Freitag , 25. September 2020
Julian Thormählen im Lüneburger Showroom seines Unternehmens „Vonmählen“. Dort werden alle Produkte gezeigt – vom Ladekabel bis zur Powerbank. Foto: t&w

Von null auf hundert

Lüneburg. Vier Menschen Anfang zwanzig waren es im Jahr 2015, die von einem Start-up träumten. Heute beschäftigen sie über hundert Mitarbeiter, verkaufen ihre Produkte in 34 Ländern und verzeichneten vergangenes Jahr einen Umsatz von 5,2 Millionen Euro – dieses Jahr wollen sie die 10-Millionen-Euro-Marke knacken. „Vonmählen“ heißt das junge Lüneburger Unternehmen, dessen Spezialgebiet „Tech-Lifestyle-Accessoires“ sind. Das ist zugleich funktionales wie auch durchgestyltes Zubehör für Smartphones, Tablet oder Laptops. Julian Thormählen ist der Chef des Senkrechtstarters. Den Erfolg kann der 27-Jährige kaum fassen – doch er hat noch Großes vor.

Alle Produkte sind optisch aufeinander abgestimmt

Das erste Produkt des Start-ups, das bis 2018 noch „Tradeconthor“ hieß, war ein 2-in-1 Ladekabel für den Schlüsselbund mit Anschlüssen sowohl für Android- als auch Apple-Geräte. Mittlerweile gibt es weitere Multifunktionsladekabel, Powerbanks, Smartphone-Halterungen, Lautsprecher und Kopfhörer. „Wir machen nicht, worauf wir Lust haben, sondern gehen sehr analytisch und datengetrieben vor“, erklärt Julian Thormählen. Hergestellt wird, wonach viele Leute im Internet suchen – darum gäbe es zum Beispiel Vonmählen-Kopfhörer, die speziell für Frauen designt sind. Was das Start-up von anderen Herstellern abhebe, sei die Konzentration auf eine einheitliche Gestaltung: „Wir sind der Hersteller, der verschiedene Produktkategorien und Kollektionen miteinander verbindet, alles hat eine Designlinie“, sagt Thormählen. Vom Ladekabel über die Powerbank bis zu den Kopfhörern sind also alle Produkte optisch aufeinander abgestimmt.

Das Konzept kommt an: Seit der Gründung im Jahr 2015 verdoppelte das Start-up jährlich seinen Umsatz. Achtzig Prozent davon liefern Co-Branding-Verkäufe. Das heißt, dass andere Unternehmen wie Telekom, Porsche oder Adidas die Produkte mit ihrem Logo bestellen und für ihr Marketing nutzen. Den Rest erbringen weltweite Verkäufe an Flughäfen, Boardshops von Fluggesellschaften sowie Onlineangebote über Amazon, Otto und den eigenen Onlineshop.

Produktdesign, IT, Marketing

Mit der anfänglichen Idee aus dem Jahr 2015 sei Vonmählen heute nicht mehr zu vergleichen: „Wir haben uns von einem Start-up zu einem professionellen Unternehmen entwickelt“, sagt Thormählen. Der Jungunternehmer aus der Gemeinde Bienenbüttel kam direkt von seinem dualen BWL-Studium, als er das Start-up gründete. „Früher habe ich mich um den Einkauf, den Vertrieb oder das Design gekümmert – ich habe alles gemacht. Aber mittlerweile haben wir viele Experten und Abteilungen.“ Produktdesign, IT, Marketing, Rechtsabteilung, Qualitätsmanagement, Verkauf – alles findet unter einem Dach in dem Lüneburger Neubau statt, in den das Unternehmen vergangenes Jahr einzog. Aus 14 Nationen kommen die Mitarbeiter – das Durchschnittsalter liegt bei 27 Jahren. Produzieren lassen die Lüneburger im Technologiezentrum Dongguan in China. Dort haben sie mit einem lokalen Hersteller ein Joint Venture gegründet.

Das Ziel: Eine internationale Marke werden

Die Entwicklung des Start-ups vergleicht Julian Thormählen mit einer Reise: „Das ist eine riesige Autobahn, auf der wir uns bewegen. Manchmal muss man abfahren und manchmal wieder zurück auf die Autobahn. Das Feedback durch Auszeichnungen sagt uns, dass wir uns auf der richtigen Spur befinden.“ Denn der junge Unternehmer kennt auch den anderen Weg: Während seines Studiums gründete er bereits zwei andere Start-ups in der Telekommunikationsbranche – die allerdings beide scheiterten; sie waren zu teuer. Beim dritten Anlauf klappte es umso besser: Für das rasantes Wachstum von Vonmählen kürte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte den Newcomer im Jahr 2017 mit der Auszeichnung als „Rising Star“ der deutschen Technologieunternehmen – „da muss man sich erstmal kneifen“, sagt Thormählen.

Sein Ziel geht allerdings weiter: „Wir wollen in den nächsten Jahren den Umsatz kontinuierlich hochfahren und eine internationale Marke aufbauen.“ In dieses Ziel steckt Julian Thormählen sein ganzes Herzblut. Er sagt: „Ich konzentriere mich zu hundert Prozent auf die Firma und meine Mitarbeiter. Für mich ist Vonmählen mein Hobby, meine Leidenschaft, mein Leben.“

Von Franziska Ruf