Sonntag , 20. September 2020
Der Metronom ist für viele Pendler immer wieder ein Ärgernis – doch kann die Uelzener Eisenbahngesellschaft selbst nur wenig ausrichten, heißt es von deren Sprecher. (Foto: t&w)

Wenn der Zug wieder nicht kommt

Lüneburg. Es knirscht mal wieder im Getriebe, und die Pendler sind frustriert: Anfang des Monats sind allein zwischen Hamburg und Uelzen zwölf Metronom-Verbindungen ausgefallen, dutzende hatten deutliche Verspätungen. Metronom-Kundin Michaela Ballin klagt: „Meine Tochter und ihr Vater pendeln täglich nach Harburg und haben seit etwa 14 Tagen ständig Verspätungen zwischen 5 und 30 Minuten sowie völlig überfüllte Züge, da häufig einzelne Verbindungen ausfallen.“ Mittlerweile seien sie so verärgert, dass sie lieber mit dem Auto zu einem P&R-Parkplatz an einem S-Bahnhof fahren und die S-Bahn nutzen.

Wenn der Metronom auf seinen Online-Angeboten die Verspätungen und Ausfälle verkündet, dann meist mit Begründung. Als häufigster Grund war da zuletzt ein technischer Defekt an der Lok zu lesen, oft aber auch fehlendes Personal.

Kein Einfluss auf Reparaturen

Eine ähnliche Situation wie im Sommer, als über längere Zeit ganze Zugtakte aus dem Fahrplan gestrichen wurden, weil drei Zugverbände längerfristig beschädigt waren, liege derzeit aber nicht vor: „Es handelt sich hier um unterschiedliche, kleinere Defekte an wechselnden Loks“, erklärt Metronom-Sprecher Björn Pamperin. Er gibt zu bedenken: „Auf den technischen Zustand der Fahrzeuge und Gleise hat Metronom selbst praktisch keinen Einfluss.“ Die Fahrzeuge seien Eigentum des Landes Niedersachsen und würden an den Metronom „betriebsbereit“ übergeben.

Die Wartung und Reparatur erfolge im Auftrag des Landes durch den Hersteller Bombardier selbst. „Metronom kann nur einen ausreichend hohen, einsatzbereiten Fahrzeugbestand fordern, was wir sehr nachdrücklich tun.“ Doch die Reparatur beeinflussen oder gar selbst ausführen – das dürften sie nicht. Ähnlich verhalte es sich bei den Gleisen, Signalanlagen und Oberleitungen – diese seien von der Deutschen Bahn (DB Netz) nur gemietet, auf den Zustand habe die Uelzener Verkehrsgesellschaft ebenfalls keinen Einfluss.

Strecken überlastet 

Dass die Züge oft überfüllt sind, weiß auch Pamperin. „Metronom kann hier leider relativ wenig reagieren.“ Es benötige dafür mehr Kapazitäten auf den Gleisen, insbesondere auf den Trassen um Hamburg sei es zu Zeit nicht möglich, mehr und öfter Züge fahren zu lassen, da die Strecken aus- oder gar überlastet seien. Die einzelnen Züge gehören der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), die auch deren Anzahl und Verteilung plant. „Metronom tritt hier vor allem als Berater auf und plant den Einsatz der vorhandenen Züge.“

Auch wenn Metronom auf die Faktoren Schienennetz, Netzauslastung und Fuhrpark unmittelbar wenig Einfluss zu haben scheint, will das Unternehmen die Zustände verbessern. Dafür startete es im vergangenen Jahr eine Infrastrukturinitiative, in der sie zum Beispiel Forderungen nach besserem Grünschnitt an den Gleisböschungen sowie den Ausbau des Schienennetzes formuliert hat.

Pro Jahr 30 Lokführer in Ausbildung

Beim Thema Personalmangel gibt Pamperin zu: „20 Prozent der ausgefallenen Zugfahrten hatten als Ursache 2018 ,fehlender Lokführer‘, besonders betroffen war die Strecke zwischen Uelzen und Hamburg.“ Allerdings führen auf dieser Trasse mit Abstand die meisten Züge, „teilweise im 20-Minuten-Takt“. Die Ansage „fehlender Lokführer“ heiße nicht immer, dass grundsätzlich zu wenige Lokführer da sind, auch kurzfristige Krankmeldungen, die nicht durch einen Kollegen in Bereitschaft ersetzt werden können, zählten da mit hinein. „Insgesamt hat der Metronom zur Zeit fünf unbesetzte Stellen bei den Lokführern.“

Die Situation soll sich aber bald verbessern. „Gerne stellen wir Lokführer jedoch auch über Bedarf ein, um Überstunden abzubauen und einen umfassenden Bereitschaftsdienst sicherstellen zu können.“ Pro Jahr bilde Metronom durchschnittlich 30 Lokführer aus. „Durch unsere eigene Ausbildung werden wir den Stand, mehr Lokführer zu beschäftigen als eigentlich geplant oder benötigt, voraussichtlich Anfang nächsten Jahres erreichen.“

Zahlen, bitte!

Mehr als ein Ausfall pro Tag

Durchschnittlich 1,6 Zugfahrten pro Tag seien im ersten Halbjahr 2019 ausgefallen, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin.

  • 50 Prozent der Ausfälle waren technischen Defekten an den Fahrzeugen geschuldet
  • 20 Prozent der Ausfälle kamen durch einen fehlenden Lokführer zustande
  • 15 Prozent der Ausfälle entstanden durch Baustellen
  • 10 Prozent der Ausfälle hatten andere externe Einflüsse, wie etwa das Wetter, als Grund.

Von Robin Williamson