Rudern bei Wiking steht für Elisa Patzelt nun erst mal nicht an. Sie macht ausgedehnten Urlaub in Neuseeland. Foto: t&w

Auf der Suche nach Antworten

Lüneburg. Im Mai EM-Silber, im August WM-Bronze: Elisa Patzelt ist in diesem Jahr international oben auf der Erfolgswelle mitgerudert. Ein Ansporn für die nächsten Ziele – wären da nicht leise Zweifel aufgekommen: „Ich konnte nach dem Abitur nicht sagen, ob ich so weitermachen will.“ Bevor die 18-Jährige in einen neuen Lebensabschnitt startet, will sie die Antwort nun weit weg von Lüneburg finden – in Neuseeland. Dort, wo nicht der Leistungssport den Rhythmus ihres Lebens bestimmt, sondern wo mal alles offen ist. Am Wochenende ist Elisa in den Flieger gestiegen, will für mindestens ein halbes Jahr wegbleiben. Ein Abschied von Familie, Freunden und dem Verein, der ihr schwerfiel. „Ich bin nicht so gut darin“, gestand sie schon drei Tage vor dem Abflug.

Gemeinsam mit Trainingspartnerin unterwegs

Doch die Lüneburger Jugendsportlerin des Jahres 2018 ist nicht allein mit ihren Gedanken unterwegs: Trainingspartnerin Judith Engelbart aus Aurich, mit der sie erstmals 2016 im Vierer Deutsche Meisterin wurde, reist mit. „Wir haben eine enge Verbindung und irgendwann wurde aus unserer Spinnerei ernst“, so Elisa. Vorab aber haben sich die beiden vom Landestrainer am Stützpunkt Hannover grünes Licht geben lassen. Unter ihm trainierten sie über Jahre an unzähligen Kader-Wochenenden. „Wir wollten einfach wissen, ob wir zurückkommen können.“ Sie dürfen. „Er glaubt an unsere Leistungsfähigkeit und dass wir das hinkriegen“, freute sie sich.

Ebenso gab es Rückenwind von ihren Heim-Trainern Larissa Vent und Marten Krüger. „Sie haben den Schritt unterstützt, weil sie mich auch als Mensch sehen.“ Ein Grund, warum für das Rudertalent ein Sportinternat nie wirklich in Frage kam. Ihre festen Strukturen hatte sie lieber in der Heimat, hat hier ihren Trainingsplan eisern verfolgt. Das fällt nun weg, Stück für Stück hat sie ihr Pensum vor der Abreise zurückgeschraubt und abtrainiert. „Ich bin gespannt, ob ich ohne diese Orientierung, die ich immer hatte, überhaupt klarkomme“, verriet Elisa schmunzelnd. Sie muss, denn nur die ersten vier Tage ihrer Reise sind fest gebucht. „Danach lassen wir uns treiben, deshalb bin ich auch so aufgeregt. Zuerst wollen wir die Nordspitze erkunden.“

Nur die ersten vier Tage fest gebucht

Die Vorbereitungen für den Trip sind der Athletin nicht leichtgefallen. „Zwar wird man durch den Sport schneller erwachsen, auf der anderen Seite ist mir aber viel abgenommen worden, alles war immer organisiert. In praktischen Dingen tue ich mich deshalb manchmal schwer.“ Und so brauchte sie auch jetzt ein Stück Sicherheit vorweg: „Wie bekomme ich in Neuseeland schnell einen Job, wie einen Bankaccount, für welche Abschnitte brauchen wir unbedingt ein Auto? Das habe ich schon von Zuhause gecheckt. Aber allein, das war mir wichtig.“ Geld verdienen wollen die beiden Backpackerinnen mit Feldarbeiten auf Farmen. „Kiwis und Blaubeeren pflücken, Kartoffeln roden.“

Und auch ein Ziel für die Zeit nach Neuseeland hat Elisa Patzelt schon: Sollte sie weiter leistungsorientiert rudern, wird ihr Studium eher nichts mit Sport zu tun haben. „Das wäre mir von den Menschen her zu einseitig, ich möchte dann unbedingt auch andere Leute kennenlernen.“ Eine Handvoll Studiengänge hat sie bereits im Kopf – Berlin steht oben auf der Wunschliste.

Ist die Option, dass sie wieder einsteigt, also gar nicht so abwegig? „Sagen wir so: Satt bin ich nicht“, verriet sie. „Aber ich war sportlich auch noch nie so faul wie jetzt.“ Das aber kann nach dem Abenteuer ja durchaus wieder Ansporn sein für neue Herausforderungen.

Von Kathrin Bensemann