Dienstag , 29. September 2020
Jasna Gavrilovic und Heiko Meyer trinken aus den neuen Mehrwegbechern des Pfandleihsystems "Recup", die jetzt in mehreren Lüneburger Geschäften erhältlich sind. (Foto: t&w)

„Recup“ startet in Lüneburg

In der Innenstadt verteilen schon mehrere Cafés den Mehrwegbecher.

Lüneburg. Kein einziger Einweg-Becher sei in den vergangenen Tagen über seinen Tresen gegangen, verkündet Gastronom und Lüneburger-Citymanagement (LCM)-Vorsitzender Heiko Meyer stolz. Denn seit Montag letzter Woche geben sein Café und drei weitere in der Lüneburger Innenstadt die neuen „Recup“-Becher aus, auch in Tankstellen und Bäckereien anderer Stadtteile sind sie erhältlich. Recup – Das ist ein Kunststoffbecher, den Kunden gegen einen Pfand von 1 Euro ausleihen – und nach dem Kaffee-Genuss gegen den Euro oder einen frischen Becher wieder eintauschen können. Das Besondere: Dieses Pfandbecherleihsystem wird mittlerweile von tausenden Betrieben in ganz Deutschland eingesetzt, die Gefäße können bei allen teilnehmenden Lokalen abgegeben werden.

Schon im Juni hatten sich LCM, Lüneburger Stadtmarketing und das „Öko? Logisch!“-Referat des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Leuphana Universität zusammengetan, um das System in der Stadt zu etablieren. 20 Partnercafés zu finden war das gesetzte Ziel, die zusammen 25.000 Becher bestellen sollten – dann sollte auch ein eigener „Recup“-Becher mit der Lüneburger Skyline als Motiv Realität werden. Aktuell sind es neun Betriebe, die die Becher schon eingeführt haben oder kurz vor der Einführung stehen, doch schon einige weitere haben großes Interesse bekundet. „Bis Ende des Jahres haben wir die angepeilten 20 Partner gefunden,“ ist sich Heiko Meyer sicher. Die Lüneburg-Becher könnten dann im Frühjahr ausgegeben werden.

Viele Betriebe überzeugt vom System

LCM-Chef Meyer freut sich insbesondere über die gute Zusammenarbeit der Café-Betriebe in der Lüneburger Innenstadt. „Eigentlich sind wir ja Mitbewerber“, sagt er, „aber bei den Vernetzungstreffen für das Recup-System haben wir ein sehr harmonisches Miteinander.“ Das liege daran, dass die Beteiligten überzeugt von dem System seien.

Etwas holprig läuft es aber derzeit mit den Cafés auf dem Uni-Campus – während zwar die mobile Kaffeeküche „Karacho“ schon erfolgreich auf „Recup“ umgesattelt hat, sind die anderen Lokale noch nicht so weit. „Die einzelnen Cafés befinden sich noch im Gespräch mit Recup“, sagt Sina Spachmann vom „Öko? Logisch!“-Referat. Wie lange dies noch andauern würden, vermochte sie derzeit nicht einzuschätzen.

Klaus Hoppe, Geschäftsführer der Campus-Management, die auch das „Café Valinta“ auf dem Uni-Gelände betreibt, ist zur Zeit noch nicht vollends überzeugt von dem „Recup“-System: „Wir schauen noch, ob das für den Campus das Richtige ist.“ Von anderen teilnehmenden Gastronomen habe er gehört, dass die Becher zwar gerne angenommen , aber nicht zurückgebracht werden. „Dann muss man die nächsten Becher nachbestellen.“ Dies könne zwar daran liegen, dass das Projekt hier noch am Anfang steht, allerdings ist er nicht sicher, ob das System auch außerhalb der Innenstadt funktioniert. „Es lebt ja auch davon, dass die Becher bei allen Teilnehmern zurückgegeben werden können.“ Wenn diese aber weit entfernt von den anderen liegen – wie etwa auf dem Leuphana-Campus – könnte es schwierig werden. Allerdings nimmt er noch immer an den Vernetzungstreffen teil – wenn sich das System bewährt, könne er sich eine Teilnahme vorstellen.

Deutlich sicherer ist sich aber die Mensa auf dem Uni-Campus: Schon Mitte November wird das Studentenwerk dort die Pfandbecher einführen, wie auch in den Standorten Braunschweig, Hildesheim, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg, sagt Sprecherin Christiane Thoroe.

Der „Recup“ kommt aus München

Erst vor drei Jahren hat sich in München das Unternehmen gegründet, dessen Becher fast überall in Deutschland im Umlauf sind. Das Material der Mehrwegbecher nennt sich Polypropylen, laut Hersteller seien sie bruchsicher und können mindenstens 500 mal wiederverwendet werden. Alte Recups werden dann zu den Herstellern geschickt und wieder recycelt.
Kunden können sich auch passende Deckel zu den Bechern kaufen, die kein Teil des Pfandsystems sind. Die kosten 1,20 Euro.

Über die Recup-App können Nutzer jederzeit einsehen, wo das nächste Café oder Restaurant die Mehrwegbecher annimmt und ausgibt.

Wer nimmt aktuell teil?

In Lüneburg sind neben dem „Coffeehouse No. 1“ auch das Café Bell & Beans, die Cafébar „Fräulein Paula“, der mobile Kaffeestand „Karacho Kaffee“, „Soetebiers Dorfbäckerei“ und mehrere Araltankstellen vertreten.

Von Robin Williamson