Sina Knoell gibt ihr Wissen in Einzel- und Gruppenkursen weiter. Foto: mikelucasfotografien

Keine Zeit für schlechte Gedanken

Lüneburg. Eigentlich war alles perfekt. Sina Knoell hatte einen Freund, einen guten Job bei einer Unternehmensberatung und eine Altbauwohnung in begehrter Hamburger Lage. Eigentlich also war alles perfekt. Aber glücklich war Sina Knoell nicht. „Ich saß da und hab mich gefragt: Das soll jetzt mein Leben sein?“, erzählt sie.

Wer heute mit Sina Knoell spricht, könnte glauben, sie berichtet von lange zurückliegenden Zeiten. Denn heute ist ihr Leben ein völlig anderes. Und doch ist seit der Krise nur ein Jahr vergangen. Ein Jahr, in dem Knoell ihr Leben umgekrempelt hat. Der Freund, der Job, die Wohnung – alles Vergangenheit. Heute ist Sina Knoell selbstständige Trainerin für positives Denken und lebt wieder in ihrer Heimatstadt Lüneburg.

Angefangen hatte diese Entwicklung rund um ihren 30. Geburtstag. Aus einem diffusen, aber doch tiefen Gefühl der Unzufriedenheit heraus entschloss sich Knoell, eine Auszeit zu nehmen. Sie reiste nach Lateinamerika. Allein. Und entdeckte, was ihr in Deutschland fehlte. „Dieser freundliche und herzliche Umgang der Menschen vor allem in Costa Rica war einfach großartig“, sagt sie. Auch hatte sie Gelegenheit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Schon früher hatte sie daran gedacht, eine Coaching-Ausbildung zu machen. Nach zwei Tagen zurück in Lüneburg begann sie damit. „Da habe ich gemerkt: Das will ich machen“.

Nicht jeder war am Anfang von ihrer Idee überzeugt

Schließlich fasste sie den Entschluss, sich selbstständig zu machen – als Coach für positives Denken. „Es geht darum zu lernen, wie man mit negativen Gedanken umgehen kann und Positives besser wahrnimmt.“ Nicht jeder war am Anfang von ihrer Idee überzeugt. „Natürlich gab es Leute, die gesagt haben: Davon wirst du nicht leben können“, berichtet Knoell. Doch das waren quasi nur Herausforderungen, positives Denken selbst zu trainieren. Hatte sie keine Angst vor dem Schritt in die Selbständigkeit? „Nein. Es fühlte sich einfach richtig an. Da brauchte ich keinen Mut mehr.“

In Einzel- oder Gruppensitzungen hilft sie nun Menschen, die etwas verändern wollen in ihrem Leben. „Viele haben beruflichen Stress, manche aber auch Liebeskummer“, erzählt Knoell. Und obwohl sie mit ihrem neuen Leben zufrieden ist, ist selbst eine Trainerin für positives Denken manchmal schlecht gelaunt. „Das ist doch ganz normal.“ Darum gehe es aber auch nicht. „Höhen und Tiefen gehören immer dazu. Wichtig ist nur, dass einen das Negative nicht allzu lange belastet.“

Von Lion Grote

LifeHacks

Tipps zum positiven Denken

Die Trainerin für positives Denken Sina Knoell hat zehn Lebenstipps ("Lifehack") zusammengestellt, die helfen sollen, im Alltag positiver zu denken. 

Schulterklopfer: Es kommt häufig vor, dass wir den ganzen Tag mit einer „kleinen Stimme“ im Kopf herumlaufen, die kritische und verunsichernde Gedanken wiederholt. Unterläuft uns ein Fehler, beschäftigen wir uns eher mit diesem, als mit zurückliegenden Erfolgen. Umso wichtiger ist es, regelmäßig bewusst gut mit sich selbst zu sprechen. Wie das? Rufen Sie sich am besten direkt vor dem Schlafengehen eine Sache in Ihr Bewusstsein, die Ihnen an dem Tag gut gelungen ist. Klopfen Sie sich gedanklich auf die Schulter und sagen Sie sich selbst: „gut gemacht“. Je regelmäßiger Sie sich mit positiven Gedanken über sich selbst beschäftigen, desto besser fühlen Sie sich und desto stärker wird Ihr Selbstbewusstsein.

Mein Tipp bei schlechter Laune: einfach kurz lächeln, obwohl Ihnen eigentlich gerade nicht danach ist. Auch bei grundlosem Lächeln werden Glückshormone freigesetzt und Stress reduziert, denn Sie signalisieren Ihrem Gehirn, dass es Ihnen gut geht. Es gibt Erkenntnisse, dass der Körper nicht zwischen einem gespielten und einem echten Lächeln unterscheiden kann. Also, worauf warten Sie?

