Sonntag , 27. September 2020
Stehende Ovationen gab es zum Abschied für Landrat Manfred Nahrstedt. Dank gebührt aus Sicht vieler Redner auch seiner Frau Elena Rehfeld-Nahrstedt. (Foto: t&w)

Abschied mit „anarchischer Note“

Lüneburg. Am liebsten wäre Landrat Manfred Nahrstedt ein „Abschied ohne Reden“, aber mit Bierstand und Frittenbude vor der Kulturbäckerei gewesen. Doch die Statuten des eigenen Landkreises machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Demnach erhalten diejenigen einen Eintrag ins Ehrenbuch mit Verleihung einer Urkunde und goldener Ehrennadel, die drei Wahlperioden oder wenigstens zwölf Jahre Mitglied im Kreistag waren. Nach 13 Amtsjahren und zuvor 10 Jahren als Abgeordneter hat Nahrstedt diese Grenze längst überschritten.

Und so wurde es am Mittwoch dann doch ein von der Verwaltung organisierter formeller Abschied in der Ritterakademie – mit Rouladen statt Pommes und mehr Rednern, als es sich Nahrstedt wohl hätte träumen lassen. Die Landesregierung aus Hannover schickte den Leiter der Staatskanzlei, Staatssekretär Dr. Jörg Mielke, für die Landratskollegen sprach der Vorsitzende der Landrätekonferenz, Michael Roesberg aus Stade, und für die hauptamtlichen Bürgermeister im Landkreis Lüneburg trat deren Sprecher, Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann, ans Rednerpult.

Biografie-Puzzle eines facettenreichen Lebens

Die Laudatio für den Eintrag ins Ehrenbuch hielt der Vorsitzende des Kreistags, Rainer Dittmers. Und als Moderator übernahm der Chefdramaturg des Lüneburger Theaters, Friedrich von Mansberg, die Koordination der Redner – unter die sich dann auch noch die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags mischten, außerplanmäßig. Für die rund 200 Gäste setzten die Redner ein Biografie-Puzzle von Nahrstedts facettenreichem Leben zusammen – von der Geburt bis zu seinem Abschied, durchsetzt von viel Lob und kaum Kritik.

„Er befolgt alle Regeln, ist aber nie angepasst und hat immer eine eigene Meinung.“ – Dr. Jörg Mielke, Staatssekretär

Manfred Nahrstedt sei wie sein Lieblingsclub, der FC St. Pauli, sagte Mielke. Dieser „spielt, in welcher Liga auch immer, mit einer anarchischen Duftnote“. Die besitze auch der scheidende Landrat. „Er befolgt alle Regeln, ist aber nie angepasst und hat immer eine eigene Meinung.“ Die anarchische Duftnote habe dem Kreis nicht geschadet „und macht dich sympathisch“, erklärte der Staatssekretär.

Alles andere als angepasst

Dass Nahrstedt alles andere als angepasst ist, bestätigte auch Roesberg. Stades Landrat war sich noch nicht einmal sicher, ob „der liebe Manfred“ wenigstens zu seiner eigenen Verabschiedung eine Krawatte tragen würde, „deshalb habe ich eine für dich eingesteckt“. Doch die wurde dann doch nicht gebraucht. Entsprechend seiner Parteizugehörigkeit trug Nahrstedt Rot am Hals, zumindest bis zum Ende seiner Abschiedsrede. „So, nun kann die Krawatte ab, jetzt bin ich Privatmann.“

Zuvor hatte sich Nahrstedt noch bei politischen und beruflichen Weggefährten sowie den Mitarbeitern der Verwaltung bedankt – besonders aber bei seinem Fahrer Holger Detels. „Ich weiß nicht, wie viele gemeinsame Kilometer wir in über einem Jahrzehnt bewältigt haben. Wir haben in vielen Gesprächen über Gott und die Welt gesprochen. Nach anstrengenden Terminen war das eine Zeit zum Ausatmen und Entspannen.“

Nun freut sich Nahrstedt darauf, seinen Ruhestand mit seiner Familie zu verbringen. „Liebe Elena, lieber Jonas, jetzt habt ihr mich den ganzen Tag an der Backe.“

Von Malte Lühr