Mögen die Arbeit an der frischen Luft: Martin Ostwald (l.) und Christian Schultz. (Foto: ada)

Inklusiver Einsatz für die Natur

Alt Garge. Ein beherzter Schnitt mit der Astschere und schon hat Frank Leopold die Triebe des Faulbaums von den Wurzeln gelöst. „Das Schneiden geht gut, das Rausziehen ist schon schwieriger“, sagt Mario Schmidt, der die Äste entgegennimmt und stapelt. Wo man auch hinschaut an diesem Tag auf der Binnendüne im Waldgebiet „Garger Berge“ – es wird geschnitten, gezogen und gebuddelt. Rund 25 Männer und Frauen mit und ohne Behinderung packen für den Naturschutz mit an und entkusseln die Heidefläche mitten im Wald.

Das Projekt ist eine Kooperation der beiden Biosphärenreservatsverwaltungen Niedersächsische Elbtalaue und Drömling sowie der Lebenshilfen Lüneburg-Harburg und Altmark West aus Sachsen-Anhalt.

Lebensraum für bedrohte Arten

Die Binnendünen bieten einen wichtigen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie die Heidelerche oder die Blauflügelige Ödlandschrecke. Wird die Fläche nicht gepflegt, säen sich Birken, Kiefern oder Faulbäume aus und überwachsen die sonnenliebenden Heideflächen. Deshalb müssen die Binnendünen regelmäßig von den jungen Bäumen befreit werden. „Gemeinsam mit der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg machen wir das schon seit mehreren Jahren“, erklärt Anne Spiegel von der Biosphärenreservatsverwaltung „Niedersächsische Elbtalaue“. Die Gäste aus Sachsen-Anhalt sind in diesem Jahr das erste Mal dabei.

„Wir machen eine Partnerschaft und besuchen uns gegenseitig“, erklärt Christian Schultz von der Lebenshilfe Altmark West während er einen jungen Trieb aus der Erde zieht. Gemeinsam mit Martin Ostwald von der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg arbeitet er sich von Ästchen zu Ästchen. Seit gerade mal einer Stunde kennen sich die Männer, die jetzt schon wirken, wie alte Freunde. Denn ein gemeinsames Ziel verbindet sie: „Wir machen das, damit die Heide wieder Luft kriegt und für die Tiere“, so Schultz. Trotz der zeitweise schweißtreibenden Arbeit, macht das Engagement den Männern Spaß: „Es tut gut an der frischen Luft zu sein, mal etwas anderes zu sehen“, findet Schultz.

Britta Habenicht, Ehrenamtskoordinatorin bei der Lebenshilfe Lüneburg Harburg, weiß um die vielen positiven Effekte, die die Arbeit auf die Teilnehmer hat. „Wir wollen ihnen damit auch zeigen, dass sich jeder engagieren kann. Es macht ihnen viel Spaß, man lernt viel über die Natur und die Tiere und am Ende sind alle stolz, wie viel sie geschafft haben“, sagt Habenicht.

Der Anfang einer langen Partnerschaft

Ein paar hundert Meter weiter zupft und zerrt eine andere Gruppe Kiefernsprößlinge aus den seltenen Flechtenhängen, während die Sonne ihnen die Rücken wärmt. Jeder so gut er kann und möchte. Rund anderthalb Stunden sind die Gäste um Sabine Wieter vom Biosphärenreservat Drömling nach Bleckede gefahren. „Wir wollten mal schauen, was die anderen hier machen und entdecken, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt“, erklärt sie. Das Interesse war groß, „am liebsten wären noch viel mehr Teilnehmer mitgekommen“, sagt Wieter.

Das inklusive Austauschprojekt, welches durch den Dachverband der Nationalen Naturlandschaften „Europarc Deutschland“ gefördert wird, soll der Anfang einer langen Partnerschaft der beiden Biosphärenreservate sowie der Lebenshilfen sein. „Wir versuchen es so aufzubauen, dass wir uns einmal jährlich treffen“, sagt Sabine Wieter. Als Zeichen der Verbundenheit haben die Gäste aus Sachsen-Anhalt extra einen Apfelbaum mitgebracht. „Der wird einen schönen Platz bei uns finden“, verspricht Anne Spiegel.

Knapp drei Stunden lang entkusseln Martin Ostwald, Christan Schultz und die anderen, was die Arme hergeben. Auch ein Mittagessen und ein Besuch im Archezentrum Amt Neuhaus stehen noch auf dem Programmplan. Und wer weiß, vielleicht entstehen hier, zwischen Bäumen, Heide und Flechten schon ganz bald ganz neue Freundschaften.

Von Anke Dankers