Freitag , 2. Oktober 2020
Blick von Nordost auf das Grundstück in Ochtmissen, im Vordergrund ist klein der Teich unter den Bäumen erkennbar. Foto: t&w

Sorge um alte Bäume

Lüneburg. Es gehört zu den wenigen noch unbebauten Flächen im alten Ortskern von Ochtmissen, das nach seiner früheren Besitzerin auch „Sitzler-Grundstück“ genannte Areal zwischen Ochtmisser Straße und Am Wiesenhof. Doch um das knapp anderthalb Hektar große Terrain mit vielen Bäumen machen sich Bürger Ochtmissens seit Längerem Sorgen. Grund sind immer wieder auftauchende Gerüchte um bauwillige Investoren.

„Es haben schon Interessenten bei mir angerufen“, sagt Jens-Peter Schultz. Als Ortsbürgermeister von Ochtmissen ist er meist erste Anlaufstelle im Ort, wenn es um mögliche Bauvorhaben geht, so auch bei diesem Grundstück. Auch wenn Schultz schon von Amts wegen jeder Anfrage grundsätzlich offen gegenübersteht: die ablehnende Stimmung im Ort kann er nachvollziehen: „Da stehen viele alte Bäume, die erhalten bleiben sollten.“

Ausastungen und Baumbeschneidungen

Aber genau damit könnte es, wenn es nach den Vorstellungen einiger Investoren geht, schon bald vorbei sein. Aus Telefonaten weiß Schultz, dass hier bereits über den Bau von 48 Wohneinheiten nachgedacht werde – eine Größenordnung, die selbst die neubaugewohnten Ochtmisser aufschrecken lässt.

Weil in jüngster Zeit immer wieder Arbeiten auf dem Grundstück stattfanden – auch in diesen Tagen werden dort Ausastungen und Baumbeschneidungen vorgenommen –, hatte die SPD-Fraktion im Ochtmisser Ortsrat die Stadt um Aufklärung gebeten. Thomas Wiebe, Koordinator der Stadt für Ochtmissen, nahm in der jüngsten Ortsratssitzung zu den Fragen Stellung.

Danach ist das Grundstück als Waldgebiet mit „hoher ökologischer Wertigkeit der Stufe vier“ erfasst, wie Wiebe ausführte. Weil demzufolge das Waldgesetz gelte, trage hier auch die Baumschutzsatzung nicht. Das Fällen einzelner Bäume im Zuge der Verkehrssicherung sei daher zulässig. Als schützenswertes Biotop gelte zudem der im nördlichen Teil vorhandene Teich, der sei zu erhalten. Überdies seien jedwede Veränderungen im Vorfeld mit der Naturschutzbehörde abzustimmen.

Naturschutzbehörde muss einbezogen werden

Eine Bebauung des Grundstücks sei allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen, erklärte Wiebe weiter. Diese dürfe aber nur bis zu 30 Meter von der Ochtmisser Straße aus geländeeinwärts vorgenommen werden. Auch müsste die dort vorhandene und unter Denkmalschutz stehende Remise erhalten werden. Ein daneben stehendes Gebäude könne aber abgerissen werden. Ein Bauantrag liege aktuell nicht vor.

Auch wenn der Ortsbürgermeister sich erleichtert zeigte, dass eine intensive Bebauung dort wohl nicht möglich sei, gelte es, die Aktivitäten auf dem Grundstück im Auge zu behalten: „Wir müssen aufpassen.“

Von Ulf Stüwe