Samstag , 26. September 2020
Richard Meier und seine Vereinskollegen sind überzeugt, dass viele Lüneburger für den Erhalt des Flugplatzes sind. (Foto: t&w)

Flieger geben nicht auf

Lüneburg. Die Politik hatte Ende August mehrheitlich im Rat beschlossen: Es wird keine Pachtverlängerung für den Luftsportverein Lüneburg (LVL) geben. Damit schien das endgültige Aus des Flugplatzes zum Vertragsende im Oktober 2020 besiegelt. Doch LVL-Chef Richard Meier hatte bereits nach der Ratssitzung angekündigt: Für die Flieger ist das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen. Gesagt, getan: Nun soll ein Bürgerentscheid klären, ob der Flugplatz noch eine Zukunft hat.

5800 Unterschriften wären erforderlich

Axel Rokohl und Frank Wecke, beide Mitglieder des Luftsportvereins, sind Absender eines Schreibens an die Stadt unter dem Titel „Anzeige eines Bürgerbegehrens“. Darin beantragen sie, der Verwaltungsausschuss möge prüfen, ob das Bürgerbegehren zum Erhalt des Flugplatzes um weitere 15 Jahre zulässig ist. Zur Begründung heißt es: Der Flugplatz, den es seit Jahrzehnten in Lüneburg gebe, sei nicht nur Sportstätte und öffentliche Verkehrseinrichtung, sondern auch für den Feuerwehrflieger im Rahmen des Katastrophenschutzes notwendig. Darüber hinaus sei das Gelände ökologisch wertvoll und als Kaltluftschneise bedeutsam fürs Stadtklima. Eine Verlängerung des Betreibervertrages zwischen Stadt und LVL stelle sicher, dass das Gelände keiner anderen Nutzung zugeführt werde.

Wie berichtet, gibt es seitens der Stadt bereits seit 2012 Pläne, die Fläche als Gewerbegebiet auszuweisen. Umweltverbände und auch Teile der Politik lehnen das ab, unter anderem auch
29 aus den Gründen, die der Verein anführt. Allerdings gibt es auch Kritiker, die seit Langem den Flugbetrieb aus Lärm- und Sicherheitsgründen ablehnen.

Dem Schreiben an die Stadt ist auch ein Vordruck für eine Unterschriftensammlung beigelegt. „Wenn der Verwaltungsausschuss grünes Licht gibt, dass das Bürgerbegehren zulässig ist, müssen wir mindestens 5800 Unterschriften – das sind 10 Prozent der Wahlberechtigten bei der letzten Kommunalwahl – zusammenbekommen, damit die Stadt einen Bürgerentscheid veranlassen muss“, erklärt der Vereinsvorsitzende Richard Meier.

„Bürger sollen über Erhalt oder Schließung entscheiden“

Der Luftsportverein sieht in der Bevölkerung großen Rückhalt für den Flugplatz. Denn im Zusammenhang mit dem Antrag auf Verlängerung des Pachtvertrages für das Gelände an der Zeppelinstraße, den die Flieger in den Rat eingebracht hatten, hatten sie Unterschriften von Unterstützern gesammelt. 9500 signierten dabei für den Erhalt des Flugplatzes, viele aus der Region Lüneburg, 4500 davon laut Meier aber auch direkt aus Lüneburg. Da dies aber im Rat ohne Reaktion verhallte, initiiere der Verein nun das Bürgerbegehren. „Wir meinen, dass die Lüneburger selbst über Schließung oder Erhalt ihres Flugplatzes entscheiden sollen“, sagt Meier.

Der Verein, der sich von einem Verwaltungsrechtler beraten lässt, geht davon aus, dass er ein halbes Jahr Zeit hat für die Sammlung der Unterschriften. Kommt es dann zum Bürgerentscheid, müssen mindestens 20 Prozent aller Wahlberechtigten der Stadt Lüneburg mit einem „Ja“ zu folgender Frage stimmen: „Soll der Vertrag zwischen der Stadt Lüneburg und dem gemeinnützigen Luftsportverein Lüneburg über den Betrieb des Flugplatzes (unter den derzeitig vertraglich festgelegten Bedingungen, insbesondere Pachtzahlung und festgelegte Begrenzung Flugbewegungen) über den 31. Oktober 2020 hinaus, um 15 Jahre verlängert werden?“

Stimmt die Mehrheit der Bürger dafür, muss die Stadt dieses Votum umsetzen.

Von Antje Schäfer