Die Stadt hatte reichlich Unterkünfte für Flüchtlinge geschaffen, oft wie hier als Containerlösung, jetzt kündigt Pia Steinrücke an, dass die ersten Standorte mangels Belegung wieder geschlossen werden können. Foto: t&w

Stadt gibt die ersten Standorte wieder auf

Lüneburg. Überschüssiger Wohnraum in der Hansestadt? Das ist eine ungewöhnliche Nachricht. Doch zumindest für einen kleinen Teilbereich trifft das zu: Von den derzeit 600 Plätzen in Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge sind aktuell nur noch 400 besetzt. „Wir werden nun damit beginnen, die Zahl der Plätze zu reduzieren“, sagt Pia Steinrücke, Stadträtin für Bildung, Jugend und Soziales. Bis Ende kommenden Jahres sollen dann nur noch 380 Plätze in den Unterkünften zur Verfügung stehen.

Die Zeit, als mehrmals wöchentlich Geflüchtete nach Lüneburg kamen und untergebracht werden mussten, ist vorbei. Die Stadtverwaltung kann nun mit anderen Zahlen planen. „Wir haben uns dabei an den Entwicklungen der vergangenen Jahre orientiert“, verdeutlicht Steinrücke. Im November 2018 haben noch etwa 550 Personen in den Gemeinschaftsunterkünften gelebt, seither sinkt die Zahl stetig. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Geflüchteten in eigene Wohnungen gezogen sind, erläutert Steinrücke, und zwar hauptsächlich nach Kaltenmoor: „Dort gibt es noch bezahlbaren Wohnraum.“

"Wir schmeißen natürlich niemanden raus“

75 Prozent jener Personen, die derzeit noch in den Gemeinschaftsunterkünften leben, seien bereits anerkannte Flüchtlinge. Sie haben nach Abschluss ihres Asylverfahrens den Flüchtlingsschutz erhalten. „Das bedeutet, dass sie dort nicht mehr wohnen müssen“, macht die Stadträtin deutlich. Durch eine neue Satzung wurde deshalb erst kürzlich beschlossen, dass die Unterbringungskosten in diesen Fällen vom Jobcenter oder, bei einer Berufstätigkeit, von den Geflüchteten selbst getragen werden müssen. Doch niemand müsse von einem Tag auf den anderen seine Koffer packen. „Wir motivieren diese Menschen zum Auszug in eine eigene Wohnung, aber wir schmeißen natürlich niemanden raus“, stellt Pia Steinrücke klar.

Zunächst sollen nach und nach die Unterkünfte am Vrestorfer Weg, am Bilmer Berg und in Oedeme aufgelöst werden. Die Stadträtin ist aber vorsichtig: „Es ist natürlich nicht ganz auszuschließen, dass noch mal eine Welle von Geflüchteten nach Lüneburg kommt. Deshalb brauchen wir einen Puffer und dürfen die Unterkünfte nicht zu massiv reduzieren.“

Was wird dann aus den Mitarbeitern?

Genauso sei das auch bei den Arbeitsplätzen. Von ehemals 20 Stellen in der Flüchtlingsarbeit werden in Zukunft noch zehn bestehen bleiben. Und was wird dann aus den Mitarbeitern? „Wir können die meisten glücklicherweise in anderen Stellen unterbringen, zum Beispiel in der Arbeit mit wohnungslosen Menschen“, beruhigt Steinrücke. Dadurch könne zugleich auch schnell wieder auf einen eigenen Fundus an Spezialisten zurückgegriffen werden, sollte die Anzahl der Geflüchteten erneut stark steigen.

Von Lilly von Consbruch