Samstag , 24. Oktober 2020
Mit viel Lob ist Bleckedes Bürgermeister Jens Böther bei seiner letzten Ratssitzung verabschiedet worden. Am Freitag tritt er sein neues Amt als Landrat des Landkreises Lüneburg an. (Foto: t&w)

Böther hinterlässt große Lücke

Bleckede. Wehmut wollte CDU-Fraktionschef Wilhelm Kastens an diesem Abend eigentlich nicht aufkommen lassen, hatte dann aber doch Probleme, seine Stimme unter Kontrolle zu halten. Rathausmitarbeiterin Michaela Pape ließ ihren Gefühlen gleich freien Lauf und drückte damit auch ohne Worte aus, was wohl viele im Bleckeder Haus empfanden: Der Abschied von Bürgermeister Jens Böther wird eine große Lücke an der Elbe hinterlassen.

Am 1. November übernimmt der 53-jährige Christdemokrat die Amtsgeschäfte von Manfred Nahrstedt (SPD) im Lüneburger Kreishaus, insgesamt 13 Jahre hat er dann auf dem Chefsessel der Stadt gesessen. Eine lange Zeit, die er erfolgreich und nachhaltig geprägt hat, wie auch Urte Schwaberau (CDU) in ihrer Laudatio herausstellte. Als Ratsvorsitzende war es ihr vorbehalten gewesen, stellvertretend für die Lokalpolitiker die richtigen Worte am Ende der letzten gemeinsamen Sitzung zu finden.

Viel Wasser sei während seiner Amtszeit die Elbe herabgeflossen, betonte sie, mitunter zu viel und hob damit Böthers besonderen Einsatz im Kampf gegen das Hochwasser hervor. Insgesamt 7,3 Kilometer neuer Deich seien in den vergangenen 13 Jahren gebaut worden, dabei dicke Brocken aus dem Weg zu räumen gewesen. „Da hast Du Meilensteine hinterlassen.“

Viele Beiträge für eine attraktive Stadt

Aber auch kleine wertvolle Splitter hinterlasse Böther den Bleckedern: Mehr als eine Dekade Dorferneuerung hätten vielerorts das Leben auf dem Lande verbessert, die Sanierung von Schloss oder Hafen die Attraktivität der Stadt erhöht: „Alle zur Verfügung stehenden Fördermöglichkeiten bestmöglich zu nutzen, war immer Dein Steckenpferd“, sagte Schwaberau.

Aber auch auf vielen anderen Gebieten habe sich Böther erfolgreich engagiert, so seien in seiner Ära unter anderem das Gymnasium entstanden, zahlreiche städtische Gebäude saniert worden, Inklusion und Ganztag an den Grundschulen umgesetzt sowie Feuerwehrhäuser um- und neugebaut worden.

„Du hast einen guten Kontakt zu den Menschen gehabt.“ – Urte Schwaberau, Ratsvorsitzende

Überhaupt hätten die Brandschützer dem scheidenden Bürgermeister sehr am Herzen gelegen – ebenso wie die vielen Vereine und Verbände, deren Arbeit er stets würdigte und schätzte. „Du hast einen guten Kontakt zu den Menschen gehabt“, resümierte die Ratsvorsitzende, „warst bei Veranstaltungen und Festen ein gern gesehener Gast.“ Im Namen des Rates wünschte sie Böther einen guten Start im neuen Amt und hofft, dass er Bleckede immer gewogen sei.

Das sei auch seine Absicht, versprach Böther anschließend in seiner Abschiedsrede an den Rat. Die Zeit an der Elbe „waren bis jetzt die besten Berufsjahre meines Lebens“, sagte er. Er dankte den Lokalpolitikern für die gute Zusammenarbeit der vergangenen Jahre, würdigte aber besonders auch die Arbeit seiner „Mannschaft“ in der Verwaltung. Diese hätte bei der Umsetzung seiner Ziele, die gute Infrastruktur auszubauen, immer mitgezogen, aber auch viele eigene Ideen eingebracht.

Ein besonderer Dank aber galt seiner rechten Hand, Michaela Pape, die ihm als Abfangjägerin, Organisatorin und gute Seele immer den Rücken freigehalten habe. „Egal, wie ich ins Büro gekommen bin, mal euphorisch, mal geknickt, denn der HSV kann nicht immer gewinnen: Wir hatten eine traumhafte Zusammenarbeit“, sagt er und nahm seine sichtlich gerührte Mitarbeiterin zum Dank in den Arm.

Gute Kooperation prägte die Zusammenarbeit

Im Laufe der Sitzung hatten sich auch die Fraktionsvorsitzenden beim scheidenden Bürgermeister für die gute Kooperation in den vielen Jahren bedankt. Kastens betonte, dass ohne Böthers Einsatz in Alt Garge heute kein Deich existieren würde, Anja Hinners (SPD) hob besonders die Fortschritte in der Kinderbetreuung hervor, Martin Gödecke (UWB) freute sich über eine „doch sehr harmonische Zusammenarbeit“, und von Christop Soetebeer (Grüne) bekam er aus Sicht des Politikers die Schulnote Drei plus, als Ratsmitglied eine sehr gute Zwei und vom Standpunkt des Ortsvorstehers aus eine glatte Eins.

Denn dass auch die Kooperation mit den Vertretern der Bleckeder Ortsteile hervorragend war, demonstrierte deren Geschlossenheit: Alle waren an diesem Abend gekommen, um sich bei Böther mit einem Bildband für die vergangenen 13 Jahre zu bedanken.

Von Ute Lühr