Sonntag , 20. September 2020
Winfried Harendza und Oberst a.D. Theodor Bross managen gemeinsam den VHS-Bildungsfonds. (Foto: A/t&w)

Bildung ist der Schlüssel

Lüneburg. „Bildung ist die nachhaltigste Waffe, um die Welt zu verändern.“ Der Satz stammt von Nelson Mandela – „und er hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt“, finden Winfried Harendza und Theodor Bross. Dabei könnten die beiden Männer längst ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Stattdessen engagieren sie sich ehrenamtlich für den VHS-Bildungsfonds, der jetzt sein zehnjähriges Bestehen feierte. Der wurde ins Leben gerufen, um Menschen finanziell zu unterstützen, die einen Alphabetisierungskursus an der Volkshochschule besuchen oder ihren Schulabschluss nachholen möchten. Das Besondere an dem Fonds: Er finanziert sich komplett durch Spenden.

Winfried Harendza war im aktiven Berufsleben jahrzehntelang Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Theodor Bross Berufsoffizier. Zwei Charaktere also, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch eint beide dasselbe Ziel: Jungen Menschen zu einer qualifizierten Schulausbildung zu verhelfen. Man könnte auch sagen: Auch als Pensionäre sind die beiden als Mutmacher unterwegs.

Auf der Schattenseite des Lebens

„Denn anstatt dauerhaft Hartz IV und andere Sozialleistungen zu beziehen, können die Menschen mit einem qualifizierten Schulabschluss eine Ausbildung machen und einen Beruf ausüben, somit ihr eigenes Geld verdienen, Steuern und Abgaben zahlen, erinnert Winfried Harendza, der seit Gründung des VHS-Bildungsfonds dabei ist, zunächst noch mit dem ehemaligen Lüneburger Superintendenten Dr. Christoph Wiesenfeldt an seiner Seite, seit 2017 mit Unterstützung von Oberst a. D. Theodor Bross.

Ziel des VHS-Bildungsfonds ist es, Frauen und Männern zu helfen, die keinen Schulabschluss haben und nicht mehr schulpflichtig sind. „Diese Menschen haben häufig auch wirtschaftliche Probleme und können die Kosten für einen Vorbereitungskurs nicht aufbringen“, wissen die VHS-Kuratoren Harendza und Bross. Die beiden werben deshalb Geld für Menschen ein, die in Sachen Bildung – aus welchen Gründen auch immer – bisher auf der Schattenseite des Lebens standen. Für die, die sich den Alphabetisierungskurs, den Haupt- oder den Realschulkursus an der Volkshochschule ohne finanzielle Unterstützung nicht leisten können. Allerdings handelt es sich bei den finanziellen Leistungen des VHS-Bildungsfonds nie um eine hundertprozentige Unterstützung, einen Eigenanteil – und sei er noch so gering – müssen die Absolventen selbst aufbringen, getreu dem Motto, dass nichts wert ist, was auch nichts kostet.

Bei Unternehmen, Verbänden und Organisationen „Klinken putzen“

Vor allem die hohe Zahl derer, die kaum lesen und schreiben können, erschreckt Theodor Bross. Laut einer Studie sind es bundesweit rund 7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren, denen es an Schriftsprachkenntnissen mangelt. Für den Oberst a.D eine alarmierende Zahl, „denn wer nicht lesen und schreiben kann, wird sich in der hochtechnologisierten Welt immer weniger zurechtfinden.“ Mit anderen Worten: „Das sind die Menschen, die in der Arbeitswelt als erste hinten runterfallen.“

Bross und Harendza wollen gegensteuern, und das tun sie mit viel Erfolg. Dafür sind sich die beiden auch nicht zu schade, bei Unternehmen, Verbänden und Organisationen Klinken putzen zu gehen oder sich mit einem Info-Stand in die Bäckerstraße zu stellen. Alles im Dienste der guten Sache. So kamen in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 265  579 Euro an Spenden für den VHS-Bildungsfonds zusammen. „Geld, das zu 100 Prozent den Teilnehmern zugute gekommen ist“, betont Harendza und nennt weitere Zahlen: „In den vergangenen zehn Jahren konnten wir 38 Teilnehmer auf ihrem Weg zum Hauptschulabschluss und 143 Männer und Frauen für den Realschulabschluss fördern, die ohne diese Unterstützung ihren Schulabschluss vermutlich nicht erreicht hätten.“

Und nicht zuletzt konnten 184 Kursteilnehmer aus dem Programmbereich Grundbildung – Lesen und Schreiben für Erwachsene – unterstützt werden, deren Perspektive und Lebensqualität sich durch die Kursteilnahme zum Teil erheblich verbessert haben. Da sind sich Winfried Harendza und Theodor Bross sicher.

Von Klaus Reschke