Donnerstag , 1. Oktober 2020
Freuen sich auf eine enge künftige Zusammenarbeit: David Abendroth (l.) und Peter Rowohlt. Foto: t&w

Amtsantritt mit Hindernissen

Melbeck. Beschlüsse des Rates sind zeitnah umzusetzen. Daran besteht für Kommunalpolitiker und Verwaltung kein Zweifel: In der Gemeinde Melbeck aber ist trotzde m vieles über die Jahre liegengeblieben. 70 Punkte lang ist die Liste der „Altlasten“, die es noch abzuarbeiten gilt. Von Straßensanierungen über Realisierung des Breitbandkonzeptes bis hin zur Modernisierung und Ertüchtigung des Regenwasserkanals. Zusammengestellt hat die Liste David Abendroth, der in der Gemeinde das Amt des Gemeindedirektors übernehmen soll. Die Ernennungsurkunde will er aber erst annehmen, wenn er eine personelle hauptamtliche Unterstützung an die Seite gestellt bekommt, der Rat eine entsprechende Sachbearbeiterstelle im Stellenplan festschreibt. Denn alleine sei die Arbeit nicht zu bewältigen, gibt Abendroth zu bedenken. Der Verwaltungsausschuss gab mehrheitlich grünes Licht für die öffentliche Ausschreibung der Stelle. Gesucht wird ein Mitarbeiter für die Sachbearbeitung im Baubereich.

Doch diese Entscheidung sorgt auch für Unmut: „Herr Abendroth sucht jemanden, der seine Arbeit machen soll“, kritisiert etwa Ratsherr Dieter Konrad (SPD). Mit dieser Schelte steht er offenbar aber ziemlich alleine da: „Wir sollten jetzt die Chance und die Möglichkeit nutzen, um wieder zurück in geordnetes Fahrwasser zu kommen“, kontert Melbecks ehrenamtlicher Bürgermeister Klaus Hübner (CDU), der zugleich auch das Amt des stellvertretenden Gemeindedirektors ausübt und zurzeit die laufenden Amtsgeschäfte mehr oder weniger alleine bewältigen muss, da der bisherige Gemeindedirektor Carsten Riegel sein Amt bereits niedergelegt hat.

Ein Novum im Landkreis Lüneburg

Genauso wie Hedda Lampe in Barnstedt oder Stephanie Bunt­rock in Deutsch Evern. In diesen Gemeinden hat Abendroth die Aufgaben des Gemeindedirektors bereits übernommen, Anfang Januar soll der Personalwechsel in Embsen erfolgen, Abendroth Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD) ablösen.

Wenn dann auch noch die Weichen für den Amtsantritt in Melbeck gestellt sind, wird Abendroth der erste hauptamtliche Gemeindedirektor in vier Gemeinden sein. Dafür hatte Peter Rowohlt in der Samtgemeindeverwaltung eigens die Stabsstelle „Mitgliedsgemeinden“ geschaffen. Damit reagierte er auf die Aufforderung des Landkreises, eine Lösung für die „rechtswidrige Doppelvergütung“ – sprich Arbeitszeitausgleich und Aufwandsentschädigung für das Nebenamt – zu finden. „Unser Modell ist im Landkreis bislang einzigartig“, sagte Rowohlt vor wenigen Monaten im Gespräch mit der LZ – wohlwissend, dass auch bei anderen Samtgemeinden die Kommunalaufsicht des Landkreises die jahrzehntelange Praxis der „Doppelvergütung“ missbilligt hatte. „Wenn wir es aber so machen, wie es die Aufsicht will, ohne Extra-Stunden und ohne Geld, macht es niemand,“ hatte Rowohlt bereits im Dezember 2018 zu bedenken gegeben. Finanziert wird Abendroths Stelle von den vier Gemeinden Deutsch Evern, Melbeck, Embsen und Barnstedt – der Kostenschlüssel richtet sich nach der Zahl der Einwohner. Im Gegenzug wird die Samtgemeindeumlage gesenkt.

Kein Stellvertreter aus dem Rathaus

Während in allen anderen Mitgliedsgemeinden Gemeindedirektor Abendroth von leitenden Mitarbeitern des Rathauses vertreten wird, ist bislang niemand bereit, den Posten in Melbeck zu übernehmen. Derzeit nimmt der ehrenamtliche Bürgermeister Klaus Hübner die Aufgabe wahr. Gelöst werden soll das Personalproblem nun durch die Einstellung eines Sachbearbeiters, der Abendroth in seiner Arbeit als Gemeindedirektor unterstützen soll. Zu den Aufgaben des neuen Mitarbeiters gehört auch der „Aufbau einer Bauverwaltung“, ist in der Stellenausschreibung nachzulesen. Rund 60.000 Euro wird Melbeck diese neue Stelle kosten. Viel Geld. Doch in der Samtgemeinde denkt man weiter. Sind die „Altlasten“ in Melbeck erst mal abgebaut, kann sich Rowohlt gut vorstellen, dass auch andere Gemeinden und die Samtgemeinde das Fachwissen des neuen Mitarbeiters nutzen.

Von Klaus Reschke