Thorsten Schnell ist seit August 2016 Leiter der Lüneburger Herderschule. Zuvor war er an der Wilhelm-Raabe-Schule tätig. (Foto: t&w)

Verhärtete Fronten

Lüneburg. Mit Baustellen kennen sich Lehrer und Schüler der Lüneburger Herderschule bestens aus. Mehr als ein Jahrzehnt wurde im Gymnasium stets irgendwo gewerkelt. Inzwischen sind die Handwerker zwar abgerückt, doch nun hat sich eine neue Baustelle aufgetan: Es hakt gewaltig zwischen Schulleiter Thorsten Schnell und Lehrern. Und zwar derart, dass der Schulelternrat den „Schulfrieden nachhaltig gefährdet und das Schulklima negativ beeinflusst“ sieht.

Dass Chefs nicht immer „Everybodys Darling“ und mit all ihren Mitarbeitern befreundet sind, ist durchaus alltäglich, doch im Fall der Herderschule scheint es nicht nur zwischen einzelnen Lehrern und dem Schulleiter Misstöne zu geben. Es hat wegen des angespannten Verhältnisses bereits zahlreiche Gespräche mit schulischen Gremien gegeben, die aber nicht fruchteten. Thorsten Schnell selbst bestätigt: „Ja, es gibt einen Konflikt zwischen einem Großteil der Lehrerschaft und mir.“ Zu Details will er sich aber nicht äußern. Doch die Fronten sind so verhärtet, dass die Landesschulbehörde in den Fall eingeschaltet wurde, sie soll quasi als Schlichter fungieren.

Entfremdung zwischen der Lehrerschaft und der Schulleitung

Der Schulelternrat hat sich mit einem ausführlichen Schreiben an die Eltern gewandt. Darin heißt es unter anderem: „Wir als Elternvertreter nehmen mit wachsender Sorge eine Entfremdung zwischen der Lehrerschaft und der Schulleitung wahr. Es geht um mangelnde Kommunikation, Umsetzung von Konzepten und organisatorische Defizite.“ Von verhärteten Positionen und verloren gegangenem Vertrauen ist da die Rede. Die Elternvertreter hätten sich in zahlreichen Gesprächen mit den Beteiligten ein umfassendes Stimmungsbild machen können und seien zu dem Schluss gekommen, „dass die aktuellen Bemühungen, die Situation schulintern zu lösen, nicht ausreichen“.

Die Eltern sehen auch deshalb Handlungsbedarf, weil sich als Folge des Konflikts abzeichne, „dass es zu Einschränkungen bei freiwilligen Leistungen und Angeboten für die Schüler kommen könnte“. Sie haben sich deshalb Unterstützung gesucht. Yvonne Gleditzsch, stellvertretende Vorsitzende des Schulelternrates, sagt: „Wir haben uns an die Landesschulbehörde gewandt und sind da dran, das Problem anzugehen. Wir wollen uns aber im Detail vorerst öffentlich nicht weiter äußern, um eine Lösung der Konflikte, für die es die Bereitschaft aller Beteiligten braucht, nicht zu gefährden.“

Auch an die Stadt als Schulträger hatten sich die Eltern gewandt, von dort heißt es lediglich: „Das ist eine Angelegenheit der Schulbehörde. Wir haben natürlich Kenntnis davon erhalten und hoffen, dass sich die Situation im Sinne der Schüler, der Lehrkräfte und Eltern bald klären lässt.“ Pressesprecherin Suzanne Moenck sagt aber auch: „Wir begrüßen es, dass die Landesschulbehörde hier jetzt aktiv wird.“

Interne Konfliktaufarbeitung

Andreas Herbig, Persönlicher Referent des Leiters der Landesschulbehörde, verdeutlicht, wie er die Rolle seiner Behörde in diesem Fall sieht: „Die Aufgabe der Landesschulbehörde im aktuellen Fall ist die Beratung und Unterstützung der gesamten Schulgemeinschaft. Hier gilt es, Bedarfe zu ermitteln und Unterstützungsangebote auf diese Bedarfe auszurichten, um die bestehenden Konflikte aufzulösen. In diesem Zusammenhang haben sich die Eltern- und Schülerschaft sowie Kollegium und Schulleitung darauf verständigt, dass eine nicht öffentliche interne Konfliktaufarbeitung mit Einbezug externer Unterstützung angestrebt wird.“

Wie oft es vorkommt, dass Konflikte sich derart zuspitzen, dass die Behörde eingeschaltet wird, vermag er nicht zu sagen. Auch die Frage, welche Handhabe die Behörde hat, wenn die Probleme trotz Vermittlung nicht zu lösen sind, könne er so nicht beantworten, „da immer im Einzelfall entschieden werden muss“. Nur so viel teilt er mit: „Generell kann gesagt werden, dass die Landesschulbehörde sich für eine offene Konfliktkultur ausspricht, bei der sich jede Person erst einmal an die andere Konfliktpartei und erst dann gegebenenfalls an die nächste Ebene wendet.“

Zumindest in einem Punkt aber besteht nun offenbar Einigkeit bei allen Beteiligten: Wenn der Konflikt schon in die Öffentlichkeit gedrungen ist, soll zumindest an der Lösung jetzt abseits der Öffentlichkeit gearbeitet werden.

Hintergrund

Geräuschvoller Einstieg

Schon das Besetzungsverfahren für den Chefposten an der Herderschule, das sich über Monate hingezogen und bei dem sich Schnell schließlich durchsetzte, war alles andere als geräuschlos verlaufen. Damals, 2015 und 2016, hatte er selbst jedoch wenig dazu beigetragen, denn es waren Schüler, Lehrer und Eltern, die sich vehement und lautstark für Hans-Christian Höhne, bis dato lange stellvertretender und dann auch kommissarischer Schulleiter, als neuen Direktor ausgesprochen hatten. Höhne blieb zweiter Mann, wechselte aber im Sommer 2017 als Schulleiter nach Meckelfeld.

Von Alexander Hempelmann