Mittwoch , 23. September 2020
Beim Rosen-Dreh am Reihersee musste alles auf „DDR“ getrimmt sein – von Campingmöbeln, Zelt bis zum Trabi. Foto: be

Rosen schreiben DDR-Geschichte

Lüneburg. „Ausgezeichnet als schöner See“ steht auf dem etwas vergilbten Schild am Ufer. Unzweifelhaft ist der Reihersee in Brietlingen schön, dennoch scheint d ieses Schild hier irgendwie fehl am Platze. Auch Hammer und Zirkel im Ährenkranz muten seltsam an. Die Zelte auf der Wiese sehen etwas aus der Zeit gefallen aus, genau wie die Trainingsanzüge ihrer Bewohner. Des Rätsels Lösung sind mal wieder Dreharbeiten für die Roten Rosen. Denn die neue Haupdarstellerin Astrid Richter hat, genau wie ihre Darstellerin Claudia Schmutzler, eine DDR-Vergangenheit. Und die wird an diesem sonnigen Freitag Mitte September nachgestellt.

Zuschauer wird in den Sommer 1989 entführt

Am vergangenen Dienstag lief Folge 3001, die erste Folge der 17. Staffel mit der neuen Hauptdarstellerin über die Bildschirme. Astrid Richter wuchs in der DDR auf und floh im Sommer 1989, kurz vor der Wende, über Ungarn in die Bundesrepublik. Wegen eines Jobangebots kommt sie nun zurück nach Lüneburg, wo sie einst studierte. Hier trifft sie nicht nur ihren damaligen Freund Henning, sondern auch ihre jüngere Schwester wieder. Die quirlige Öko-Bäuerin Tina Richter (Katja Frenzel) aus dem Wendland ist die Freundin von Anwalt Torben Lichtenhagen (Joachim Kretzer). Mit Sabine (Marianne Graffam) sind die drei Richter-Schwestern komplett. Als sie im Herbst 2019 gemeinsam den Mauerfall feiern wollen, kommt es zu Spannungen und alte Wunden reißen wieder auf. In Folge 3008, die am kommenden Freitag zu sehen ist, wird der Zuschauer nun in den Sommer 1989 entführt, in dem das Leben der drei Schwestern eine schicksalsträchtige Wendung nahm. „Wir arbeiten hier mit sogenannten „Flashbacks“, also Rückblenden“, erläutert Außenrequisiteur Sascha Kaminski. „Die Requisiten wandern durch die Zeit.“ Astrid findet eine alte Holzpuppe wieder, die Erinnerungen weckt. Was es mit der Puppe auf sich hat, wird in der Rückblende klar.

Authentizität ist Pflicht bei den Rosen

„Das Besorgen und Zusammenstellen der Requisiten war aufwendig, aber extrem spannend“, erzählt Kaminski. Der 48-Jährige, der auch schon für das Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ gearbeitet hat, kennt sich mit der Wendegeschichte bestens aus. Bereits acht Wochen vor Drehstart begann er mit den Vorbereitungen, durchsuchte den Fundus und das Internet. Benötigt wurden unter anderem Zelte, Luftmatratzen, ein Ruderboot und ein MIFA-Fahrrad „Die meisten Leute waren dankbar, dass sie noch ein bisschen Geld für ihre alten Sachen bekamen und freuen sich nun, sie im Fernsehen wiederzusehen!“ Die Requisiten werden bis ins letzte Detail ausgearbeitet – Authentizität ist Pflicht bei den Rosen.

Für die Kleidungsstücke fuhr Kostümchefin Birgit Missal extra nach Babelsberg, wo es einen Fundus mit DDR-Kleidung gibt. Von den drei jungen Damen, die nun in diesen Kostümen stecken, um die Szene vom Sommer 1989 nachzuspielen, hat keine den Mauerfall miterlebt. Aber sie kommen gut vorbereitet zum Außendreh: Am Vortag hatten sie im Studio die Gelegenheit, ihre erwachsenen Pendants in ihren Rollen am Bildschirm zu studieren und sogar persönlich zu treffen. Florine Ballnuweit aus Wahlstedt spielt die junge Tina. Die 14-Jährige hat hier ihre erste Sprechrolle. Sie möchte unbedingt Schauspielerin werden, ist sich aber bewusst, dass dies kein einfacher Weg sein wird. „Sie hat schon gequengelt seit sie acht war. Mit elf haben wir sie dann bei einer Agentur angemeldet“, erzählt ihre Mutter Berit. Mia Bock (15) aus Henstedt-Ulzburg spielt Sabine und ist zum ersten Mal bei Fernsehaufnahmen dabei. Stine Groffmann (19) aus Winsen schließlich, die in die Rolle der jungen Astrid schlüpft, ist schon eine routinierte Komparsin. Die Abiturientin könnte sich ebenfalls vorstellen, den Schauspielberuf zu ergreifen, aber zunächst beginnt sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in Darmstadt.

Zufälliges Zahlenspiel

Der Aufwand ist groß für die sechs Bilder, die in der Folge am Ende insgesamt ungefähr fünf Minuten ausmachen werden. Dabei hatte das ganze Team aber eine Menge Spaß: selbstverständlich wollte jeder einmal im Trabi probesitzen! Für Erheiterung sorgte auch ein zufälliges Zahlenspiel: Die Dreharbeiten begannen mit Bild 11 für die Folge 3009. „Als wir es dann auf der Klappe stehen sahen, fiel es uns auf“, erzählt Sascha Kaminski: „3009/11 – und das genau 30 Jahre nach dem Mauerfall am 9.11.!“ Mit der termingerechten Ausstrahlung am historischen Datum klappt es leider nicht ganz, denn der 9. November ist in diesem Jahr ein Sonnabend.

Von Ruth Heume