Der ASB baut in Drögennindorf derzeit eine neue Rettungswache. Bislang liegt die Entscheidungshoheit für solche Projekte noch in kommunaler Hand. (Foto: t&w)

Ist der Notdienst noch zu retten?

Lüneburg. In der Region wächst der Widerstand gegen die vom Bund angedachte Reform des Notfall- und Rettungsdienstes: Jetzt tritt auch der Landkreis Lüneburg dem landesweiten Bündnis bei mit dem Titel „Rettet die 112 und den Rettungsdienst – Für den Rettungsdienst als Landes- und Kommunalaufgabe“. Das hat der Lüneburger Kreistag bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen.

Damit übt der Landkreis als Träger des Rettungsdienstes den Schulterschluss mit den Kreisverbänden des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), die gemeinsam im Auftrag den Rettungsdienst vor Ort organisieren. Gleichzeitig stimmt die Lüneburger Kreispolitik damit in den Chor der Kritiker ein, der von den kommunalen Spitzenverbänden angeführt wird.

Rettungsdienst droht unter die Räder zu kommen

Stein des Anstoßes ist ein Diskussionsentwurf, der im Juli vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegt wurde und nicht nur bei Landkreisen und Kommunen für Furore sorgt. Denn der Vorstoß sieht vor, die Notfallversorgung neu zu ordnen, die bislang auf drei Säulen in unterschiedlicher Trägerschaft ruht: Da ist zum einen der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) für die eher leichteren Fälle, dann die Notfallambulanzen der Kliniken für die schwereren Fälle sowie der von Kreisen und Kommunen beauftragte Rettungsdienst. Das Ziel des Bundes ist es, die ärztliche Notfallversorgung zu stärken und die überlaufenden Klinikambulanzen zu entlasten. Doch dabei droht der Rettungsdienst in seiner bisherigen Form unter die Räder zu kommen.

Nach den Plänen aus Berlin könnte die Notfallversorgung künftig weitgehend von den Krankenkassen bestimmt werden, so eine Sorge im Lüneburger Kreishaus. „Dabei geht es beispielsweise darum, wie viele Leitstellen und Rettungswachen es gibt. Das Bündnis hingegen fordert, die Versorgung wie bisher unabhängig in Hand der Kommunen zu belassen“, fasst Kreissprecherin Isabel Wesselink in einer Pressemitteilung zusammen. Und weiter: „Das Land und die Kommunen könnten überdies von den Kassen die Kosten für Rettungswachen und Fahrzeuge übertragen bekommen. Diese kamen bislang zur Gänze dafür auf. Die Kommunen jedoch wären nicht in der Lage die zusätzlichen Lasten zu tragen.“

Wie viele Leitstellen und Rettungswachen?

Auf LZ-Nachfrage beziffert Wesselink die Kosten des Rettungsdienstes auf zirka 10,2 Millionen Euro pro Jahr. Wesselink: „Davon entfallen 8,6 Millionen Euro auf unsere Hilfsorganisationen, 700 000 Euro bekommt das Klinikum für die Bereitstellung der Notärzte und 900 000 Euro der Landkreis für Leitstelle und Trägerverwaltung.“ ASB und DRK betreiben Rettungswachen in Lüneburg, Zeetze, Bockelkathen, Ellringen, Drögennindorf und Neetze.

Kritik äußerte gestern auch Matthias Körte, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, bei der Mitgliederversammlung des Kreisverbands in Adendorf. Zu der angedachten Reform sagte er: „Völlig ausgeblendet wird bei der jetzigen Diskussion die enge Verzahnung des Rettungsdienstes mit den Feuerwehren und dem Katastrophenschutz. Die Pläne des Bundesgesundheitsministers zur Reform der Notfallversorgung gefährden den Rettungsdienst.“ In die gleiche Kerbe schlägt auf LZ-Nachfrage auch Harald Kreft, Geschäftsführer des ASB-Kreisverbands, „denn wir sind mit den bisherigen Strukturen und der Kooperation gut gefahren“.

Mit der Reform könnte auch die Notfallnummer 112 mit der Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116117) zusammengelegt werden, um eine bessere Vorsortierung der Patienten nach Dringlichkeit vornehmen zu können. „Wir finden gut, dass die Patienten über eine Institution besser geleitet werden“, sagt hingegen Detlef Haffke von der KVN Niedersachsen in Hannover. „Aber dafür bedarf es nicht eines Gesetzes, sondern einer engeren Kooperation der Akteure.“

Von Dennis Thomas