Mittwoch , 30. September 2020
Im nächsten Schuljahr werden keine Erstklässler in der Außenstelle Dorfstraße der Grundschule Adendorf eingeschult. Das missfällt Eltern und der Gruppe ABAE/Linke im Gemeinderat. Sie fordern die Bildung von Schulbezirken. (Foto: be)

Politik diskutiert über Schulbezirke

Adendorf. Schulbezirke für Adendorf? Mit dieser Idee liebäugeln Hans-Dieter Wilhus (ABAE) und Markus Graff (Linke): Die beiden Ratsmitglieder haben einen entsprechenden Antrag für die Sitzung des Schulausschusses am Dienstag, 29. Oktober, formuliert. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Der Grund für den Vorstoß der beiden Oppositionspolitiker: 2020 sollen keine Erstklässler in der Außenstelle Dorfstraße eingeschult werden, sondern nur noch in der Schule am Weinbergsweg. „Für uns ist das aber nicht hinnehmbar“, sagt Markus Graff: „Wir wollen nicht alle zukünftigen Erstklässler gleich zu Fahrschülern machen.“ Kurze Beine, kurze Wege laute das Motto. „Und daran sollten wir uns auch in Zukunft halten“, fordert der stellvertretende Sprecher der Gruppe ABAE/Linke.

„Meine Kollegen und ich haben uns das wirklich nicht leicht gemacht.“ – Gesa Johannsen, Schulleiterin

Grundschulleiterin Gesa Johannsen bestätigt auf LZ-Anfrage: „Diese Entscheidung wurde von mir aus schulorganisatorischen Gründe so getroffen.“ Und weiter: „Meine Kollegen und ich haben uns das wirklich nicht leicht gemacht und verschiedene Alternativen durchgespielt“, erklärt die Pädagogin. Letztlich sei man aber zu der Erkenntnis gelangt, „dass die jetzige Lösung die verträglichste sei, um ein verlässliches, konstantes und pädagogisch sinnvolles Schulleben für alle Kinder zu gestalten.“

So lasse sich verhindern, dass durch Standort- und Lehrerwechsel gerade für die jetzigen Zweit- und künftigen Drittklässler eine große Unruhe entstehe. Schulvorstand und Schulelternrat seien in die Entscheidungsfindung mit eingebunden gewesen. Ihre Beweggründe für die umstrittene Entscheidung wird Johannsen auch am Dienstag
im Schulausschuss interessierten Politikern und Eltern erläutern.

Kinder werden im „Elterntaxi“ gebracht

Aber nicht alle Eltern der Kinder, die im nächsten Jahr eingeschult werden sollen, können die Entscheidung der Schulleitung nachvollziehen: Von „viel Unmut unter den betroffenen Eltern“ ist in einem Brief an die Schulleiterin die Rede. Anmeldefristen für alternative Schulen seien teilweise schon abgelaufen, sodass für die betroffenen Eltern nun keine Wahlmöglichkeit mehr bestehe“, kritisieren drei Adendorfer Mütter in ihrem Schreiben, das auch der LZ vorliegt.

Das Argument der angespannten Raumsituation in der Dorfstraße sowie die Abschaffung der Eingangsstufe wollen sie nicht gelten lassen: „An der Raumsituation hat sich seit vielen Jahren nichts geändert. Es war schon immer so, dass nur sechs Klassenräume zur Verfügung standen und dass deshalb ein Teil der älteren Schüler im Verlauf der Grundschulzeit (zuletzt alle zwei Jahre nach der zweiten Klasse) zum Weinbergsweg wechseln musste. Dieses Vorgehen hat sich über viele Jahre bewährt“, geben die Eltern zu bedenken.

Unzumutbar langer Schulweg?

Weil jetzt nur noch am Weinbergsweg eingeschult wird, befürchten die Eltern einen unzumutbar langen Schulweg gerade für die Erstklässler. Viele Kinder werden dann mit „Elterntaxis“ gefahren“, mahnen sie.

Diese Sorge teilen auch Graff und Wilhus. Mit der Einführung von Schulbezirken wollen sie dafür sorgen, das auch 2020 wieder Erstklässler in der Außenstelle Dorfstraße eingeschult werden. Im Rathaus aber stößt der ABAE/Linke-Vorstoß offenbar auf wenig Zustimmung: „Verwaltungsseitig wird die Bildung von mehreren Schulbezirken derzeit nicht favorisiert“, heißt es in der Sitzungsvorlage zum Ausschuss.

Von Klaus Reschke