Die auf dem Luftbild durch einen Tropfen markierte Messstelle, die offenbar als Brunnenstandort dienen soll, befindet sich bei Gut Brockwinkel an der Landwehr, ungefähr 970 Meter Luftlinie westlich von Gut Wienebüttel und rund 430 Meter südlich des Vögelser Ortsrands. Infografik: Kleinebrahm

Neuer „Vio“-Favorit ist umstritten

Lüneburg/Vögelsen. Der Getränkehersteller Coca-Cola hat sich offenbar umorientiert und favorisiert einen neuen Brunnen­standort für die Ausweitung seiner Grundwasserförderung, um die Produktion des Mineralwassers Vio deutlich zu steigern. Lange galt eine Bohrstelle zwischen Mechtersen und Vögelsen als aussichtsreichste Option, den zusätzlichen Durst des Konzerns nach „ursprünglich reinem Grundwasser“ aus dem Lüneburger Untergrund zu stillen. Im Frühjahr hieß es, dass die jahrelange Suche wieder offen sei, jede der rundherum eingerichteten Messstellen als potenzieller Brunnenstandort denkbar wäre. Jetzt steht eine Bohrung in der Gemarkung Reppenstedts im Fokus, nördlich des Gutes Brockwinkel, das bestätigt der Landkreis Lüneburg auf LZ-Nachfrage. Der Konzern hält sich hingegen bedeckt.

Auswirkungen müssen genau untersucht werden

350.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr darf Coca-Cola bereits in der Stadt Lüneburg fördern, weitere 350.000 Kubik erhoffte sich das Unternehmen zuletzt durch die Einrichtung eines dritten Brunnens. Das Verfahren für die Genehmigung beim Landkreis Lüneburg als Untere Wasserbehörde läuft noch. Zuletzt sollte es im Sommer einen sogenannten Scoping-Termin geben, um den Umfang und mögliche Einwendungen zu dem Vorhaben zu erörtern. Doch der Abstimmungstermin wurde verschoben, vermutlich auch wegen der Um-orientierung auf den Standort Gut Brockwinkel am Rande des Naturdenkmals Landwehr.

„Unser Ziel ist es, den Scoping-Termin mit Coca-Cola noch vor Jahresende zu machen“, sagt Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt des Landkreises. Im Mittelpunkt stehe die Untersuchung, wie sich eine geplante Entnahme auf das Grundwasser und Entnahmen Dritter auswirkt. Dabei würden auch Naturschutzverbände, Kommunen und der gewässerkundliche Landesdienst einbezogen. Gegenstand der Erörterung dürfte auch der geplante Pumpversuch sein, der ebenfalls einer wasserrechtlichen Genehmigung bedarf. Dabei wird die beantragte Wasserförderung unter realen Bedingungen getestet. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für den späteren Erlaubnisantrag.

Bauverkehr im Fokus

Für den neuen Standort sei zudem eine der Fragen, inwiefern er für Lkw-Verkehr geeignet sei: Im Fokus stünde dabei allerdings der Bauverkehr für die Herrichtung der Brunnenanlage. Nach LZ-Informationen wurde der Bauantrag für den Bau der Brunnenanlage bereits im Frühjahr beim Landkreis eingereicht.

Dass der Brunnen nun auf Reppenstedter Gemeindegebiet angestrebt wird, stößt dort auf wenig Begeisterung.

Gemeindedirektor Steffen Gärtner: „Die Gemeinde Reppenstedt hat eine negative Stellungnahme abgegeben und das gemeindliche Einvernehmen aus vielerlei Gründen versagt.“ Weder die Erschließung noch die baurechtlichen Voraussetzungen seien aus Sicht der Kommune gegeben, und auch eine Privilegierung könne die Gemeinde nicht erkennen, die für Bauen im Außenbereich notwendig wäre.

Neue Druckrohrleitung ins Gewerbegebiet Goseburg

Für den Abtransport der geförderten Wassermengen zum Betriebsstandort von Coca-Cola im Lüneburger Gewerbegebiet Goseburg ist weiterhin der Bau einer Druckrohrleitung im Gespräch. So eine Leitung ist aber nicht Gegenstand des Genehmigungsverfahrens für den Brunnen, tatsächlich sei so eine Leitung grundsätzlich weder genehmigungs- noch anzeigepflichtig, sagt Bartscht vom Landkreis. Allenfalls für Gewässerkreuzungen wäre eine Genehmigung einzuholen. Mit den Grundeigentümern müssten für den Bau einer Druckrohrleitung Gestattungsverträge abgeschlossen werden.

Auf LZ-Nachfrage wollte sich Marlen Knapp, Sprecherin von Coca-Cola European Partners Deutschland in Berlin, nicht näher zu dem Vorhaben äußern: „Wir konzentrieren uns auf den fachlichen Austausch im Rahmen des Verfahrens und wollen diesem und auch Entscheidungen der verfahrensführenden Behörde nicht vorgreifen.“ Zudem verweist sie auf eine später vorgesehene Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit hätten, „sich auf Basis der dann vorliegenden und öffentlichen Fakten einzubringen“.

Von Dennis Thomas