Samstag , 26. September 2020
Das Abendmahl-Gemälde von da Vinci modern in Szene gesetzt, das hatten 2016 jugendliche „Teamer“ der Gemeinde Lüne. Bei der Wandelnacht erklärte unter anderem Sebastian Schütt (4. v. l., stehend) noch einmal das Projekt und Besucher durften sich hineinfühlen. Foto: Michael Behns

Mit allen Sinnen Glauben erleben

Lüneburg. Ankündigung und Programm habe sie als sehr spannend empfunden, „nun habe ich als neugieriger Gast große Lust, mich durch das Kloster treiben zu lasse n, zu schauen, was passiert und die besondere Atmosphäre dieses Ortes zu genießen“, sagt Petra Novotny, im Kapitelsaal stehend. Die Lüneburgerin gehört zu den vielen Hundert Besuchern, die am Mittwochabend zur Wandelnacht im Kloster Lüne strömten. Die Veranstaltung am Vorabend des Reformationstages, die von einem ökumenischen Vorbereitungsteam organisiert worden war, wurde dank des Einsatzes vieler Ehrenamtlicher aus Gemeinden und dem Kloster ein Abend des Erlebens, Entdeckens und Teilens.

Es ist eine schöne Geste des Willkommens, die den Besuchern am Eingang zum Kloster entgegengebracht wird. Claas, Wilhelm und Jannis, Konfirmanden der St. Mariengemeinde in Scharnebeck, erklären nicht nur sehr freundlich, wo es Faltblätter mit dem Programm plus Wegweiser gibt, sondern sie bieten auch gefaltete Zettelchen mit „Worten der Zuversicht“ an. Bereits in der Eingangshalle steht fest: Das ist hier proppevoll. In den schummerigen Gängen flackern Kerzen, das Lesen des Faltblatts fällt da eher schwer. Also treiben lassen, entdecken und erleben. Zum Beispiel das Da-Vinci-Projekt im Kapitelsaal. Dort erläutern Sebastian Schütt (21) und Hannes Richter (20) von der Gemeinde Lüne, was sie und andere Jugendliche dazu bewogen hat, das Abendmahl-Gemälde nachzustellen, dieses fotografieren zu lassen.

Es gibt eine Silent Party

„Wir haben das Bild verkauft und der Erlös ging unter anderem in die Jugendarbeit“, erläutern die beiden den Besuchern, die an der Tafel stehen oder Platz nehmen, um das Ganze auf sich wirken zu lassen. Tischgemeinschaft mit allen Sinnen erleben, essen, trinken und gemeinsam „Elfchen“ spielend dichten, kann man in der Vordiele. Doch nur nicht den ganzen Abend in der wohligen Atmosphäre dort verbringen, denn die Wandelnacht bietet so viel. So kann man unter anderem erfahren, was es mit Martin Luthers Wappen, der Lutherrose, auf sich hat und sie selbst gestalten. Kirchliche Popmusik lädt zum Mitsingen ein, wie auch eine Taizé-Andacht. Schauspieler Rolf Becker interviewt Ingo Werth zum Thema Seenotrettung.

Die Leitende Superintendentin Christine Schmid trifft man mit Besuchern auf dem Klosterfriedhof, der erstmals 1422 belegt wurde und über den sie manches zu berichten weiß. Es gibt eine Silent Party, bei der per Kopfhörer Musik auf die Ohren kommt und ausgelassen auf dem Sarggang getanzt wird, Meditation, ein Konzert mit Sarah Kaiser, es wird musiziert und vieles mehr.

Kleiner Lüneburger Kirchentag

Sich einfach weiter treiben lassen und die Atmosphäre genießen, heißt es auch, wenn vor manchem Workshop eine Klosterführerin per Schild ankündigt: Der Workshop ist voll und hat begonnen. Äbtissin Reinhild Freifrau von der Goltz, die mit Referent Dr. Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim, durch die Gänge wandelt, zeigt sich hoch erfreut über den großen Zuspruch zu der Veranstaltung, „mit der wir so eine ökumenische Breite anbieten können“.

Auch Christine Schmid ist begeistert, „dass sich so viele Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und Religion hier treffen, um sich mit Themen rund um Glauben und Gesellschaft zu beschäftigen“. Mit der Vielfalt ist allen gemeinsam etwas gelungen, was anfänglich nur eine Idee der Organisatoren war: ein kleiner Lüneburger Kirchentag.

Von Antje Schäfer

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