Donnerstag , 29. Oktober 2020
Das Veterinäramt im Landkreis Lüneburg ist für rund 3400 Nutztier-Betriebe zuständig. Pro Jahr kontrolliert die Behörde weniger als 200. (Foto: t&w)

Mehr Vertrauen als Kontrolle

Lüneburg. Nach den jüngsten Skandalen um keimbelastete Wurst bis hin zu den Vorwürfen der Tierquälerei in einem Tierversuchslabor im Kreis Harburg wollte die LZ wissen, wie es um die Kontrollen im Landkreis Lüneburg bestellt ist. Das zuständige Veterinäramt hatte Anfang des Jahres eingeräumt, nur noch Feuerwehr spielen zu können. Der Fachdienst des Landkreises ist zuständig für die Überwachung der Tierhaltung bis hin zur Kontrolle von Schlacht- und weiterverarbeitenden Betrieben. Zwar wurde laut Kreisverwaltung 2019 eine weitere Veterinärstelle eingerichtet und besetzt, dennoch kann es weiterhin im Durchschnitt 14 Jahre dauern, bis ein Tierhaltungsbetrieb Besuch von einem Kontrolleur bekommt. Anders sieht es bei den Schlacht- und weiterverarbeitenden Betrieben aus.

Zunächst: „Tierversuchseinrichtungen oder -labore wie die Einrichtung LPT im Landkreis Harburg gibt es im Landkreis Lüneburg nicht“, sagt auf LZ-Nachfrage Isabel Wesselink, Pressesprecherin des Landkreises Lüneburg. Also zumindest eine Front weniger, an der sich die Lüneburger Kontrolleure mühen müssen. Genug zu tun haben sie ohnehin. Derzeit verfügt das Veterinäramt des Landkreises über sechs Tierärzte und eine Veterinärhelferin, die die Kontrollen durchführen.

3424 Betriebe mit Nutztieren registriert

Laut Wesselink seien aktuell 3424 Betriebe mit Nutztieren im Landkreis Lüneburg registriert. Die teilten sich folgendermaßen auf: 699 Klauentierhalter, 972 Geflügelhalter, 31 Fischhalter, 1085 Pferdehalter, 637 Bienenhalter. Wesselink: „2018 wurden 183 Tierschutzkontrollen in Betrieben mit landwirtschaftlichen Nutztieren durchgeführt, 2019 bislang 139.“

Zudem habe das Veterinäramt laut Haushaltsplan unter anderem das Ziel, 20 Prozent der schweinehaltenden Betriebe mit mehr als 100 Schweinen zu überwachen. Wesselink: „Dabei wird geprüft, ob die tierschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten werden.“ Allerdings gäbe es keine gesetzlichen Vorgaben, wie viele solcher Kontrollen durchzuführen sind, heißt es.

Jährlich 40 planmäßige Routinekontrollen

Eine höhere Kontrollfrequenz findet hingegen bei den Schlacht- und weiterverarbeitenden Betrieben im Kreis Lüneburg statt. Aktuell sind im Kreisgebiet 25 solcher Betriebe erfasst, darunter auch Landschlachtereien. Wesselink: „Nicht enthalten sind Fleischtheken der Lebensmittel­einzelhändler.“ Für diesen Bereich sind Kontrollquoten gesetzlich vorgeschrieben. Im Landkreis Lüneburg müssen demnach jährlich 40 planmäßige Routinekontrollen durchgeführt werden. Wesselink sagt: „2019 wurden bis zum 23. Oktober insgesamt 28 Kontrollen, davon 18 planmäßige Routinekontrollen, durchgeführt.“ In den anderen Fällen sind die Amtsleute Hinweisen von Dritten nachgegangen.

Im Jahr 2018 wurden nach Angaben des Kreises 15 Verstöße bei den Schlacht- und weiterverarbeitenden Betrieben festgestellt, auf die eine „behördliche Maßnahme folgte“. 2019 seien bislang 16 Verstöße registriert worden. „Bei den Verstößen handelte es sich um Mängel bei der Kennzeichnung oder in baulicher Art sowie Verstöße gegen allgemeine Hygienevorschriften“, sagt Kreissprecherin Wesselink. „Darauf folgten in der Regel Mängelmitteilungen. Daneben wurden kreisweit insgesamt sechs Anordnungen erlassen. Bußgeld- oder Strafverfahren mussten dabei nicht eingeleitet werden.“

Von Dennis Thomas