oder Hundebandagen, die das Gefühl einer Umarmung vermitteln sollen.

Die Leute neugierig auf ihr Herzensthema zu machen, das war der Grund, warum Gaby Engelbart sich Mitte Oktober als Rednerin auf einer Wiesbadener Bühne wiederfand. Der Speaker Slam wurde von dem Autoren und Vortragsredner Hermann Scherer initiiert. Ob mit oder ohne Bühnenerfahrung – jeder ist eingeladen sich zu einem Thema seiner Wahl als Gastredner vor Publikum und einer Jury zu probieren. Zunächst erzählen die Redner auf Probe parallel, die Zuschauer können sich per Kopfhörer in die jeweiligen Reden einschalten und abstimmen, welche Präsentation sie besonders gelungen finden. Von rund 200 Teilnehmern wurden in Wiesbaden zuletzt 69 ausgewählt, die für ihre besonders guten Reden mit dem Excellence Award ausgezeichnet wurden. Sie durften nochmals auf die Bühne und ihr Thema in exakt fünf Minuten präsentieren.

Unter ihnen war auch Gaby Engelbart, die an diesem Abend das erste Mal auf einer großen Bühne stand. „Es war ein richtig, richtig gutes Gefühl“, sagt sie heute, bei der Erinnerung an ihren Auftritt. Für den Wettbewerb hatte die Hohnstorferin wieder und wieder vor dem Badezimmerspiegel geprobt und sich Tipps von Körpersprachenexperte Stefan Verra geben lassen. „Es geht darum, Bilder im Kopf der Zuhörer zu erzeugen, mit Gestik zu arbeiten. Teilweise auch dramatische oder witzige Anekdoten zu erzählen“, hat Engelbart gelernt.

Engelbart berichtete von eigenen Erfahrungen

Das tat sie – und so sieht man auf dem Videomitschnitt wie Engelbart erzählt, von ihrem „Henry“. Von dem Tag, als er in die Elbe sprang – einem Stöckchen hinterher – und nicht zurückkommen wollte. Davon, wie sie selbst ins Wasser ging, um ihren Hund zu retten. Wie sie „Henry“ und sich klitschnass aus der Elbe schleppte und bis heute nicht weiß, ob nicht der ein oder andere Tourist ein Video davon gemacht habe. Und davon, wie der eigensinnige Jagdhund von damals wenig später auf jedes Kommando hörte – auch dank Stressreduktion und der Behandlung von Geräuschangst.

Ein toller Vortrag, befand das Publikum und die Jury aus verschiedenen Persönlichkeiten der Sprecher-Szene. „Besonders wird bei den Reden auf die Geschichte, Persönlichkeit, Publikumsreaktionen und auch das Thema geachtet“, erklärt Lisa Gier, Event-Managerin des Wettbewerbs. Gaby Engelbart überzeugte in allem – auch sich selbst. Und so schmunzelt sie nur bei der Frage, ob denn nun eine Rednerkarriere für sie beginne: „Ich kann es mir durchaus vorstellen.“

Von Anke Dankers