Die Erledigt-Liste: Viel zu häufig schauen wir auf die Dinge, die noch anstehen und die wir noch nicht geschafft haben. Was gut ist, damit wir organisiert sind und nichts vergessen. Dadurch geben wir uns aber ständig unbewusst das Signal, dass wir nicht fertig sind und immer noch etwas zu tun ist. Wir schauen auf das, was noch nicht erledigt ist, statt auf das, was wir schon alles erreicht haben. Mein Tipp: Schreiben Sie zur Abwechslung mal eine Erledigt-Liste und notieren sich, was sie heute schon alles geschafft haben. Tun sie das regelmäßig, hat das einen enormen Einfluss auf Ihre Zufriedenheit und innere Ruhe.

Mein schöner Moment: Die Erinnerung an besonders schöne Momente aus der Vergangenheit macht glücklicher, denn in diesem Moment werden Glücksgefühle ausgelöst. Psychologen raten daher, man solle sich bewusst Zeit dafür nehmen, sich an schöne Momente aus der Vergangenheit zurück zu erinnern. Nehmen Sie sich doch jetzt sofort kurz Zeit, halten inne und denken an deinen letzten schönen Moment. Welcher war es und wie haben Sie sich gefühlt? Mehr ist nicht zu tun. Genießen Sie den Moment einfach in Gedanken noch einmal.

Positiver Tagesabschluss: Möchten Sie Ihren Tag mit einem zufriedenen und schönen Gefühl beenden? Dann nutzen Sie von nun an häufiger den positiven Tagesabschluss. Notieren Sie drei Dinge, die an diesem Tag schön waren und sie vielleicht sogar zum Lächeln gebracht haben. Dadurch richten Sie Ihren Fokus auf die positiven Ereignisse in Ihrem Alltag. Zudem erleben Sie in Gedanken die schönen Momente und damit verbundenen Emotionen noch einmal. Genießen Sie es.

Dankbarkeit mal anders: Es ist allgemein bekannt, dass dankbare Menschen glücklicher im Leben sind. Viele Menschen praktizieren Dankbarkeit daher aktiv in ihrem Alltag und schreiben zum Beispiel ein Dankbarkeitstagebuch. Heute habe ich mal ein wenig Abwechslung für Sie: überlegen Sie sich, welche Probleme und Herausforderungen andere Menschen in Ihrem Umfeld zu meistern haben und seien Sie dankbar dafür, dass Sie diese nicht haben. Hier geht es nicht darum, sich am Leid anderer zu erfreuen sondern zu realisieren, dass Sie mit Ihren Sorgen nicht alleine sind.

Genervtsein in Ruhe verwandeln: Sind Sie manchmal genervt, wenn Sie warten müssen, zum Beispiel im Stau, an der Kasse im Supermarkt, oder wenn die Bahn mal wieder Verspätung hat? Nutzen Sie diese Zeit ab jetzt sinnvoll. Wenn Sie sich ärgern, verändern Sie nicht die Situation, sondern nur den Stresslevel in Ihrem Körper. Anstatt sich aufzuregen, denken Sie mal den folgenden Gedanken: Dir wird gerade keine Zeit geklaut, sondern du hast einen Moment der Ruhe geschenkt bekommen. Dann entspannen Sie sich bewusst, indem Sie sich auf Ihren Atem fokussieren. Viel Spaß und einen niedrigen Blutdruck wünsche ich Ihnen.

Bestärkende Körperhaltung: Sie möchten sich schnell besser fühlen? Kein Problem, Sie brauchen nur wenige Sekunden Zeit dafür. Folgen Sie diesen fünf Schritten:

  • Richten Sie Ihren Rücken auf
  • Lassen Sie die Schultern nach hinten und unten sinken.
  • Drücken Sie das Brustbein heraus.
  • Atmen Sie einmal tief ein und aus.
  • Lächeln Sie.

Durch eine aufrechte und gerade Körperhaltung werden Sie sich sofort besser fühlen, denn diese haben einen großen Einfluss auf Ihr Wohlbefinden. Und, wie geht es Ihnen jetzt?

Mit allen Sinnen genießen: Das Hier und Jetzt genießen zu können, ist eine wichtige Fähigkeit zur Steigerung des Wohlbefindens. Vielen Menschen fällt dies aber schwer. Eine Methode, um einen Moment bewusster wahrzunehmen und die positiven Gefühle damit zu intensivieren, ist den Fokus bewusst auf die Sinne zu richten:
1. Was sehen und hören Sie gerade?
2. Was können Sie schmecken oder riechen?
3. Was spüren Sie (z.B. Temperatur, Wind, etc.)?
Erleben Sie den Unterschied und genießen Sie den Moment in vollen Zügen. Viel Spaß dabei!

Was ist Glück? Wenn Sie sich mit Fragen rund um das Thema Glück beschäftigen, werden Glückshormone in Ihrem Gehirn freigesetzt. Bei der Suche nach der Antwort denken Sie nämlich an schöne Dinge. Hier ein wenig Inspiration:
1. Was bedeutet Glück für Sie?
2. An welchem Ort der Welt fühlen Sie sich am glücklichsten?
3. Welche Person macht Sie glücklich?